Jahrgang 
1915
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begeiſterten und zugleich tief andächtigen Widerhall, ſondern hallten über das ganze Land, ja über die Meere zu all den fernen Deutſchen, die ſich noch verbunden mit der Heimat wiſſen kraft un⸗ zerreißbarer Bande.

Und heute verſammeln ſich nicht, wie es ſonſt bisher in all den Regierungsjahren Sr. Majeſtät war, die Fürſten Deutſchlands, die Prinzen und die kommandierenden Generale und hohen Würden⸗ träger in dem Weißen Saale zu Berlin, um ihre Huldigungen darzubringen, ſondern der Kaiſer iſt draußen im Felde, mitten unter ſeinen Feldgrauen, wie es uns lebensvoll der Dichter beſchrieben.* Das Schwert dem Feinde, Gott das Herz zugewandt, ſo ſteht er im Geiſte vor uns, wie ſein demütig⸗ſtolzes Wort am Weihnachtstage lautete. Es tönt auch heute in unſeren Herzen wider. Wir alle daheim und ſie alle dadraußen, die braven Krieger, von denen jeder ein Held iſt, wir wiſſen: Einen ſolchen Kaiſersgeburtstag ſah das deutſche Volk nimmer und wird ihn, ſo Gott will, nimmer wieder erleben. Nicht in lautem Hurra⸗Patriotismus jubeln wir dem Kaiſer zu, ſondern der tiefe große Ernſt der Lage giebt uns die Wünſche für Sr. Majeſtät als unzertrennbar von denen für unſer geliebtes Vaterland ein. Sie gipfeln in zwei Worten: Sieg! Friede!

Auch der Jüngſte von Euch Schülern muß und ſoll die Erinnerung an dieſe Stunde, wie an die furchtbar große Zeit überhaupt, in der zu leben er begnadet wurde, mit ſich nehmen, bis in ſeine ſpäten Tage hinein. Ja, es muß Euch wie ein Schauer berühren und wie ein Pulsſchlag durch Euer Leben gehen.

Worin beſteht der Ernſt der Stunde? Großes iſt erreicht worden zur See und zu Lande wer nennt alle die Namen der Orte in Oſt und Weſt, die mit edlem deutſchem Blute getränkt, aber auch mit unvergänglichen Lettern in unſerer Kriegsgeſchichte verzeichnet ſind? Doch der Feind iſt noch nicht niedergerungen. Noch immer wieder bricht der Widerſtand heftig hervor ſeitens der Franzoſen und Ruſſen, und jenſeits des Kanals lauert der erbittertſte und argliſtigſte Feind hinter der Panzermauer ſeiner Flotte. Und doch grenzt es ans Wunderbare, daß unſere Heere einer Welt von Feinden trotzten und ſie in gewaltigen Schlachten trotz aller Übermacht ſchlugen. Ihr braucht ja nur auf dem Atlas das winzige Stückchen Erde, das deutſchen Boden bezeichnet, mit dem Rieſenflächenraum zu vergleichen, den unſere Gegner inne haben. Und ſie hatten es ſich ſo wundervoll ausgedacht, wie ſie uns niedertreten und zermalmen wollten. Ja, wir müſſen es uns immer wieder vergegenwärtigen, um was wir kämpfen, was auf dem Spiele ſteht. Es geht um des Reiches Beſtand, das mit Eiſen und Blut im Jahre 70 zuſammengeſchmiedet wurde.

Es geht um mehr noch: Es geht um unſere deutſche Seele.

Wer möchte nicht einen Hymnus anſtimmen auf unſere deutſche Seele? Auf ihre Geſchichte und auf ihr Weſen von heute? Auf die deutſche Seele, wie ſie ſich offenbarte in Männern wie Walther v. d. Vogelweide, Luther und Kant, in Goethe und Schiller und Bismarck, in Bach, Beethoven. Brahms wer nennt alle die Geiſteshelden auf den verſchiedenen Gebieten der Kunſt und Wiſſen⸗ ſchaften? Doch nicht auf die Großen brauchen wir zu ſchauen. In tauſend kleinen, aber herrlichen Zügen verriet ſich die deutſche Seele auch bei den Geringſten in dieſer furchtbar ernſten Zeit. Es iſt ein Heldentum unter uns aufgeſtanden, wie wir es nie erlebten, eine Einigkeit und Einmütig⸗ keit, eine Hingabe an das große Ganze, an das Vaterland, eine Opferfähigkeit und Selbſtvergeſſen⸗ heit ohnegleichen. Uns iſt erſt in dieſen Tagen der höchſten Not und Gefahr der Wert der deutſchen Seele kund geworden

*) Es war unter anderen Kriegsgedichten auch Max BewersDer Kaiſer in den Schützengräben vorgetragen worden.

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