Berichte aus unserm Hauptquartier mit den Berichten der Gegner verglichen habt, so werdet Ihr gemerkt haben: Jene machen sehr viel laute, lärmende Worte, um ihre Nieder- lagen zu verbergen. Unser Hauptquartiermeister ist bündig und kurz über die Erfolge und verschweigt auch die Nachteile und Mißerfolge nicht. Gottlob überwiegen die großartigen Siege diese bei weitem, Ihr werdet kürzlich eingestimmt haben in den Jubelruf: Antwerpen ist gefallen! Das ist gerade für die Engländer ein schwerer Schlag! Noch am 8. Oktober posaunten sie in die Welt:„Antwerpen ist uneinnehmbar“, am 9. Oktober fiel es! Ja, sagen sie, das ist keine Kunst, wenn man solche Mörser hat!— Wer hat aber diese ge- waltigen Mörser geschaffen? Nur der deutsche Fleiß, die deutsche Tüchtigkeit und Ge- wissenhaftigkeit. Und diese tritt in der Industrie glänzend bei uns hervor, in der Anfer- tigung von Waffen und Geschützen aller Art, wie in der Wissenschaft. Und wer hier oder da etwas Tüchtiges leisten will, der muß früh anfangen.
Das mögt Ihr Euch immer wieder selbst zurufen und nun mit Eifer wieder an die Arbeit gehen, auf daß der Winter mit den langen Abenden und dem fleißigen Streben Euch voranbringe. Wir wollen aber auch in dieser Morgenstunde unserem Heere dadraußen im Felde danken und von dem Herrn der Heerscharen den Sieg herabflehen. Gott sei mit ihnen und segne ihr Waffenglück! Wir wollen im Anschluß an den 46. Psalm also sprechen: Gott ist unsere Zuversicht und Stärke, eine Hülfe in den großen Nöten, die uns getroffen haben. Darum fürchten wir uns nicht, wenn auch die ganze Welt wider uns stünde, wenngleich das Meer wütete und von seinem Ungestüm die Berge einfielen. Die Völker der Feinde müssen verzagen, und die Königreiche fallen, wenn der Herr sich hören läßt, der den Kriegen steuert, der Lanzen zerbricht, Spieße zerschlägt und Wagen mit Feuer verbrennt.
Der Herr ist mit uns, der Herr unser Gott ist unser Schutz. Amen.
Am 21. und 22. Oktober unterzog der Herr Geh. Reg. und Prov.-Schulrat Dr. Kaiser die Anstalt einer Revision und wohnte in sämtlichen Klassen den verschiedenen Unterrichts- fächern bei. In einer daran sich schließenden Konferenz gab er unter lehrreichen Weisungen und Anregungen seiner Zufriedenheit Ausdruck und erklärte, es unterliege keinem Zweifel, daß die Anstalt die Rechte einer höheren Lehranstalt erhalten werde.— Der Unterrichts- betrieb erlitt infolge des Gehens und Kommens der Lehrkräfte vielfache Unterbrechung und Störung. Viel Unruhe und Unzuträglichkeiten brachte auch die Wachmannschaft, die, immer wechselnd, die Turnhalle besetzt hielt. In der Schlußfeier am 23. Dezember, bei der eine Reihe Kriegsgedichte zum Vortrag gelangten, sprach der Unterzeichnete Herrn Prof. Dr. Freund, der an die Deutsche Schule nach Antwerpen zurückkehrt, den besten Dank der Behörde und der Schule aus für die treue Arbeit, die er in schwerer Zeit an der Schule geleistet hatte. Zur Feier von Kaisers Geburtstag versammelten sich am 26. Januar, abends 5 Uhr, die Schule und eine große Anzahl von Eltern und Freunden in der Aula; Vorträge von Kaiser- und Kriegsgedichten wechselten mit Chorgesängen.
Der Unterzeichnete hielt folgende Ansprache:
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