Jahrgang 
1915
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brach der Krieg aus. Sofort trat er am 2. August als Kompagnieführer des ersten Landsturm- BataillonsFrankfurt a. M. ins Heer ein. Zum Hauptmann befördert, verließ er Frankfurt mit seiner Kompagnie am 10. Oktober und zog durch Belgien nach Frankreich, wo er seitdem in und bei St. Quentin, zuletzt in Ham, anstrengenden Etappendienst verrichtet. Aus seinen Briefen spricht der Geist regster Tatkraft, treuer Fürsorge für seine Landstürmer, fester Zuversicht auf den Sieg der gerechten Sache.

Als der Unterzeichnete die ihm übertragene Stellvertretung übernahm, traten gerade die ersten Anzeichen hervor von dem tiefgreifenden Einfluß, den der gewaltige Krieg auf die äußere Gestalt und den inneren Zustand unserer Schule ausüben sollte. Die Professoren Sittig, Goez, Dr. Kraemer, Dr. Schmidt, Dr. Gentsch, Tenter und Dr. Trost, die Oberlehrer Dr. Fahz, Dr. Stiebeling, Diehl, Dr. Hartte, Dr. Laibach und Schreiner, und die Herren Horn und Nattkemper, mit dem Direktor also 16 von den 34 ordentlichen Gliedern unseres Kollegiums sind binnen weniger Monate dem Rufe zu den Waffen gefolgt, ebenso unsere sämtlichen Seminarkandidaten der älteren Generation. Einer dieser letzteren, Kandidat Heinr. Weider aus Usingen, war der erste aus unserer Schul- gemeinde, der am 23. August den Heldentod für das Vaterland starb. Neben ihm standen die Kollegen Penter, Stiebeling, Sittig und Hartte an der Front und erwarben sich, wie der Gefallene, das Eiserne Kreuz.

Aber auch eine große Anzahl der Schüler unserer Oberklassen folgten freudig, die meisten freiwillig, dem mächtigen Zug des Vaterlandes. So von den 26 Oberprimanern nicht weniger als 19, von den Unterprimanern 9. Die 19 Oberprimaner und 4 Unterprimaner, die im 3. Semester in Prima saßen, bestanden die Notreifeprüfung. Dazu kamen 7 Obersekundaner und 5 Untersekundaner, die als Kriegsfreiwillige sich meldeten und denen die Reife für die nächst höhere Klasse bestätigt werden konnte. Unter diesen Freiwilligen forderte der Tod ebenfalls ein edles Opfer. Fritz Dillge war am 22. August in das 223. Reserve-Infanterie- Regiment eingetreten. Am 29. Dezember wurde er von einer russischen Granate tödlich ver- letzt in einem polnischen Dorfe unweit Lodz. Er starb den Heldentod am 11. Januar im Garnisonlazarett zu Torgau. Auf seinem Sterbebette erreichte ihn die Nachricht von seiner Beförderung, und erst nach seinem Tode erhielten die Seinigen die Nachricht, daß ihm das Eiserne Kreuz verliehen worden war. Wie der reichbegabte Jüngling in allen Klassen immer einer der besten gewesen an Talent und Charakter, so hatte er sich auch auf dem Felde der Ehre bewährt. Die ganze Schule gab ihm das Geleite, als er am 15. Januar hier beigesetzt wurde. Mit dem Eisernen Kreuz geschmückt sind auch bereits der aus IIa ausgetretene 17 jährige Heinrich von Lersner und der 18jährige Unterprimaner Heinrich von Hollen, beide bereits zu Leutnants befördert.

Hatte der Krieg die Reihen unserer Kollegen und älteren Schüler so stark gelichtet, so galt es nun, die Ordnung der Anstalt den veränderten Verhältnissen anzupassen. Dank der freudigen Unterstützung, die die Bekämpfung des Notstandes von allen Kollegen erfuhr und die sich zunächst in freiwilliger Mehrbelastung mit Unterrichtsstunden äußerte, konnte der Unterricht mit einiger Einschränkung aufrecht erhalten werden, und als der Abgang der Kollegen zahlreicher wurde, erlebten wir die Freude, daß zwei ehrwürdige Herren, die schon seit Jahren ihr otium cum dignitate genossen hatten, unsere Zahl durch freiwillige ehrenamt- liche Wiederaufnahme ihres Lehramtes verstärkten: Herr Universitätsprofessor a. D. Dr. Theo- bald Ziegler, der nun nicht müde wird, mit jugendlichem Feuer die ingenia unserer Sekundaner und Tertianer zu entzünden, und der Senior unseres Kollegiums, Herr Wilhelm Haase, der sich ebenso im freudigen Dienst an unserer Vorschuljugend zusehends wieder verjüngt. Neben der überaus wertvollen Unterstützung dieser beiden Herren liehen uns auch zahlreiche junge Kräfte freundliche Hilfe. Schon im ersten Vierteljahre war dazu reichlich Gelegenheit vor- handen, als die Herren Professor Tenter und Dr. Fahz militärische Ubungen ableisteten und als Herr Dr. Ritter an einem Ruderkursus in Wannsee teilnahm. Nach Ausbruch des Krieges übernahmen die Herren Pfarrer Schrenk und Dr. Heck, an dessen Stelle später Herr Pfarrer