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Keinesfalls aber sollte eine Schülerin von einer Mittelschule später aufs Lyzeum aberzutreten versuchen als zu Beginn der 7. Klasse(also nach Abschluß von 3 Schuljahren). Die weiteren Lehraufgaben der Lyzeen unterscheiden sich nämlich von denen der andern Schularten so erheblich, daß ein späterer Epertritt im allgemeinen mit dem Verlust eines
Jahres verbunden ist.
3. Schulabschluß.
Es ist durchaus wünschenswert, daß den Lyzeen nur solche Schülerinnen zuge- führt werden, die den vollständigen Lehrgang der Schule durchzumachen beabsichtigen. Es bildet nämlich der Lehrstoff der ganzen Oberstufe(Klasse 4 bis 1) ein zusammen- hängendes Ganzes, zu dessen Vertiefung und Durchdringung grade das letzte Schuljahr durchaus notwendig ist.
Eine Schülerin, die vorzeitig die Anstalt verläßt, ist in manchen wichtigen Fächern
schlechter ausgerüstet als jedes Mädchen, das eine Bürgerschule oder eine Mittelschule ganz
durchgemacht hat. denn sie weiß zu den grundlegenden Fragen der Gegenwart— für deren Behandlung wohlweislich das reifste Alter, die letzten Schuljahre, bestimmt sind— über-
haupt keine auf Wissen begründete Stellung zu nehmen.
Junge Mädchen, die vor Vollendung des ganzen Lehrgangs unsre Schule verlassen, schen wir mit doppeltem Bedauern scheiden, da Wwir sie mit einer nach ihren Bestandteilen unvollständigen, nach ihrer Tiefe ungenügenden und nach ihrer Brauchbarkeit unzweck-
mäßigen Halbbildung ins Leben treten sehen.
4. Verkehr zwischen Elternhaus und Schule.
Die Schule darf wohl dessen sicher sein, daß die Eltern die Entwicklung und die Fortschritte ihrer Töchter sorglich im Auge haben und also auch ihr Schulleben und ihre Schulleistungen mit liebevoller Aufmerksamkeit verfolgen. Daher rechnen wir darauf und bitten darum, daß sie sich auch ohne besondre Aufforderung regelmäßig vom Ausfall der schriftlichen Arbeiten überzeugen, die wenn sie an Wichtigkeit der lebendigen mündlichen
Leistung auch naturgemäß erheblich nachstehen— vielfach einen brauchbaren Anhaltspunkt für
die Kenntnisse und Fortschritte der Schülerinnen geben. Darüber hinaus bedeutet es aber für unsre Arbeit an den Schüölerinnen eine wesentliche Unterstützung, wenn sich die Eltern nicht erst auf Klagen der Unterrichtenden oder auf Nachlassen der Leistungen hin mit der Schule in Verbindung setzen, denn durch regelmäßigen vertrauensvollen Meinungsaustausch lassen sich oft genug die Ursachen für ein Zurückgehen in den Kenntnissen, für eine Lässigkeit in Arbeit oder Betragen aus der Welt Sschaffen, ehe ihre Folgen schärfer zum Ausdruck
kommen. Unsre Arbeit an den Schülerinnen hat ja nicht nur die Ubermittlung von Kennt-
nissen zum Ziel, sondern richtet Sich ebenso darauf, die Kinder an Ordnung, Pflichttreue und bewußtes und darum freies Einfügen in ein größeres Ganzes zu gewöhnen, an Eigen- schaften also, ohne die auch im spätern Leben eine innere Befriedigung und ein freudiges Schaffen im eignen Kreise nicht möglich ist.
Gern und dankbar erkennen wir es an, daß wir in dieser unsrer Arbeit 8o vielfach die tatkräftige Unterstützung der Eltern gefunden haben, aber auf diese Unterstützung sind wir auch angewiesen, soll unsre Arbeit. die doch nur ein Dienst an den Kindern dst


