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geholte Notprüfungskommission zugesprochen. Es war für die Mitglieder der Kommission ein Augenblick von ernster, schicksalsschwerer Bedeutung, als der junge Mann, der im Kriegergewand zur Prüfung erschienen war, mit den besten Wünschen entlassen wurde, um bald einer so viel härteren Prüfung entgegenzugehen. Seit Monaten liegt er im Schützengraben an der Westfront; auch ihn hat ein gütiges Geschick durch alle Gefahren gerettet. Leider können wir das gleiche nicht von den früheren Schülern berichten. Fritz Petri(UII 1912/13) als Kriegsfreiwilliger am 29. Oktober bei Le Quesnoy und am 5. März Ernst Zobel(O III 1911/12), der als erster Turnfestsieger auf unserem Ehrenschild verzeichnet steht, starben den Heldentod, letzterer als Kriegsfreiwilliger befördert zum Unteroffizier und geschmückt mit dem Eisernen Kreuz. Die Schule wird das Gedenken an den ruhmvollen Tod der Tapferen stets in Ehren halten.
Hat so unsere Anstalt schon unmittelbar reichen Anteil an den Kriegsereignissen gehabt, so war auch das Miterleben der Zurückgebliebenen in ernstem und fröhlichem Sinne nicht gering. Zunächst nötigte der starke Ausfall an Lehrkräften zu bedeutenden Einschränkungen des Unterrichts— die Vorschule wurde vom 4. bis 15. August überhaupt freigegeben—, die erst allmählich und nur zum Teil aufgehoben werden konnten.
Während der gleichen Frist hatte Herr Oberleutnant Poel vom hiesigen Artillerie- regiment das Physiklehrzimmer(O II)) als Kanzlei und das Amtszimmer des Direktors als Telephonzimmer zu Kriegszwecken beschlagnanmt, um dort die Zusammenstellung der zweiten leichten Munitionskolonne zu bewerkstelligen. Die Schüler waren stolz, wenn sie gelegentlich als Radfahrer herangezogen wurden, um Befehle oder Meldungen zu befördern. Zuletzt beteiligte sich die halbe Schule am Munitionsverteilen auf dem Ka- sernenhof. Lehrer und Schüler werden sich stets mit Achtung des ebenso straffen wie liebenswürdigen Offiziers erinnern, der als einer der ersten vom Regiment sein Leben dem Vaterlande opferte.
Daß der Krieg im Lehrerkollegium bedeutende Veränderungen hervorrief, wurde oben schon erwähnt. Die durch die Abrufung von sechs Herren entstandenen Lücken mußzten möglichst ausgefüllt werden. Zu erwähnen ist noch, daß die Bemühungen des Herrn Oberlehrer Wilken, als Kriegsfreiwilliger eintreten zu dürfen, am Widerstande der vorgesetzten Behörden scheiterten, sodass er am 17. August seinen Dienst wieder antrat. Als erste Hilfskraft und zwar, was besonders betont sei, ehrenamtlich, stellte sich uns die Gemahlin des Kollegen Dr. Käbitz zur Verfügung und erteilte französischen Unterricht, zunächt in drei, später in zwei Klassen, vom 6. August bis 27. September. Der herzlichste Dank auch namens des Kuratoriums sei ihr hierdurch ausgesprochen. Gleich- falls ehrenamtlich übernahm den Unterricht an einer Vorschulklasse Herr Lehrer F. Tholen aus Staffel bei Limburg a. d. L., der seine Ferien gerade hier zubrachte. Sein Wirken dauerte vom 10. bis 22. August, worauf er seinen Unterricht in Staffel wieder aufnehmen musste. Auch ihm sei herzlicher Dank ausgesprochen. Vom 10. August bis 23. November war Herr Lehrer Lühr von der Städtischen Gewerbeschule uns zugewiesen. Er trat als Kriegsfreiwilliger in die Ersatz-Truppe des Inf.-Regts. 81 ein. Vom 20. August bis zu den Herbstferien wurde der an der Städtischen Handelslehranstalt beschäftigte Privatlehrer Herr O. Herrmann mit französischem und englischem Unterricht betraut. Auch er wurde zur Fahne einberufen. Es darf hier nicht unerwähnt bleiben, daß auch Frau Inge- nieur Ziegler von hier sich in liebenswürdiger Weise bereit erklärte, auf Grund ihrer Lehrbefähigung für höhere Schulen ihre Kraft ehrenamtlich uns zur Verfügung zu stellen. Leider geschah dies zu einem Zeitpunkte, in dem der Lehrkörper gerade wieder einiger- maßen vervollständigt worden war, so daß eine durchgreifende Umarbeitung der Lehrver- fassung notwendig geworden wäre. Wenn wir daher auch zu jener Zeit von diesem so freundlichen Anerbieten keinen Gebrauch machen konnten, so bleibt es nicht weniger dankenswert, und wir hoffen, daß Frau Ziegler bei einer vielleicht bald eintretenden Lücke einer an sie herantretenden Bitte gern Folge leisten wird. Von längerer Dauer ist die Wirk- samkeit dreier Herren und einer Dame, die uns durch das Kuratorium überwiesen wurden. Den Zeichenunterricht gibt seit dem 10. August Herr Maler C. Kaiser von der Städti-


