Jahrgang 
1928
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Die Stiftsschulen dienten ja ursprünglich der Erziehung des geistlichen Nachwuchses des Stiftes, öffneten aber im Laufe der Zeiten ihre Tore auch allen, welche eine höhere Bildung erstrebten, und hatten schließlich neben derhöhe- ren Schule oft eine Volksschule. Diese Entwicklung nahm auch die Stiftsschule des Frankfurter Domstiftes. Inwieweit durch die Zeitverhältnisse bis zur Reform im Jahre 1783 der Charakter derhöheren Schule oder derVolksschule der Stiftsschule das zeitliche Gepräge gab und überwog, bedarf noch eingehender Untersuchung. Jedenfalls stehen in der Entwicklung des Charakters der Schule alshöhere Schule bis jetzt drei urkundliche Tatsachen fest:

1. Die Stiftsschule wurde alshöhere Schule gegründet und diente Jahrhunderte hindurch ihrem Hauptzweck, der Erziehung des geistlichen Nachwuchses von der Kindheit bis zur Priesterweihe.

2 Ein Teil der höheren Studien wurde nach Mainz verlegt(1477). Wie weit die in Frankfurt verbliebene Stifts- schule weiterhin alshöhere Schule für den Nachwuchs des Stiftes sorgte, bleibt noch zu untersuchen.

3. Daß sie als solche weiterhin in Betracht kam, beweisen die Versuche der Jesuiten in den Jahren 1560 höhere Stiftsschule zu reformieren.

Wie dem auch sei, die von Molinari im Auftrage des Mainzer Kurfürsten im Jahre 1783 durchgeführte Reform be- tonte den alten Doppelcharakter der Stiftsschule als höhere Schule und Volksschule. Durch diese Reform zerfiel die Stiftsschule in eine Trivial- oder Volks- und eine Realschule. Die Trivialschule bereitete auf die Realschule vor.

1567, die

Diese Realschule war aber nicht etwa eine Realschule im heutigen Sinn, sondern sie trug wiederum einen doppelten Charakter und bereitete einmal durch die Pflege der realen Fächer: kaufmännisches Rechnen, Französisch, Brief- schreiben, deren Bedeutung Molinari vom Elternhaus her kannte und schätzte, für das praktische Leben, insbesondere den für Frankfurt so wichtigen kaufmännischen Beruf vor.

Traditionsmäßig und als Vorbereitung auf die mittleren Klassen des Gymnasiums wurde aber auch Latein, Mathematik, Physik in der Realschule gepflegt.

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Die Michaelskapelle und das Pfarreisen am Dom (Aus den Baudenkmälern von Frankfurt am Main)/ Sie stand auf dem freien Platz zwischen Dom und Pfarrhaus Auf der rechten Seite der Kreuzgang mit der Schule Vergl S. 7)

Diesen gymnasialen und realgymnasialen Doppelcharakter hat unsere Schule bis auf den heutigen Tag als einzige aller höheren Schulen Frankfurts erhalten.

Nach den neuen Lehrplänen, die heute in der höheren Schule verwirklicht werden, sollen wir Lehrer in der Ge- schichte zu den Quellen hinführen und die vergangenen Zeiten in ihrer eigenen Sprache erzählen lassen.

So soll auch die Zeit der wertvollen und unermüdlichen Tätigkeit Molinaris um die Reform unserer Schule selbst reden, und ich füge in getreuem Nachdruck bei:

1. Den ersten gedruckten Jahresbericht unserer Schule a. d. J. 1784, aus dem die Neugestaltung ersichtlich ist. Außer den Jahresberichten des städtischen lutherischen Gymnasiums gab es damals noch keinerlei schriftliche Schul- mitteilungen. Daher ist dieser erste schriftliche Bericht unserer Schule um so wertvoller.

2. Die kurze Lebensbeschreibung Molinadris, wie sie die brüderliche Liebe eines Freundes in feierlicher Stunde aus.

warmem und wahrhaftigem Herzen schrieb so lebendig, wie wir sie niemals schreiben können.

Das der Lebensbeschreibung vorangehende Gedicht lasse ich mitdrucken der Verständlichkeit halber, dann aber nuch als Probe der breit sich spreizenden Gelegenheitsdichterei der damaligen Zeit, deren Kleinmalerei und lehrhafter Charakter das bürgerliche Leben dieser Zeit ebenso plastisch wie köstlich wiederspiegelt.

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