Erster Teil.
Beiträge zur Schulgeschichte. a) Schulfeier
Zzu r
Erinnerung an das 1050 jährige Bestehen der Domstiftsschule, Enthüllung der Gedenktafel für die Gefallenen und Einweihung der neuen Unterrichtsräume.
Sonntag, den 30. Januar, 1927, abends 5,15 Uhr in der Turnhalle der Schule, Eiserne Hand 4.
VORTRAGSFE OL GE
1.„Die Himmel rühmen“, Chor und Orchester........... L. v. Beethoven 2. Eine alte Stiftsschule des 8. Jahrhunderts, aus„Dreizehnlinden“, Grundner, U II 4.... Fr. W. Weber 3. Unsere Toten aus dem Weltkries, Lintl, UII............. Heinrich Lersch 4.„Der steinerne Psalm“, Marz, U II. 4. 3....... 3..... Karl Bröger 5. Festrede von Studiendirektor Dr. Karl Breuer
6.„Selig sind die Toten“, Chor und Orchester............... Joh. Masberg 7. Ansprachen 3
8. Engelterzett aus dem Oratorium„Elias“, Chor und Orchester.......... E. Mendessohn
Ueber den Verlauf der Feier berichtet die Frankfurter Zeitung im Stadtblatt vom 1. Februar 19271)
Ein seltenes Schuljubiläum. Feier des 1050 jährigen Bestehens der Selektenschule.
Ueber die Gründung der ältesten Frankfurter Schule haben wir keine Urkunde. aber da Ludwig der Deutsche das Domstift gegründet hat, mit dem nach dem Herkommen ohne Frage eine Schule verbunden war, versetzt man die Entstehung der Domschule in die Regierungszeit dieses Herrschers und nimmt vorsichtshalber das Todesjahr des Kaisers— er starb am 28. August 876 in Frankfurt a. M. als Gründungsjahr der Schule an. Von Karl dem Dicken besitzen wir eine Urkunde vom 2. Dezember 882, in der das Bartholomäusstift bestätigt wird, das des geistlichen Nach- wuchses wegen eine Stiftsschule unterhielt, daneben aber auf Grund kirchlicher Verordnungen und fürstlicher Gesetze (Kapitularien Karls d. Gr.) auch eine Schule für Laienschüler unterhielt. Die geistliche Schule wurde später nach Main⸗z verlegt, die Laienschule, deren Lehrplan bloß das Trivium umfaßte, blieb in Frankfurt, und daraus ent- wickelte sich dann die Domschule, die heute noch besteht. Es war eine reine Volks- und Bürgerschule, die im Jahre 1783 zu einer Volks- und Realschule erweitert wurde.*) Die Realabteilung wurde 1790 zu dem katholischen Collegium Friedericianum umgewandelt, d. h. es wurden in die oberen Klassen namentlich die Kinder von wohlhabenden Eltern aufgenommen, sowie besonders begabte Schüler ausgewählt, es waren sozusagen Selektionsklassen.²) Aus diesen Klassen ging 1814 die Selektenschule hervor. Wenn diese Anstalt also heute ihr 1050 jähriges Bestehen feiert, so zehrt sie streng gesehen, eigentlich von dem Ruhm der älteren Schwester, der Domschule, aber da ja in der Stiftsschule des Domstifts, die von 876 bis 1803 bestand, eine höhere und eine Volksschule vereinigt waren, mag es sich rechtfertigen lassen, daß auch die heutige Selektenschule das ehrwürdige Alter und eine ruhmvolle Schulgeschichte für sich in An- spruch nimmt.
Unter diesen Voraussetzungen gewann die Festrede besonderen Wert, die der Leiter der Selektenschule, Studien- direktor Dr. Breuer, bei der Tausendjahrfeier am Sonntag in der Turnhalle der Schule gehalten hat. Ganz klar hob sich aus seinen sehr ausführlichen Darlegungen die oben angedeutete Linie der geschichtlichen Entwicklung der Schule heraus. Mit„Arbeit, Opfer, Streben“ überschrieb der Redner den Sinn der Feier. Arbeit: sie spiegelt sich in der Ge- schichte der Schule bis zum heutigen Tag; Opfer: das ist das treue Gedenken an die im Weltkrieg gefallenen Toten der Schule, deren Gedächtnis gleichzeitig durch die Weihe einer Gedenktafel geehrt wurde; Streben endlich drückt sich aus in den neuen Schulräumen, die heute für den Unterricht freigegeben wurden. Der städtischen Schulverwaltung, dem Hochbauamt und dem Selektenschulverein sprach Direklor Breuer herzlichen Dank aus.
Auch der Elternbeirat der Schule ließ der Stadtverwaltung durch Geheimrat Stieler danken und der Schule Glück- wünsche übermitteln. Der Vorstand des Selektenschulvereins, der die Gedenktafel gestiftet hat, gratulierte durch Herrn Keller und übergab die Tafel der Schule zu treuen Händen. Der Rektor der Englischen Präulein-Mittelschule Thei-
¹) Ferner berichten über die Feier: Die Rhein-Mainische Volkszeitung 57. Jahrgang Nr. 24, 2. Blatt v. 31. 1. 27; die Frankfurter Nachrichten Nr. 30, Beiblatt v. 31. 1. 27; die Kölnische Volkszeitung 68. Jahrgang Nr. 102 Erstes Mor- genblatt v. 9. 2. 27; Germania Nr. 75, Groß-Berliner Anzeiger vom 15. 2. 27.
*) Vgl. zu dieser irrtümlichen Darstellung die Festrede. Seite 8 und 9.
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