beriet. Zwei Tage lang sammelten wir dort in den stellenweise außerordentlich verstei- nerungsreichen mitteldevonischen Riffkalken und genossen dabei froh die wundervolle Landschaft, der die schroffen Felswände der Hustenley, der Monterley und des Auberges geradezu alpinen Charakter verleihen. Am neunten Tage kehrte die Exkursion über Trier durch das Moseltal nach Frankfurt zurück, nachdem schon von unterwegs manche gewich- tige Kiste den Heimweg angetreten hatte.
4. Herr Studienrat Dr. Löffler machte ebenfalls in den Herbstferien mit 11 Schülern der Physikalischen Arbeitsgemeinschaft eine neuntägige Studienfahrt nach München zum Be- suche des Deutschen Museums. Der Leiter der Fahrt gibt davon folgende Schilderung:
Die Abfahrt erfolgte zwei Tage vor Beginn der Herbstferien. Wir waren losgefahren trotz der im letzten Augenblick erfolgten Absage der Jugendherberge München. Um s0 größer war die Freude, als wir dort nach zwölfstündiger Fahrt doch noch ein Unterkom- men fanden. Diese Großiugendherberge ist ein Neubau mit Kochgelegenheit im Tagraum; uns zugewiesen war die„Fränkische Stube“, in der wir uns auch all die Abende äußerst wohl fühlten. Um dreiviertel zehn wird der Schlafraum geöffnet, und um zehn Uhr geht das elektrische Licht aus. Am anderen Morgen ist um sechs Uhr großes Wecken. Unser „Stubendienst“ holt die vierzig Brötchen und bereitet das heiße Teewasser. Dann gehts nach dem Frühstück zum Deutschen Museum, und es ist für alle Teilnehmer ein denk- würdiger Augenblick, als die Corona den Ehrensaal betritt. Zunächst wenden wir uns zur geologischen Abteilung und dem Bergwerk, in dessen kleinem Betraum sich die Arbeits- gemeinschaft auf den alten Holzbänken niederläßt, um Peissachowitschs Spiel auf der kleinen uralten Orgel zu lauschen. Nachmittags folgen die Abteilungen für Hüttenwesen, Metallverarbeitung und Kraftmaschinen, wo uns die fauchende„Puffing Billy“ besonderen Spaß bereitete, sowie der Raum für Mathematik und ein UÜberblick über die Chemie-Abtei- lung. Beschlossen wurde der Tag durch eine Besteigung des Turmes, von dem wir eine selten klare Aussicht auf München genossen. EFin Kolloquium über die Eindrücke des Ta-— ges würzte die vom„Stubendienst“ bereitete köstliche Erbsensuppe und füllte die Zeit bis zum Schlafengehen aus.
Der zweite Vormittag war der Strahlungsphysik gewidmet; die Durchleuchtung mit Röntgenstrahlen nach 15 Kniebeugen, die Originalapparatur von Feddersen, die Tesla— versuche, der Oszillograph, die singende Bogenlampe, die Radio-Abteilung und besonders die Vorführung der drahtlosen UÜbermittlung der Wetterkarte fesselten die Teilnehmer. Das Mittagessen wurde durch Sitzen auf der Bank vor der Museumsküche sowie eine Be— sichtigung des Planetariums und Beobachtungen durch den 1525lligen Fraunhoferschen Refraktor ersetzt. Den Nachmittag verbrachten wir in den Räumen für Schiffbau, Wo das Original von UI in allen Einzelheiten studiert wurde, und der Abend sah uns auf der The- resienwiese beim Oktoberfest; eine Fahrt auf der Himalayabahn konnte aus physikali- schen Gründen nicht unterbleiben. Der Sonntag, der für die Besichtigung von München für jeden freigegeben war, verregnete vollkommen. An den nächsten beiden Tagen be- schäftigte sich im Museum jeder mit seinen Lieblingsgebieten, und die Besichtigung schloß nach einem gemeinsamen Rundgang am letzten Tag mit der Vorführung des Kreiselkom- passes. An diesem Abend war ein besonderes Frlebnis für uns alle der Besuch von Hans Bröckelmann in der Herberge, der in lebendiger Weise von den alten Zeiten in der Schule erzählte. Nach einem vom Wetter begünstigten Ausflug zum Walchenseewerk war für die kleine Physikgemeinde die Stunde wehmütigen Abschiedes von München gekommen.
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