1. Gräfin Antonia von Hoensbroech an Abt Ephrem.
Haag, den 22. Januar 1870.
Hochwürdigster Herr Abt!
Als ich diesen Morgen hörte, daß Dapa Ihnen einen Zeitungsartikel schicken wollte, da bot ich mich an, es tun zu dürfen; denn es ist mir eine große Freude, Ihnen
hochwürdigster Herr Abt einige Worte zusenden zu können, besonders jetzt, wo meine Zeilen nach Rom wandern und von einem„Vater des Konzils“ gelesen
werden. Ferner hege ich auch noch die leise Hoffnung dabei, daß Sie sich herabließen und mir vielleicht mal ein paar Zeilen rückantworteten. Jedenfalls würden Sie die Zeit, welche Sie darauf verwendeten, nicht an eine Undankbare verschwenden; Sie würden mich hochbe- glücken und würde ich Ihnen dankbar die Hand dafür küssen.
Vor einigen Tagen sah ich den Grafen Schaesberg, der eben aus BRom zurückkehrte und der mir viel von dort und auch von Ihnen, hochwürdigster Herr Abt, erzählte.
Er äußerte sich sehr betrübt über das Benenmen der deutschen Bischöfe. Uns Bewohner vom Heag betrübt dieses auch sehr. Ich meine aber doch, daß Ketteler
sowohl wie der Erzbischof Daulus emminente, edle und tugendhafte Männer wären, die Gott doch sicher nicht im Stiche lassen wird. Ist doch der Herr Erzbischof ein spezieller Freund Ihnen. Ich kann lebhaft denken, daß Ihrem deutschen Herzen die Stel- lung, welche die deutschen Bischöfe in Rom einnehmen, besonders peinlich und betrübend ist, und ich meine, es müßte Sie zuweilen eine mächtige Sehnsucht Ihrem stillen Kloster Elsaß überkommen. Nun habe ich Sie genug belästigt, nur muß ich über den einliegenden Artikel aus der Kreuzzeitung hinzu- läßt: dieser Weise werden die Ansichten des ganzen Norden Deutschlands korrumpiert und gefälscht. Die hunderte von kleinen Zeitungen, die den Norden überschwemmen, schreiben dies der Neupreußischen Zeitung nach, und die Norddeutschen natürlich glauben es aufs Wort. Es solche falsche Nachrichten
ja
auch von mir
nach
im
sagen„in
Volkes
fügen, daß Papa Ihnen im
wäre doch gut, wenn von Rom und von kompetenter Stelle aus bündig widerlegt würden.“
DPapa läßt Sie ferner noch bitten, doch den Kaplan Erzbischof Paulus
Versprechen, uns zu schreiben, gelegentlich mal zu er
Dingsmann, der beim ist, an sein innern.
Ihrer Schwester geht es immer beim alten. Sie sen- det die herzlichsten Grüße, denen sich meine Eltern und Geschwister anschließen. Ich bitte Sie, Hochwürden, ganz demütig um einige Gebete, wenn Sie können, ein mal in der Kirche der hl. Agnes.
Somit verbleibe ich
Ihrer Hochwürden ganz ergebene Antonia von Hoensbrocch. P. S. Dapa läßt Ihnen noch sagen, Sie möchten sich in Rom die Nr. 21 der Augsburger Allgemeinen Zeitung vom
21. Januar zu verschaffen suchen. Diese Nummer enthält
20
einen Artikel, unterzeichnet von Döllinger, welcher trau- rig zu lesen ist.
2. Mathilde von Hoensbroech
Mainz, den 10. März 1870.
Gräfin an Abt Ephrem.
Hochwürdigster Herr Abt!
Herzlichen Dank für ihre wiederholten uns ja sehr erfreuen, aber auch immer neuem betrüben; erfreuen, insofern sie uns beweisen, daß sie auch in Rom an uns denken; betrüben, insofern ihr Inhalt immer noch nicht die gewünschten Nachrich- ten von unseren deutschen Bischöfen enthalten. Wir sind solche entschiedene„Infallibilisten“, daß wir wirk- lich schwer daran tragen, daß diese große heilbringende Wahrheit auf so großen Widerstand gerade bei unseren Landsleuten stößt und besonders bei den Bischöfen, denen wir wegen der geographischen Lage schon allein am meisten zugetan sind. Sie können sich das in Rom Larnicht so vorstellen, welche Bewegung die Sache hier im Lande macht. Es spukt in allen Köpfen, in allen Sroßen und kleinen Zeitungen, und die Menschen tun so, als wenn mit dem Ausspruch dieser alten Wahrheit die Welt auf einmal ganz neu werden sollte. Man er-— kennt aus alledem, wie notwendig es ist, daß es zu diesem Ausspruch kommt; aber was uns treurig macht, ist das, daß diese ganze Bewegung gewiß nicht solche Dimensionen angenommen hätte, wenn die Bischöfe nicht an der Spitze ständen. Mein Vertrauen bleibt nun aber doch trotzdem unerschütterlich fest, daß der liebe Gott schließlich alles zum großen Glanze seiner Kirche und des Konzils wenden wird. Die Zeitungen fangen an, einen Umschwung zu signalisieren, und das Mainzer Journal schreibt heute nach verläßlichen Nachrichten aus Rom, es würde, wenn es zur Abstimmung käme, das Dogma mit fast Einstimmigkeit proklamiert werden. Gott gebe es!
Ich bin seit Montag hier in Mainz, weil Paul, der hier am Gymnasium ist, geworden ist, jedoch nicht bedenklich. Soeben komme freute mich sehr, bei ihm im Gegensatz zu dem gras- sierenden„demutlosen PDrofessorenkatholizismus“ eine Lanz kirchliche und kindlich gläubige Richtung zu finden. Er trug mir herzlichsten Grüße auf und würde, wie mir schien, durch einen Brief von Ihnen sehr erfreut
Briefe, die
wieder von
unwohl ich von Bone und er-
die
werden.
Ich denke, Sie haben nicht viel Zeit und Lust Briefe zu lesen, deshalb fasse ich mich kurz. Eine Anekdote noch von Ihrer Schwester. Als sie die Erklärung des Erzbischofs gelesen, die uns alle allerdings wenig befriedigte, sagte sie„Frau Gräfin, wenn hier bei mir stände, dann müßte sagen: Erzbischöfliche Gnaden, das haben Sie bei dem from-
Melchers mir: er ich ihm men Dastor von Haltern nicht gelernt“. Ihre Schwester hustet finden im allgemeinen, daß sie abnimmt, aber ihre kräftige Natur ergibt sich nicht leicht.
Und nun à Dieul Daul empfiehlt sich herzlich, und
viel, und wir
ich bitte mit ihm und für uns alle um Ihren Segen, indem ich Ihre lieben Hände küsse. Mit der Lrößten Ehrfurcht Ihre ergebene Mathilde von Hoensbroech.


