Jahrgang 
1915
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und Steifheit des linken Mittel- und Ringfingers sind heute noch als Folgen der Verwun- dung zurückgeblieben. Nach monatelangem Krankenlager im Cecilien-Lazarett in Char- lottenburg wurde er, ausgezeichnet mit dem Eisernen Kreuz 2. Klasse und der Hessischen Tapferkeitsmedaille, als garnisondiensttauglich am 20. Februar entlassen und dem Kadetten- haus Potsdam als Erzieher zugewiesen. Als Beweis dafür, dass Herr Direktor Dr. Hart- mann auch in der Uniform den Humor nicht verloren hat, lassen wir hier eine von ihm imHannoverschen Kurier vom 3. September veröffentlichte Episode aus den belgischen Märschen folgen.

Französischer Unterricht im Felde. Ort der Handlung: Ein Stoppelacker in Belgien.

Nach heißem Marsche im Divisionsverbande rastet das Regiment. Die Gewehre sind zusammengesetzt, das Gepäck ist abgehängt. Die Feldküchen fahren neben die Kom- pagnien, und zugweise in musterhafter Ordnung treten die durstigen Mannschaften mit ihren Trinkbechern an, um den Frühstückskaffee, der während des Marsches gekocht wurde, zu empfangen. Der braune Trank hat die Lebensgeister wieder aufgefrischt, und in Gruppen liegen nun die Leute umher, plaudern und lachen. Ich habe mit meinen Kompagniekameéeraden(einem Staatsanwalt aus G., einem Lehrer aus dem Vogelsberg und unseremBenjamin, einem 18jährigen aktiven Leutnant, der im Felde zum Offizier befördert ist und dem die blauen Augen so erwartungsvoll blitzen) eine Strohhocke er- wischt, auf der wir unser Schlemmerfrühstück, bestehend aus ebenso trocknem wie nahr- haftem Kommißbrot und einem Stück Speck, mit gutem Humor verzehren. Neben uns haben unsere Reservisten, prächtige Menschen aus dem Siegerlande, ihre Pfeifen ange- steckt und singen die schönen Heimats- und Soldatenlieder, die auch das rauheste Krieger- herz auf Sekunden weich machen.

Frankreich, ach Frankreich, wie wird's dir ergehen, Wenn du die deutschen Soldaten wirst sehen, Deutsche Soldaten, die tragen schwarz, weiß, rot; Weh, o weh, o weh, o weh Franzosenblut.

So tönt es über den Acker, während dumpfer Kanonendonner im Westen uns zeigt, daß die Waffenbrüder schon an der Arbeit sind. Alles ist in gehobener Stimmung. Der Einmarsch unserer Truppen in Brüssel ist uns unterwegs von vorbeisausenden General- stäblernamtlich mitgeteilt worden, und die Rauchwolke im Südosten kann nach der Karte nur von brennenden Häusern in der Festung Longwy herrühren, die seit gestern beschossen wird. Wir fühlen, daß es heute oder morgen auch für unszum Klappen kommen muß.

Professor! ruft die durchdringende Kommandostimme unseres Hauptmanns über das Feld.Herr Hauptmann! Sofort unterbreche ich die süße Rast(wenn's auch schwer wird bei meiner Leibesfülle und den 36 Jahren) und stehe vor dem gleichaltrigen Kompagniechef, der im Dienst so scharf und außer Dienst unser bester Kamerad ist. Professor, Bataillousbefehl: Französischen Unterricht an die Kompagnie. Fangen Sie gleich an; wer weiß, wo wir heute Abend sind.Zu Befehl, Herr Hauptmann! Zweite Kompagnie herhören! Bleistift und Papier nehmen und sofort zu unserm Professor, Herrn Leutnant d. R. H. zum französischen Unterricht!

Ein Summen und Lachen geht durch die Reihen, und einige Minuten spaàter liegt alles um mich herum, mit Papier und Bleistift bewaffnet, und die Vorlesung beginnt.

Also, Kerls, wir sind hier in Belgien und werden bald in Frankreich sein. Da rechnet man nach Francs und Centimes. Schreibt auf: 1 Frank 100 Centimes(Za-n-g-t-i-m), 1 Frank 80 Pfennig. 1 Sou(S-B-u) 4 Pfennig. l Frank 20 Sous. Laßt Euch von den Franzosenhunden also nicht übers Ohr hauen! Was für schöne Sachen wollt lhr denn in Frankreich haben?Wein! rufen die meisten.Schreibt auf: du vin(düwäng). Und das merkt Euch ein für alle Male, jedes Wort, wo ein n oder me drin ist, wird durch die Nase gesprochen und lang gezogen wie ein Gummimann. Sonst verstehen Euch die