Jahrgang 
1928
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Wappen des Kurfürsten Friedrich Karl von Erthal ¹)

Erster Teil

Beiträge zur Schulgeschichte

von dem Direktor.

a) Dem Gedächtnis des letzten Frankfurter Domscholasters

Stefan Franz Anton Molinari zu seinem 100 jährigen Todestage 4. 2. 1828

Am 4. Februar 1928 waren 100 Jahre verflossen seit dem Tode von Stephan Franz Anton Molinari, dessen Namen und Bedeutung für die Entwicklung und Geschichte des höheren katholischen Schulwesens Frankfurts unvergeßlich bleiben wird.

Die große Bedeutung Molinaris für unsere höhere Schule liegt vor allem in der gründlichen Durchführung einer modernen Reform der alten im Jahre 876 gegründeten Stiftsschule am Dom.

Im Jahre 1783 beauftragte ihn der um zeitgemäße Fortentwicklung der Schulen seines Erzbistums eifrig bemühte Kurfürst und Erzbischof Friedrich Karl von Erthal*) als Stiftsprobst des Frankfurter St. Bartholomäusstifts, die Pläne zur Neugestaltung der Stiftsschule, die Molinari unter Berücksichtigung der ehrwürdigen Tradition der Stiftsschule und im Hinblick auf die Forderungen der neuen Zeitverhältnisse entworfen hatte, durchzuführen.

Neben den Gymnasien bildeten sich im Laufe des 18. Jahrhunderts in ausdrücklichem Gegensatz zu den humanisti- schen Studien die Realschulen. Während die Gymnasien die kulturellen Werte der Antike für die Erziehung fruchtbar zu machen suchten und für die gelehrten Berufe vorbereiteten, wollten die Realschulen das für das praktische Leben notwendige Rüstzeug vermitteln und pflegten in besonderer Weise die Muttersprache, die Mathematik und die Naturwissen- schaften, das Zeichnen und die Handfertigkeit.

Diese auf die Erwerbung praktischer Kenntnisse gerichtete Strömung wurde im Laufe des 18. Jahrhunderts immer stärker, gab allerdings auf der anderen Seite wieder Veranlassung zu einer Begeisterung für klassische Studien und das Altertum.

Bei der Neugestaltung des Schulwesens zeigte sich daher vielfach das Bestreben, die Lehrpläne so zu gestalten, daß sie die Vorbildung des Gelehrten und des Bürgers miteinander vereinigten, wodurch solche Schulen den Doppelcharak- ter einer gymnasialen und einer realen Schule erhielten.

Dieses Bestreben scheint auch Molinari geleitet zu haben, als er die Reform des Lehrplans der Stiftsschule entwarf.

4) Aus: Cl. Kissel, Das Mainzer Rad. Mainz 1900. S. 41. ²) Friedrich Karl Joseph von Erthal, vorletzter Kurfürst von Mainz wurde 1719 in Mainz als Sohn des Reichsfrei- herrn Ph. Christoph von Erthal geboren, ward 1753 Domkapitular, 1754 Rektor der Universität, 1758 Hofratspräsident, 1768 Domkustos und 1769 Gesandter in Wien, 1774 Kurfürst von Mainz, einige Tage später Bischof von Worms. Als Erzbischof von Mainz war er gleichzeitig Probst des Frankfurter Domstifts.

Nach der Niederlage der Kurmainzertruppen bei Speier 1792 flüchtete er, kehrte aber 1793 zurück, als die Stadt wieder von den deutschen Truppen zurückerobert war. Er starb 1802 zu Aschaffenburg.

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