Jahrgang 
1915
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Hochgeehrte Anweſende! Liebe Schüler!

Die Auguſtſonne dieſes Jahres hat Taten überſtrahlt, wie ſie kaum in der Weltgeſchichte ihres⸗ gleichen finden. Unſere herrlichen Truppen warfen ganze Länder und Provinzen nieder; wie gehetztes Wild flüchteten vor dem unwiderſtehlichen Anſturm Belgier und Franzoſen und Engländer. Die ſtolzeſten Forts ſanken im Feuer unſerer Geſchütze zuſammen, als uneinnehmbar geltende Feſtungen öffneten ihre Tore. Und ſchon ſahen deutſche Truppen in Morgennebeln aufragen den Eiffelturm von Paris. Es war ein Siegeslauf ohnegleichen in Feindesland, und es war ein Siegesrauſch bei uns daheim, ſo daß wochenlang die Straßen in Flaggenſchmuck prangten. Da wähnte wohl mancher in kühner Hoffnung, ehe die Blätter von den Bäumen fielen, wäre die Entſcheidung voll⸗ zogen, und zu Weihnachten würde man den heimgekehrten Siegern die Kerzen am Weihnachtsbaume zünden. Und heute feiern wir Kaiſersgeburtstag, und der Friede iſt noch in weiter Ferne. Soll uns dies etwa mutlos machen? Sollen wir verzagen, weil in Oſten und Weſten immer wieder noch die Feinde in deutſches Gebiet einbrechen, weil in langer Kampfeslinie an der Ner, an der Aisne, im Argonner⸗ und im Wasgenwalde jeder Fußbreit Landes, jeder Schützengraben erobert ſein muß?

Nein und nimmermehr nein!

Wir dürfen nicht vergeſſen: Wir haben ſtarke, ja an Zahl weit überlegene Gegner, und die kämpfen wie wir um das Leben. Es iſt eine faſt übermenſchliche Aufgabe den Deutſcheu auferlegt worden, und es iſt ſchon etwas ungeheuer Großes um unſere ſiegreiche Offenſive im Oſten und um unſere unbeſiegte Defenſive im Weſten, die ſich freilich langſam in Vorſturm wandeln wird. Denn unbeſiegbar iſt unſer Wille zum Siege. Und darum iſt uns der Sieg ſicher.

Wer hätte vorm Jahr gedacht und geahnt, wie wir heute Kaiſersgeburtstag feiern? Vor allem auch unſer Kaiſer ſelber nicht!

Wenn wir uns ſonſt an dieſem Tage im Geiſte um den Thron unſeres Herrſchers ſcharten, konnten wir ihm mit dem Dichterwort zujubeln:Wir danken's dir, daß dies dein höchſtes Streben, dein Ruhmeskranz, dein Ehrgeiz dies allein, daß wir in Deinem Schutze ſicher leben, des Friedens edler Gaben uns erfreun. Wahrlich, Wilhelm II war allezeit ein echter Friedenskaiſer. Und es gelang ihm, länger als ein Vierteljahrhundert die Segnungen des Friedens ſeinem Volke zu erhalten. Doch die ſchnöde Eiferſucht und Rachſucht und Ländergier der Nachbarn wollte es anders. Wie der Dieb über Nacht, kam der Krieg über uns. Vergeblich war noch in letzter Stunde alles redliche Bemühen unſeres hochgeſinnten Kaiſers, die Gefahr von Europa, ja von der Welt abzuwenden; in dem tiefen Verantwortlichkeitsgefühl, das ihn auszeichnet, ſcheute er kein diplo⸗ matiſches noch perſönliches Mittel dafür es war umſonſt. Ein abgekartetes Spiel, ein tückiſch längſt vorbereiteter Überfall trat mehr und mehr zu Tage. So mußte der Kaiſer, wohl wiſſend, welche ungeheuren Opfer an Gut und Blut ein Krieg fordere, aber auch im feſten Vertrauen auf ſeinen Gott, ſein Heer und ſein gutes Recht zum Schwerte greifen. Und niemals konnte ſich der Kaiſer ſo ſehr eins wiſſen mit ſeinem Volke wie in jenen Auguſttagen, in denen die Entſcheidung fiel und er von ſeinem Schloſſe aus zu ſeinem Volke, das in der Schickſalsſtunde zu ihm hin⸗ drängte, unvergeßliche Worte redete von der Geſchloſſenheit und Einmütigkeit der Nation, in der es nunmehr keine Parteien gebe, ſondern nur Deutſche, nur deutſche Brüder. Jedermann ſpürte das Wehen des Geiſtes der Geſchichte, die Wende der Zeiten, und die Worte des Kaiſers in ihrer männlichen Würde und in ihrer Herzenswärme weckten nicht nur bei ſeinen Berlinern

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