Jahrgang 
1927
Einzelbild herunterladen

sammenarbeit ein Werk schufen, für das die ganze grobe Schulfamilie ihnen zu herzlichem und dauernden Danke ver- pflichtet ist, den ich an dieser Stelle aus dankbarem und vollem Herzen ausspreche.

IHeldenehrung! Vor unserem geistigen Auge sehen wir 2 Millionen Gräber und in ihnen blaß und pleich die Leichen von 2 Millionen junger deutscher Männer. Sie, denen das Leben noch so jung und sonnig war, denen das Leben noch so viel Großes, Schönes zu geben hatte, auf die die Eltern so große, oft alle Hoffnungen setzten, sie liegen starr und stumm: in 4 jährigem Ringen, wie es gewaltiger und blutiger die Weltgeschichte nie gesehen, haben sie ihr Letztes, Höchstes, ihr junges Leben hingegeben geopfert für uns, unser Glück und Gut, für unser deutsches Vaterland. Und unter ihnen ist auch ein halbes Hundert unserer ehemaligen Schüler, eine in der Masse kleine, für unsere Schule große Zahl.

Auf ihre Gräber legen wir in dieser Weihestunde einen KranzVergißmeinicht, indem wir ihnen eine eherne Gedenktafel widmen, auf der warme, mitfühlende, Bestes schaffende Künstlerhand ihre Namen zu dauernder Erinne- rung aufgezeichnet hat.

Ehrfurchtsvoll neigen wir uns heute vor unsern teuren Gefallenen und grüßen sie im Glauben an die Unsterblich- keit ihrer Seelen, in der Hoffnung, daß sie als Lohn für ihre Liebe um uns, für ihren Opfertod in ein ewiges Glück eingegangen sind..

Verstehen wollen wir aber in dieser Stunde der Einkehr auch die gewaltige, ernste Sprache ihrer Gräber und ihr weit Ohr und Herz öffnen:

Unsere teuren Gefallenen draußen waren Kameraden, sie haben in schwerster Zeit treueste Kameradschaft gehalten. Um unserer toten Helden willen wollen auch wir in der Schule tiefe, wahre, treue Gemeinschaft pflegen, Eltern, Lehrer und Schüler eines Herzens sein, um unsere Jugend darauf vorzubereiten, diesen heiligen Gemeinschaftsgeist später innig

zu pflegen und praktisch zu beweisen, wenn sie im tätigen und öffentlichen Leben stehen wird, damit wir alle Deutsche sind ein einig Volk von Brüdern. In diesem Gemeinschaftsgeist wollen wir unserem Vaterlande dienen,

opferfreudig dienen in Erinnerung an das herbe und bittere Opfer ihres jungen Lebens, das unsere chemaligen Schüler gebracht haben. Unser Leben als Deutsche wird noch auf viele, viele Jahre hinaus ein Opfergang, ein mühseliger, sein. Nur in einer Liebe, die alle deutschen Brüder umfaßt, in einer Liebe, die mit allen mitzufühlen vermag, in einer Liebe, die Gegensätze auszugleichen sucht, in einer Liebe, die werktätig und opferbereit sich auswirkt, können wir unsern Kreuzweg vollenden und so in unermüdlicher Friedensarbeit am Wiederaufstieg unseres Vaterlandes mithelfen.

Ihr teuren Toten! In heißer Dankbarkeit grüßen wir Euch. Eures Lebensopfers wollen wir wert werden, indem wir alle einmütig mitarbeiten an dem Wiederaufbau eines neuen, großen und glücklichen Vaterlandes.

Zu steter Mahnung soll uns die Gedenktafel mit Euren Namen sein; auf ihr ist St. Georg dargestellt. Hoch zu Roß reitet er einher, sein Seherblick leuchtet himmelwärts, gleichsam um euch, ihr gefallenen Helden, droben zu grüßen, uns aber den gleichen Opferweg zu weisen. Der Drache unter ihm soll uns erinnern, daß der Weg zum Aukfstieg, wie bei Euch, nur durch harten, oft bitteren Lebenskampf geht.

Innigen Dank dem Künstler, dessen Meisterhand Eure Mahnworte von Lebenskampf und Lebenssieg, von Liebe und Brüderlichkeit so wunderbar verkündet. Wir wollen alle den Herzschlag des Denkmals spüren, seine Sprache des Trostes und seine Sprache der Mahnung: Zusammenhalten in treudeutscher Gesinnung trotz Kampf und Not im festen Glauben an eine glückliche friedliche Zukunft und unsern ewigen Lohn! Weihen wir unsern Brüdern einen Augenblick stillen Gedenkens

Die Erfüllung und Einlösung der ernsten Mahnung bedeutet für die Schule: Arbeit an der Jugend, Arbeit der Jugend im Geiste unserer ehrwürdigen Tradition, im Geiste moderner Aufgaben. Um diese Arbeit leisten zu können sind modernes Rüstzeug, moderne Räume notwendig. Unsere Schule ist für die neu geforderte Arbeit zu eng, zu klein geworden, und die Ungunst der Zeiten zwingt zu Maßnahmen, die unter den heutigen Verhältnissen erreichbar sind. So haben wir unsere 5 Werkstätten und die Schülerbüchereien in Kellerräume und Gangnischen eingebaut. Auf der Suche nach neuem Raume blieb nur ein großer, unbenutzter Speicherraum zur Beschaffung des zunächst notwendigen Musiksaales, der auch die Schulgemeinde zu Feierstunden aufnehmen soll.

Das Städtische Hochbauamt fand eine treffliche Lösung trotz großer entgegenstehender Schwierigkeiten der schrä- gen Speicherkonstruktion, der Lichtbeschaffung ohne Frontfenster, der Raumausnutzung, der modernen Ausgestaltung.

Gleichzeitig verlangten die neuen Lehrpläne eine völlige Umgestaltung des unzulänglichen Physik- und Chemie- saales, die in gleich vortrefflicher Weise durchgeführt wurde..

Wir danken bei dieser Gelegenheit allen städtischen Behörden dafür, daß sie uns die Möglichkeit des Arbeitens im Sinne des Neuaufbaus der Schule und der Lehrpläne geschaffen haben. Gleichzeitig sprechen wir die Bitte aus, gleiches Entgegenkommen zu zeigen bei dem weiteren dringend notwendigen inneren und äußeren Ausbau und Aufbau unserer Schule zum Wohle der uns anvertrauten Frankfurter Jugend. Was wir wollen, liegt klar zu Tage: Nichts anderes als was unsere Schule seit 1050 Jahren getan hat: Frankfurter Jugend zu tüchtigen Arbeitern und treuen Staatsbür- gern zu erziehen, deren starkes Pflichtbewußtsein auf der unerschütterlichen Grundlage einer festen religiösen Ueber- zeugung als sicherstem Fundamente ruht.

Wir Lehrer aber wollen in die Spuren unserer zahllosen Vorgänger treten und treue Hüter der Jugend sein. Un- ser ganzes Streben, unser höchster Stolz wird sein, stets das Vertrauen zu rechtfertigen, das Kirche und Staat, Stadt und Eltern in uns setzen.

Das walte Gott!