Jahrgang 
1915
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Leute nicht. Also so: du vin... Und ich bemühe mich(als ob ich vor meinen Sex- tanern daheim stände), einen Nasallaut hervorzubringen, wie er schöner nicht gehört werden kann.So, nun haltet Euch mal alle die Nase zu und sprecht das nach! Und 250 derbe Hessen und Westfalenfäuste drücken mehr oder weniger fest ihre Riech- organe zusammen unddu vin! klingt es herausfordernd über das weite Feld. Die ganze Kompagnie brüllt vor Lachen. Was ist das für eine komische Sprache.Schreibt weiter auf: Milch du lait(düläh), Speck du lar(dülar), Schinken du jambon (düschambong), Käse düfromasch. Noch mancher Leckerbissen wird auf dem Papier serviert und alle schreiben so eifrig mit, als hätten die schwieligen Hände zu Hause immer nur die Feder geführt. Dann kommen die Zahlwörter 1 10(öng,, troa, katt, Bänk, Bißz usw.) an die Reihe, ferner die Anredenmißiöô,madam,madmoasäl und zuletzt die WorteDonnez-moi(donnehmoa), die sie vor das setzen sollen, was sie haben wollen. Einer wünscht zu wissen, wieder Kuß heißt, undlöbäse wird unter allge meinem Jubel eingetragen und festgehalten. Das ist ein zu schönes und wichtiges Wort. Schreibt hinterle baiser auch gleichl'amour(lamur),die Liebe, denn die beiden Wörter gehören eng zusammen. Und vergeßt nicht, immerDonnehmoa davor zu setzen!

Bitte antreten lassen!l. Bataillon antreten lassen!Zweite Kompagnie an die Gewehre! So schallt es plötzlich von allen Seiten. Papier und Bleistift wandern in den Brotbeutel, und 10 Minuten später zieht die eiserne Wehr wieder weiter, dem

Feinde entgegen. Nach einer Stunde bereits empfingen wir die Feuertaufe. E. E. ,,

Der zweite Kriegsteilnehmer, Herr Oberlehrer Dr. Wagner, nahm mit seinem Regi- ment an dem belgischen Feldzug teil, machte unter anderem das mörderische Waldgefecht bei Bertrix mit und wurde am 27. September bei Solente(6 Km. nördlich Roye) durch eine Kugel, die den rechten Fuß durchschlug, außer Gefecht gesetzt und auf längere Zeit marschunfähig. Seit 30. Dezember ist er wieder garnisondienstfähig und dem Offi- ziergefangenenlager in Friedberg als Dolmetscher zugewiesen.

Herr Zeichenlehrer Schubert kam zum lothringischen Landsturm und bewachte mit diesem die Grenze, bis das Landsturmregiment im Januar an die östliche Grenze befördert wurde, um gegen die Russen zu kämpfen.

Herr Mittelschullehrer Becker liegt mit seiner Kompagnie seit Kriegsbeginn fast un- unterbrochen an der elsässischen Grenze in Fühlung mit dem Feind und hat alle Gefechte, deren Zahl nicht gering ist, bis jetzt glücklich überstanden.

Herr Lehrer Kahlfuß befindet sich seit Mitte Dezember im 42. Ersatzbataillon der Landwehrbrigade der 9. Armee auf dem östlichen Kriegsschauplatz, seine letzte Mitteilung kurz vor Weihnachten kam aus Tschenstochau; wie von anderer Seite mitgeteilt wurde, hat er in den Kämpfen auf dem südpolnischen Kriegsschauplatz reichlich Gelegenheit gehabt, das Kriegsleben kennen zu lernen, doch ist glücklicherweise auch er bis jetzt aus allen Gefahren unverletzt hervorgegangen.

Unser Probekandidat, Herr Dr. Stahl, wurde als Ersatzreservist beim Festungsbau Mainz mehr körperlich als wissenschaftlich beschäftigt; seine Versuche, als Kriegsfreiwilliger in die Front zu kommen, mißlangen, so daß er schließlich zur Sanität überging, um auf diesem Wege den Kriegsschauplatz zu erreichen.

Auch unser Schuldiener, Vizefeldwebel Müller, wurde durch den Krieg aus seiner friedlichen Tätigkeit gerissen, um nach einander in verschiedenen Garnisonen bei der Ausbildung von Ersatztruppen tätig zu sein; auch sein Vertreter Luttropp ist seit 26. Februar zum Landsturm einberufen.

Von den Schülern ging einer unmittelbar von der Schulbank zur Waffe über, der Untersekundaner Otto Schmitt, der beim Ersatzbataillon in Mainz als Kriegsfreiwilliger eintrat, dann am Sedantag nach Schluß der Schulfeier unerwartet eintraft, um am Nach- mittag die Schlußprüfung abzulegen. Die Reife für Obersekunda und damit die Berech- tigung zum Einj.-Freiw.-Dienst wurde ihm durch die mit einigen Schwierigkeiten zusammen-