1. Rom, am 7. Dezember 1869. Liebe Karoline, Diesen Mittag zwischen 12 und 1 Uhr ist das öcu-
Unmittelbar bei Rom an dem Tore, wo der Kaiser Konstantin seinen Einzug
menische Concilium eingeläutet.
gehalten hat, nachdem er den heidnischen Kaiser
Maxentius an der Tiberbrücke besiegt hatte, befindet sich eine Anhöhe, die die Römer monte pincio oder die alten Römer Mons Pincius nannten: dort war ich diesen Mittag, um das Geläute aller Glocken Roms zu hören. Von
Rom.
diesem kleinen Berge aus übersieht man gan-
und Glocken, gewiß mehr als 400.
Von allen Kirchen Kapellen aus läuteten die Man konnte ohne Rührung dieses Läuten nicht anhören. Sobald ich auf der Anhöhe den ganzen Eindruck Geläutes in mich auf- genommen hatte, nahm ich meinen Hut ab, mußte beten und dann denken an die sonderbaren Widersprüche, die jetzt in der katholischen Kirche und den Bischöfen sind. Alle Glocken waren einig, ich habe keinen falschen Ton gehört. Auch ist das das Sonderbare, daß bei den groß- artigen Tönen der Glocken ein Drang nach Vereinigung sich Natur der Glockentöne In Toninstrumenten
dieses
zeigt, was in der liegt.
allen anderen ist es nicht so.
Ich
wenn
sitze hier in einem Zimmerchen, von wo ich,
die schöne
Kapelle des Heiligen Nikolaus herabsteigen kann. Diese
ich durch die Vorzimmer gehe, in
Kirche haben die Großherzöge von Lothringen gebaut,
und da diese regierende Familie nicht mehr existiert, ist sie den Franzosen übergeben worden; und von diesen haben wir Trappisten durch die Vermittlung des fran- zösischen Gesandten
diese Kirche, in der ich jeden
Tag die heilige Messe lese. In dieser Kirche des hl.
Nikolaus habe ich meinen Geburtsta
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gefeiert.
Gestern und heute bin ich beschäftigt, die Kleider in Ordnung zu bringen, die wir morgen bei der Kirchen- versammlung tragen müssen. Man sagt mir, daß gegen 650 Prälaten jetzt in Rom sind. Man sieht auf allen Straßen Bischöfe Nationen teils Fuß, teils in Wagen. Von den deutschen Bischöfen und von
denen aus Holland habe ich noch niemanden gesehen.
von allen zu
Im Verlaufe der Woche werde ich sie besuchen.
Die Frau Baronin von Kimsky läßt Dich grüßen. Sie erkundigt sich immer nach Dir.
Ich muß hier aufhören und einen anderen Tag suchen, wo ich Dir wieder schreiben kann.
Hier wie überall muß das Gebet helfen. Ich sehe einem scharfen Streit entgegen. Könnte ich nur einen Telegraphen nach dem Schlosse im Haag bekommen, so wollte ich dem Grafen und der Frau Gräfin vieles erzählen. Gott mit uns.
Dein Bruder
Frater Ephrem.
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9. Dezember 1860.
Eilig.
Rom am
Liebe Karoline,
Ich schreibe Dir einiges über gestern, weil ich gSlaube, daß es dem Herrn Grafen und der Frau Gräfin angenehm sein wird, über diesen einzigen Tag etwas zu erfahren. Gegen 8 ½ UIhr versammelten sich in einem der großen Gänge des vatikanischen Palastes alle Prälaten der ka- Kirche mit Ausnahme der die
tholischen Kardinäle,
einen anderen Versammlungsplatz hatten. Man darf es
sagen, daß die Zahl aller derjenigen, die Sitz und Stimme in der Kirchenversammlung haben, sich gegen
1000 beläuft. Die Namen aller sind noch nicht gedruckt. Soeben Mit-
sind
kommt hier die Liste an, in welcher alle
des Conciliums verzeichnet und als 1000. Man hat Die Römer Namen
glieder sind, es
deren mehr meinen Namen de
Meulen
van
gedruckt. haben keine besondere
Kenntnis der anderer
daß
Nationen, es sei denn,
sie ihnen ganz besonders genau angegeben sind.
Es mochte vielleicht 9 ½ Uhr sein, als sich der Zug in Bewegung setzte. Denke Dir einen Zug von Drälaten, die von allen Seiten der Welt zusammengekommen wa-— weiße Mitra mit Ausnahme der Orientalen. Zwei und zwel folgten wir dem Kreuz,
ren, die alle eine trugen welches ein Diakonus der päpstlichen Hausprälaten uns Die General-Vicare und Aebte waren An-
fange des Zuges. Ich hatte vielleicht 20 PDrälaten vor mir.
vortrug. im Wir Trappisten hatten geglaubt, wir würden die ersten sein, aber es scheint, daß noch andere Aebte da waren, die nicht das Amt der General-Vicare hatten.
Es dauerte wohl wieder eine Stunde, bis daß der ganze Zug in dem Saale des Conciliums, der sich auf der rechten Seite der Peterskirche befindet, angekom- men war. Es dauerte sehr lange, bis alle Patriarchen, Erzbischöfe und Bischöfe ihren Platz gefunden hatten. Die Sitze waren so angebracht, daß die 2. Reihe von unten immer über die Köpfe der ersten hinwegsehen konnte. Auf der höchsten Höhe befanden sich neben dem Dapste die Kardinäle und neben diesen die Patriarchen., Drimaten und Erzbischöfe. Es fing nun das feierliche Hochamt an. Der heilige Vater gab vor dem Evangelium, gewöhnlich geschieht, die Absolution. Er sang
die Worte mit einer sehr kräftigen Stimme, und über-
wie das haupt alles, was er sang und sprach, zeigte, daß er sich ganz wohl befindet. Nach Beendigung der hl. Messe mußten alle, die ein Recht zum Concilium hatten, ein- zeln vor den Papst, der auf seinem Throne saß, her- vortreten und den Gehorsam geloben. Diese Zeremonie dauerte sehr lange. Es bildete sich dafür eine einzige EReihe. Der Kardinal Dechant fing an und ihm folgten alle Kardinäle; alle diese küßten dem Dapste die Hand. darauf folgten Aebte, Generalvikare, Generale der Or- dem Dapste
Diese Zeremonie war sehr rührend; der PDapst sah so freundlich aus, daß man ihm ansehen konnte, wie er
den, und diese küßten den Fuß.
sich freute, daß alle Kirchenfürsten der Welt vor ihm ver- sammelt seien. Der PDapst hielt dann eine herrliche Rede, die man
aber wegen der großen Entfernung nicht verstehen


