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wäre zur sittlichen Erziehung der Kinder aufs äußerste zu wünschen, daß das Elternhaus solchen Anschauungen, die es in ihren Folgerungen doch selbst für tief verderblich halten muß, jeden Boden entzöge.
Auch die Verlängerung der Sommerferien gehört nicht ganz selten in diesen Kreis. Es wird freilich ohne weiters zugegeben werden müssen, daß die Länge unsrer Sommer- ferien in vielen Fällen unzureichend ist, daß eine Ausdehnung auf sechs Wochen schwer- wiegende Gründe für sich hat. Viele Großstadtkinder sind besonders in der Hauptzeit des Wachstums so erholungsbedürftig, daß die Zeit eines Monats zu ihrer Kräftigung nicht ausreicht; die Schülerinnen kennen wir alle und gönnen ihnen gern ihre sechs oder acht Wochen Ferien.
Ganz anders aber steht es, wenn etwa ein Schein eingereicht wird, daß ein Kind seiner Kräftigung wegen schon zwei Tage vor Schulschluß in die Ferien reisen, also statt 31 Tagen 33 Tage Erholungszeit haben müsse. Denn bei solchen Scheinen handelt es sich oft nur um ein Mäntelchen, um dem größten Reisetrubel aus dem Wege zu gehen. Der Arzt wird den Schein zwar mit gutem Gewissen ausstellen können, denn mit Recht sagt er sich wohl: jeder einzelne Tag da draußen in frischer Berg- oder Sceluft ist schon ein Gewinn. Aber ob die Eltern immer von dem Gefühl frei sind, daß es sich eigentlich mehr um einen Vorwand zu eigner Bequemlichkeit handelt, ist eine Frage, die schon deshalb nicht allgemein verneint werden kann, weil an Orten, wo sechswöchige Sommerferien gegeben werden, fast ebenso häufig wie bei uns zur vollen Erholung des Kindes— grade zwei Tage fehlen!
Dieser Fall der Ferienverlängerung unter einem Vorwande ist für die Erziehung der Kinder genau so bedenklich wie der vorher genannte, für die Arbeit der Schule aber weit schädlicher, weil durch das gleichzeitige Fehlen einer größeren Zahl von Kindern das Weiter- arbeiten der ganzen Klasse empfindlich gestört wird. Fehlten doch an unsrer Schule im Sommer 1900 in unmittelbarem Anschluß an die Sommerferien von 381 Schülerinnen 76,
also jede fünfte Schülerin, und zwar zusammen 483 Schultage, im Durchschnitt— die wirklich Erholungsbedürftigen hatten meist einen Urlaub von zwei bis vier Wochen— über
6 Schultage, sodaß sich getrost sagen läßt, die Schularbeit habe wegen der notwendigen Wiederholungen und nochmaligen Durchnahmen eine volle Woche verloren.
Die Eltern werden es daher verstehen, wenn die Schule sie besonders bittet, grade an diesem Zeitpunkte zum Besten der ganzen Schule mit Urlaubsgesuchen möglichst zurück- zuhalten und sie auf wirklich dringende Fälle zu beschränken.
3. Häusliche Arbeiten, Nachhülfe und Privatunterricht.
Es ist der Grundsatz unsres Unterrichts, die eigentliche Hauptarbeit der Schülerinnen in die gemeinsame Klassentätigkeit zu verlegen. Der Hausarbeit soll fast lediglich die notwendige Einprägung des Lehrstoffs(Namen, Zahlen, Vokabeln, Gedichte usw.) und die UÜbung(Rechenaufgaben, Ubersetzungen, Aufsätze) und Wiederholung vorbehalten bleiben, eine Arbeit also, die allzuviel Zeit und Kraft nicht verlangt; und so ist es uns zu unsrer Freude gelungen, die häuslichen Arbeiten unsrer Schülerinnen erheblich unter der Zeit zu halten, die durch die ministeriellen Bestimmungen als Belastungsgrenze vorgeschrieben ist.


