— 9—
Es sei indessen bemerkt, daß sich eine, ganz gleichmäßige Verteilung der Arbeits- last auf die einzelnen Tage schon wegen der ungleichen Lage der technischen Stunden nicht erreichen läßt. Es muß Sache der Schülerinnen bleiben, sich die Arbeit gleichmäßig zu verteilen, und das Elternhaus wird zum Vorteil seiner Töchter handeln, wenn es dafür sorgt, daß an Tagen mit besonders wenigen häuslichen Arbeiten schon einige Aufgaben für spätere Tage mit erledigt werden.
Im allgemeinen nimmt mit den Klassen aufsteigend die Schwierigkeit des Stoffs und die Belastung der Schülerinnen zu, und daher muß bei der Versetzung darauf gehalten werden, daß besonders in den Klassen 8 und 5, nach deren Abschluß eine neue Fremd- sprache einsetzt, und ebenso in Klasse 4, nach deren Abschluß der Ubergang auf die Studienanstalt erfolgt, alle Schülerinnen zurückbleiben, die den Anforderungen ihrer Stufe nicht wirklich glatt genügen, denn sonst ist an ein Fortkommen in der nächsten, schwerer belasteten Klasse nicht zu denken.
Ubrigens ist in allen Klassen die Schwierigkeit des Stoffs so gering, daß er auch von nicht besonders begabten Schülerinnen ohne zu große Anstrengung bewältigt werden kann— falls nur gründlich gearbeitet wird. Dazu ist allerdings erforderlich, daß die Schülerinnen daheim zu gesammeltem Arbeiten angehalten werden, daß sie ernstes, ziel- bewußtes Arbeiten lernen. Eine Schülerin, deren Hausarbeit steter Störung durch Unter- brechungen oder Unterhaltungen ausgesetzt ist, kann für den schlechten Ausfall des Geleisteten nicht verantwortlich gemacht werden, und Eltern, die gute Ergebnisse wünschen, werden schon von selbst die Vorbedingung dazu: ungestörte Arbeitsruhe, schaffen.
Doch damit allein ist es nicht geschehen; die Mädchen müssen, bis sie zuverlässig zu arbeiten gelernt haben, so weit unter Aufsicht stehen, daß ein Ausspannen während der Arbeitszeit unmöglich ist. Viele Mädchen neigen ja zum Träumen und lassen sich gehen, sie sitzen stundenlang hinter den Büchern und schaffen überhaupt nichts: und grade die geben nachher nur zu leicht Veranlassung zu Klagen wegen Uberbürdung. Man kann eigentlich sagen, daß der Durchschnitt der Schülerinnen die Hausarbeiten viel zu schlaff und langsam anfertigt: schriftliche Ubersetzungen, die in der Schule in zehn Minuten genau so gut und sorgfältig angefertigt werden, bilden zuhause den Gegenstand des Schreckens und werden auf mindestens eine halbe Stunde berechnet; der Klassenaufsatz der Mädchen- schulklassen dauert eine, höchstens zwei Stunden— das heißt Schulstunden von 45 Minuten!— die genau so eingehend vorbereiteten Hausaufsätze sollen zwei bis drei Nachmittage dauern! In der Schule werden Gedichtstrophen in zwei Minuten gelernt, zu deren Bewältigung daheim eine Viertelstunde erforderlich sein soll! Alles Beweise dafur, daß zu Haus nicht mit voller Kraft gearbeitet wird.
Falls die Eltern zu eigner Beaufsichtigung ungeschickter jüngerer Schülerinnen— denn bei aälteren sollte es nicht mehr nötig sein— nicht genug Zeit haben, so kann eine gute Hilfe in der Arbeitsstunde die Kinder bald an rechtes Arbeiten gewôhnen und manchen Nutzen stiften. Dringend zu warnen ist dagegen vor Arbeitshilfen, die immer nur einhelfen und vorwärtsschieben, anstatt der Schülerin die Mittel und Wege zu eigner, selbständiger Arbeit zu zeigen; denn derartige Hilfe hat meist lediglich die gänzliche Unselbständigkeit der Schülerin zur Folge. Das Zeichen einer guten Nachhilfe ist, daß sie nach kurzer Zeit überflüssig geworden ist, da die Schülerin dann zu arbeiten versteht und sich selbst weiter-


