Jahrgang 
1932
Einzelbild herunterladen

unter herrlicher Musik die Feierlichkeit auf der langen Straße und ließ sich dann mit den hohen Beamten in acht Wagen in die Kirche der Jesuiten fahren, um den letzten Segen des vierzigstündigen Gebetes daselbst zu empfangen. Ich war gerade in der Kirche, als diese hohen Herren, alle rot mit Gold gekleidet, feierlich von den Vätern der Gesellschaft Jesu wieder hinaus- geführt wurden. Die ganze sehr große Kirche war illu- miniert; es brannten mehr als 1000 Kerzen. Bei all diesem Volksgedränge ist nie eine Störung. Keine PDo- lizei ist notwendig. Am Dienstag wurde gesungen, ge sprungen, gelacht auf den Straßen, Masken machten ihre Späße, alles ganz anständig. Mitternacht, wie die Uhr 12 schlägt, geht jeder in sein Haus, und in der ganzen Stadt ist die größte Stille und Ruhe.

Von Aschermittwoch an wird hier jeden Tag ge- predigt: in manchen Kirchen täglich oder dreimal der Woche oder an einem für die Woche bestimmten Tag. Auch abends gegen 7 Uhr ist in den Kapellen, wo Bruderschaften sind, italienische Predigt oder Unterricht.

Ich bitte, Du wollest meine herzlichsten und er- gebensten Grüße an den Herrn Grafen und die Frau Gräfin, sowie die ganze Familie ausrichten.

Gott mit uns

in

Dein Fr. Ephrem, Abt. Frau von Kimsky, von deren Balkon aus ich einmal die Fastnachtsfeierlichkeiten ansah, läßt Dich

grüßen.

Rom am 25. März 1870.

Liebe Karoline,

Du erhältst hierbei eine Photographie, die Du der Frau Gräfin überreichen wirst mit dem Ausdruck meiner Hochachtung. Du kannst aus diesem Bilde sehen, wie Konzil gekleidet bin. Diese Kleidung ist sehr lästig. Man muß beim Ankleiden, beim Gehen über die Straße und beim Auskleiden sehr vorsichtig sein.

Es liegt auch ein Brief an den Herrn Grafen bei, den ich sehr gut in das große Kuvert hineinlegen konnte.

Es Leht mir wohl. Ich verlange aber sehr, daß ich nach Hause reisen könnte. Die Nachrichten, welche ich vom Oelenberg habe, lauten gut. Gott hilft gewiß, da es mir ja unmöglich ist, dort zu sein.

Ich las gestern alles das Verkehrte, was man Deutschland über das Konzil sagt. Wenn Du so etwas hörst, so denke, es ist garnicht so. Vieles ist zwar da, was mich betrübt, aber es wird doch alles zum Besten führen. Heute fuhr der hl. Vater in die Kirche Sancta Maria Sopra Minerva, welche den- Dominikanern ge- hört. Der Zug war prachtvoll: Dragoner, Gendarme, der Wagen des Senators von Rom, ein Monsignore aus dem Vatikan auf einem Maulesel sitzend und das Kreuz tragend oder haltend. Dann ein kostbarer Wa- gen ganz durchsichtig, worin der hl. Vater saß, von 6 DPferden dann wieder ein Wagen mit 6 Dferden, worin die ersten Kardinäle saßen, darauf noch viele Wagen mit Kardinälen und zuletzt Dragoner. Am Feste Maria Verkündigung hält der Papst jedes Jahr bei den Dominikanern seine Station.

ich im

noch

in

Sezogen,

15

Ich hoffe, Du wirst zuweilen einigen Trost bei Deinen Schmerzen haben. Vertraue auf den, der am Kreuze litt. Ich denke oft an Deine Schmerzen, und ich weiß auch, daß Du meiner innerlichen Schmerzen denkst. Es ist Lewiß eine große Gnade bei allem Wehe, wenn wir es mit Christo und mit den Märtyrern tragen.

Lebe wohl und grüße Gräfin Marie.

Gott mit uns!

Dein treuer Fr. Ephrem.

Für die fünf Taler kann ich hier die hl. Messe nicht lesen. Ich werde Dir später das Geld zurückgeben.

Rom am 8. Mai 1870.

Liebe Karoline,

Ich allerhand von den Festlichkeiten Roms erzählen, ich bin immer in einer solchen Gemütsstimmung, daß Festlichkeiten, Illuminationen, Kirchen keinen besonderen Eindruck mehr auf mich Meine Seele ist schwer, und wenn ich auch in den Ge sellschaften, wohin man mich öfters einladet, fröhlich und unterhaltend erscheine, so bin doch im Innersten meiner Seele traurig. Du hast meine Melancholie in Bocholt gesehen. So ist sie jetzt nicht. Ich bin gesund, gesünder als je, kann die passendsten Zerstreuungen haben, komme mit Personen zusammen, die in ihrem höchst angenehm sind, aber ich fühle mich und sehne mich nach dem Kloster; da weiß, was auch Du zu leiden hast, so

sollte Dir eigentlich öfters schreiben und Dir aber Aufzüge, usw. machen.

ich

Umgange Sanz einsam ich nun auch denke ich, in allen diesen Leiden wollen wir aber doch nie den Mut verlieren, sondern gerade in dem, was wehe tut, Gott suchen. So lange wir ihn nur suchen, so lange wir fest glauben, daß in ihm nur Ruhe und der wahre Frieden ist, so mag da kommen, was da will, es kann uns nichts schaden.

Ich hoffe, daß gegen Peter und Paul eine Unter- brechung kommen wird und daß ich alsdann auf eine kurze Zeit Hause gehen kann. Es wird Zeit, daß ich wenigstens einige Wochen wieder in Oelenberg sein kann. Es ist dort allerhand anzuordnen, und ich muß über manches reden, das ich nicht gut schreiben kann. Ich habe sonst gute Nachrichten von Hause, und ich darf das Vertrauen haben, daß Gott sich besonders jetzt meiner Brüder

Du hast mir einmal einen Brief aus Eitorf geschickt, von einem Mädchen, deren Bruder Geist- Dieser geistliche Herr war, ich nicht irre, mit unserem Bruder, als er noch in Caster war, bekannt. Ich habe mich auf indirekte Weise danach

erkundigt. Du tust am besten, alle diese Vorfälle, die

nach

annimmt.

gLeschrieben

licher ist. wenn

diesen geistlichen Herrn betreffen, dem lieben Gott zu empfehlen. Ein Driester, der sich die cura nicht verlängern läßt, setzt sich gleich in eine falsche Po-

sition. Er mag auch noch so schwach sein, er muß sich, sobald seine cura abgelaufen ist, wieder vor seiner geistlichen Obrigkeit stellen. Hat er keine cura mehr, so bleibe er still daheim und lasse die arbeiten, die