Was den Inhalt des Jahresberichtes 1784 betrifft, so enthält er einmal nicht den ganzen durchgenommenen Lehrstoff der Fächer, sondern nur, wie aus den Berichten der folgenden Jahre hervorgeht, das Wesentlichste, das man in der öffentlichen Prüfung vorführen wollte. Sodann wurden die Lehrpläne mit dem steten Wachsen der Schule und Schüler alljährlich weiter ausgearbeitet und vervollständigt und dadurch das Lehrziel immer höher gesteckt, wie dies in den
folgenden Jahresberichten besonders die jährlich sich steigernden Anforderungen im Lateinischen und Französischen beweisen.
Die Schüler, die auf der letzten Seite jedes unserer damaligen Jahresberichte angegeben sind, sind nicht etwa alle Schüler der Schule, sondern nur die besten erhielten die Auszeichnung, in öffentlicher Prüfung ihren Fleiß und ihren Fortschritt zu zeigen und dann mit Bücherpreisen belohnt zu werden.
Aber auch die wenigen Namen der Schüler, die aus den angeschensten Frankfurter Familien kamen, zeigen, wie tief unsere Schule in der Frankfurter Bevölkerung verwurzelt war: Ein Band, das im 19. Jahrhundert bis zum Jahre 1883 mit dem Anwachsen der Bevölkerung immer stärker wurde. So gehörte zu den Schülern Molinaris u. a. auch Georg Guaita, der im Jubeljahre Molinaris 1822 zum Bürgermeister der Freien Reichsstadt Frankfurt gewählt wurde.
Am 2. Januar 1783 wurde die neue Realschule in dem Dominikanerkloster feierlich eröffnet. Die Kapuziner hatten den französischen Sprachlehrer zu stellen, während der übrige Unterricht zwei Karmelitern übertragen wurde, die sich mit der Lehrart der Mainzer Realschule vertraut gemacht hatten.
Am 24. Februar 1783 begann der Bau des eigenen Schullokales im Kreuzgang des Bartholomäusstiftes, im Novem- ber 1783 zog die Schule dort ein.(vgl. Bild S. 6.)
Die Nordseite der Michaelskapelle
(Aus den Baudenkmälern von Frankfurt am Main)
Ueber die eifrigen Bemühungen Molinaris um das Zustandekommen der Schulreform, den im Vergleich zu den heu- tigen Forderungen bescheidenen Schulraum und die Unterrichtszeit berichtet in interessanter Weise Oberlehrer A. Gasser ¹):
„Es gelang dem Eifer und der Beredsamkeit des Scholasters, Stift und Gemeindevorstand, der aus den angesehen- sten Gliedern der Gemeinde bestand, für seinen Plan zu gewinnen. Beide teilten sich in Uebernahme gewisser Lei- stungen. Man schritt sofort zur Herrichtung der Schulzimmer: die steinerne Treppe wich der jetzigen hölzernen Wendel- treppe im Kreuzgange; der Boden der Zimmer wurde gedielt, die Zimmer selbst erhielten breite Fenster mit Tafel- scheiben, zweckmäßige Schulbänke, welche auf beiden Seiten Gänge freiließen, Schränke, Tafeln mit Gestellen, Stand- uhren mit Katheder. Das Zimmer rechts dem Vorplatz wurde zur Trivial-, das sehr lange, an die Dombibliothek stoßende, der Treppe gerade gegenüber liegende Zimmer nach dem Domplatze zu zur Realschute bestimmt, wie die Tafel über dem Eingange zeigte. Die schmalen Fenster in der Reihe gegen den Kreuzganghof erhielten gleiche Breite und Scheiben, wie die der Vorbereitungs- oder Trivialschule.
Fünf Abteilungen von je 4 Bänken hintereinander standen längs des Zimmers; die Schüler saßen mit dem Rücken gegen die Fenster nach dem Pfarreisen(heutigen Domplatz) zu. Diese Fenster behielten noch manches Lustrum hindurch die runden, bleiumfaßten Scheiben, welche wegen der nahen Michaelskapelle geradeüber wenig Lichtgaben. Beinahe der Mitte der Bankreihe gegenüber stand vor einem, in halber Höhe bretterverschaltenem Fen- ster das Katheder, rechts und links desselben standen zwei lange, alte Tische zum Aufbewahren von Lehrgeräten, jeder mit Schubladen versehen. An diesen saßen in der Fastenzeit, wenn der Pfarrer den Kommunikanten-Unterricht gab, Söhne und Töchter aus der Elite der Gemeinde. Neben dem üblichen Lehrgeräte fehlte auch hier eine Standuhr rechts des Eingangs nicht. Wegen der Nähe zweier Schlaguhren, deren die eine damals auf der Kirche sogar die Viertel- stunden schlug, war jenes Möbel entbehrlich; man wollte es aber an der Ausstattung nicht fehlen lassen, zierte daher
4) Einladung zu den Klassenprüfungen in der katholischen Knaben-Volksschule(Domschule) 1865. S. 22 ff.
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