der Heldenmut und die Kindesſeele, die mit einer Innigkeit und Sinnigkeit ſelbſt in Feindesland ihr Weihnachten feierte, daß die Franzoſen in ſprachloſem Staunen erſchauerten. Und welches Schauſpiel bieten nicht auch ſonſt unſere Krieger, die als Barbaren und Hunnen Verhöhnten, in Feindesland! Iſt es nicht rührend, wie ſie der leidenden Bevölkerung ſich annehmen, das Land beſtellen, das Korn dreſchen, wie die Landſturmmänner die hungernden Frauen und Kinder ſättigen? Und das ſind dieſelben Männer, die im Ernſt der Schlacht keine Gefahr kennen, allezeit bereit, ſich zu opfern, wenn es gilt, irgend einen Erfolg zu erringen.— Doch weiter! Was kennzeichnet be⸗ ſonders die deutſche Seele?
Die deutſche Seele ſucht, die Sache um der Sache willen, nicht um des Nutzens und Lohnes willen, zu fördern; ſie pflegt die Arbeit um der Arbeit willen, ſie ſieht alles unter dem Geſichtspunkt des Allgemeinen, ſie faßt alles Vergängliche als ein Gleichnis des Unvergänglichen— wie innig iſt ihr Gefühl für die Natur, für alle ihre Reize erhabener und idylliſcher Art in Berg und Wald, in Meer und Heide, wie unerreicht iſt ihre Muſik und ihre Lyriik, wie tief die neu erwachte Reli⸗ gioſität! Und dieſe Seele voll Gemüt und Phantaſie zeigte ſich ebenſo groß auf dem Boden der Tat in Induſtrie und Technik; hinter den Schöpfungen der künſtleriſchen Einbildungskraft und philoſophiſchen Denkkraft ſtanden die Leiſtungen in Heer, in Marine, in überſeeiſchem Handel, in einheimiſcher kaufmänniſcher Betriebſamkeit nicht zurück.
Das iſt den Fremden beſonders unbequem und unbegreiflich, ja unverzeihlich.
Die deutſche Seele, ſo ſehr ſie der Wirklichkeit hingegeben iſt, ſucht doch immerdar Fühlung mit dem Unendlichen— das erſcheint den Fremden als Schaum und Traum— ſie beſitzt ein hohes Gerechtigkeits⸗ und Ehrlichkeitsgefühl— es erſcheint ihnen kleinlich und beſchränkt. Gewiſſenhaftig⸗ keit deuten ſie als pedantiſche Engherzigkeit, Beſcheidenheit als Mangel an Selbſtgefühl, militäriſche und bürokratiſche Zucht als Sklavenſinn, rein menſchliches Gefühl als Schwäche.
Und die deutſche Seele iſt in all den verſchiedenen Perſönlichkeiten und Gruppen und Ständen von ſo unüberſehbarer Mannigfaltigkeit!
Das alles wirkte zuſammen, um ſie den Fremden d. h. ihrer Mißgunſt und ihrem ſcheelen Neide rätſelhaft und unheimlich und gefährlich zu machen: ſie konnten ſie nicht verſtehen und wollten ſie nicht verſtehen. In die heimliche, abſichtlich verhehlte Bewunderung miſchte ſich die Furcht, ge⸗ boren aus dem Gefühl eigener Schwäche, ja die Wut!— Und ſo ſtanden ſie auf wider die deutſche Seele mit dem Schlachtruf: Nieder mit ihr! Und ſie rüſteten ſich nicht ehrlich mit Stahl und Waffen allein, ſondern ſie beſchworen alle böſen Geiſter niederträchtigſter Lüge und falſcheſter Hin⸗ terliſt herauf. Doch die deutſche Seele reckte ſich empor und weitete ſich und vertiefte ſich in un⸗ geahnter Kraft und wappnete ſich mit dem Schwerte des Rechts und der Wahrheit, mit dem Schilde der Demut und Gottesfurcht. Wer will ſie bezwingen? Wer kann ſie niederringen?—
Unſer Kaiſer kannte die Bedeutung und Größe unſerer Heeresorganiſation, die Schlagkraft der Truppen, die Genialität ihrer Führer, aber auch die Durchſchlagskraft der 42 cm⸗Mörſer und ſuchte doch mit aller Macht, den Frieden zu erhalten. Denn was den fremden Machthabern völlig abgeht, das beſeelt ihn: das tieſſittliche Verantwortlichkeitsgefühl, die echte Religioſität. Als aber unvermeidlich der Krieg geworden, da ſammelte er die Heerhaufen und konnte im Gefühl der guten Sache die alte Parole feſthalten: Gott mit uns! Gott mit Recht und Gewiſſen!
Dem Übelwollenden und Abgeneigten und Verſtändnisloſen, dem bewußten und dem unbewußten Lügner und Betrüger gegenüber nützt nichts als überlegene Macht, als die jeden Widerſtand nie⸗
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