konnte, obschon er mit sehr großer Kraft die Worte
aussprach. Sobald die Rede beendigt war, wurde sie
gedruckt an jedermann ausgeteilt. Sie wird wohl in deutscher Uebersetzung auch bald in Deutschland ge-
druckt werden. Die Feierlichkeit dauerte bis 5 ½ Uhr nachmittags. Ich will hier abbrechen und später wieder schreiben. werde soeben am Schreiben gehindert. Hierbei enthältst Du ein Bild des hl. Bruno. Diesen Morgen, wo wir den Kardinal Napoleon Bonaparte be- schenkte er mir dieses Bild. Dieser Kardinal und liebt besonders die Mönche. Dein treuer Frater Ephrem Abt.
Ich
suchten, ist sehr fromm
Rom am 9. Februar 1870.
Liebe Karoline,
Du wirst gewiß in Deinem Krankenzimmer allerhand über das Concil hören, das keine besondere Freude erweckt. Mache Dir deswegen keine besonderen Sorgen. Der hl. Geist wird doch alles zum Besten ordnen. Da-— mit Du Dir aber doch eine kleine Vorstellung machen kannst, so erinnere Dich, wie wir noch in Bocholt wa— ren und dort die Hermesianer ihr Spiel trieben. Diese Hermesianer, wie Du weißt, wollten allein katholisch sein, und wer ihnen widersprach, der wurde verfolgt. Wären nicht so viele Hermesianer im Münsterland ge- so würde das Münsterland nicht verlassen haben. Der Hermesianismus oder besser die Bücher des Hermes sind vom hl. Vater verdammt, aber darum
wesen, ich
haben jene Driester, die in dem Denken des Hermes erzogen waren, doch diese Denkweise nicht abgelegt. Jetzt zeigt es sich, daß alle die, welche in dieser
Lefährlichen Denkweise(welche man auch Rationalismus nennt) sich ausgebildet haben, den hl. Vater, den Papst belehren wollen, was er zu tun habe, und haben sich vereinigt, den alten ehrwürdigen Mann zu drängen und ihm Leid zu machen. Mehr als dieses brauchst Du nicht zu wissen. Bete nur für den alten ehrw. Greis, der seine Hände wie ein Bettler aufhalten muß, der für jedermann ein freundliches Gesicht hat und über den jetzt auch die herfallen, welche er für seine nächsten Freunde gehalten. Werde über das, was ich schreibe, nicht betrübt, sondern im Gegenteil mache Dir großen Mut; denn der, welcher den Hirten eingesetzt hat, kann und wird ihn auch gegen seine geheimen und offenen Feinde verteidigen. In Deutschland sind Geschwüre, die bekannt werden müssen, dann werden sie auch geheilt.
Es geht mir ziemlich gut, nur habe ich einen starken Schnupfen. Nachmittags gegen 5 Uhr gehe ich in die freie Luft hinaus, wenn Zeit genug da ist, bis vor Tore Roms. Ich gehe immer allein. Sehr selten bin ich in Gesellschaften. Ich möchte nicht gerne Männer ver- letzen, deren Würde ich ehre, deren Gesinnungen aber mir fürchterlich zuwider sind. Du weißt, daß ich wohl mal leicht hinausplatzte und sprach, wenn ich Unwahres oder feiges Wesen sah. Jetzt, mußt Du wissen, bin ich noch viel jünger als vor 350 Jahren, und darum muß
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ich mich so sehr in acht nehmen. Nun lebe wohl. Urau von Kimsky grüßt dich und fragt immer
nach Dir. Dieser Brief geht mit der französischen Ge- sandtschaft; darum ist der PDoststempel. Dein treuer Frater Ephrem Abt.
Pom im Februar 1870.
Liebe Karoline,
Nach dem Wunsche und mit der Gutheißung des hl. Vaters wird jetzt ein großes Werk gedruckt, das das Leben aller Mitglieder des Concils in lateinischer Sprache in der Kürze enthalten soll. Darin sollen auch alle Photographien und ein Abdruck der eigenen Hand- schrift sich finden. Ich mußte nun natürlich meine Photo- Sraphie machen lassen und meinen Widerwillen dagegen überwinden. Du erhältst nun eine kleine Drobe. Später schicke ich ein größeres Exemplar für die Frau Gräfin! Deinen lieben Brief, geschrieben von der jungen Gräfin
Marie, habe ich erhalten. Ich werde später auch an das Fräulein schreiben. Es ist nicht möglich, einen
Urlaub zu erhalten. Wir müssen bleiben. Ob auf Ostern eine kleine Vacanz eintreten wird, habe ich noch nicht
erfahren können; wenn nur auf drei Wochen, dann reise ich doch nach Oelenberg. Ich bin zwar ganz
Lesund, aber mein inneres Leid bleibt fortwährend. Vor- Lestern hörte ich, daß einige Bischöfe ihre Meinungen zum Besseren geändert hätten. Gott wolle es geben. Deutschland hat es zu arg gemacht.
Das Wetter ist jetzt hier sehr gut. Nachmittags ist es an offenen Orten fast so warm, wie bei uns im Anfang Mai. Die Gärten sind voll Frühlingsblumen. Die Mandelbäume haben schon ausgeblüht. Die Römer waren in den Fastnachtstagen fröhlich und lustig wie die Kinder. Man ließ an sieben Tagen abends gegen 5 Uhr gegen sechs Pferde durch eine lange und nicht breite Straße in vollem Galopp laufen zwischen zwei Reihen Menschen, die auf beiden Seiten der langen Straße standen. Kein Unglück geschieht dabei. Ich habe mich einmal mitten unter diese Reihe gestellt, um den schnellen Lauf der Pferde von der Nähe anzusehen.
An den beiden letzten Tagen, Montags und Dienstags. waren die Masken erlaubt. Da hättest Du mal sehen sollen, welche närrischen Streiche das römische Volk macht. Sehr viele tragen die Taschen voll kleiner Mehl- kügelchen, die mit Kreide vermischt sind und einen weißen Flecken auf den Kleidern zurücklassen. Geht man nun über diese lange Straße, so muß man sich sefallen lassen, von jemand mit einer Handvoll be- worfen zu werden. Ich bekam auch einmal einen solchen Wurf: mein Mantel war gleich mit weißen Flecken bedeckt. Daraus macht man aber sich nichts, denn jeder trägt die Flecken auf seinen Kleidern. Man verkauft an allen Straßenecken ganze Körbe voll von diesen Kreidekügelchen.—
Am Dienstag, dem Fastnachts-Abend, beschloß der Senator(die höchste bürgerliche Obrigkeit von Rom) mit seinen Räten in prächtigem vergoldetem Wagen


