Jahrgang 
1915
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III Geschichte der Anstalt.

a) Vor Kriegsausbruch.

Herr Otto bestand am 11. Juni in Charlottenburg die Gesanglehrerprüfung für höhere Schulen. Dem Probekandidaten Herrn Dr. Wilhelm Stahl wurde die Anstellungsfähigkeit an höheren Schulen mit Datum vom 1. Oktober 1914 zuerkannt.

Der Gesundheitszustand des Lehrerkollegiums war im allgemeinen befriedigend, was allerdings nicht für das Winterhalbjahr zutrifft. Durch die außerordentlich ungünstigen Raum- und Heizungsverhältnisse unseres Schulhauses waren Erkältungen an der Tages- ordnung. Die Flure, besonders bei Ostwind, waren eisig kalt, die Klassenzimmer häufig so überheizt, dass in manchen Klassen der Unterricht stundenweise(im Winter!) nur bei geöffneten Fenstern und Türen gehalten werden konnte.

Was über den Gesundheitszustand der Lehrer und dessen Ursachen gesagt ist, gilt im gleichen Maße auch bezüglich der Schüler.

Leider verlor die Anstalt auch in diesem Jahre durch den Tod einen lieben Schüler, den Untertertianer Wilhelm Ziegler, der durch einen Diphtherieanfall hinweggerafft wurde. Zu unserem Schmerze durfte die Schule, da sein Tod durch eine ansteckende Krankheit erfolgt war, ihm nicht einmal das Geleit zur letzten Ruhe geben. Nur der Direktor und der Klassenleiter folgten seinem Sarge als Vertreter der Anstalt.

b) Nach dem RKriegsausbruch.

Der Kriegsausbruch stürzte natürlich auch an unserer Schule alle bestehenden Verhältnisse um. Zunächst wurden aus dem Kollegium sechs Herren durch die Mobilmachungsordre weggerufen; Direktor Dr. Hartmann als Leutnant d. R. im Inf. Regt. 168, Oberlehrer Dr. Wagner als Unteroffizier d. R. im Inf.-Regt. 81, Zeichenlehrer Schubert als Landwehrmann im Ldst. Inf.-Regt. Diedenhofen, Mittelschullehrer Becker als Feldwebel d. L. im Ldw. Anf.-Regt. 81, Elementarlehrer Kahlfuß als Landwehrmann, Truppenteil unbekannt, Probekandidat Dr. Stahl als Ersatz-Reservist in der 29. Festungs- Kompagnie Oberolm bei Mainz. Uber die weiteren Schicksale unserer Kriegsteilnehmer ist uns verhältnismäßig wenig bekannt geworden. Herr Direktor Dr. Hlartmann war zunächst als Zugführer der 2. Kompagnie seines Regiments zugeteilt und kam sofort nach vollendeter Mobilmachung durch die Rheinprovinz über Luxemburg nach Belgien, wo er am 22. August in der Schlacht bei Neufchateau die Feuertaufe erhielt und beim Sturm durch eine schwere Fußverstauchung frontdienstuntauglich wurde.(Er hat trotz verstauchten Fußes das Vor- wärtsstürmen noch fünf Stunden lang mitgemacht.) Vier Wochen lang lag er im Garnison-Lazarett in Hannover. Am 22. September ging er dann als Transportführer einer Ersatztruppe von Offenbach a. M. aus wieder ins Feld, wo er am 25. September bei Servon(Frankreich) zu seinem Regiment stieß. Während der langwierigen Stellungs- kämpfe im Argonnerwald war er mit der Führung der 10., später der 9. Kompagnie seines Regiments betraut. Das Regiment wurde dann von Autry mit der Bahn nach Valenciennes befördert. Von dort aus kamen langausgedehnte Märsche über Orchies und Lille nach Verwick an der belgisch- französischen Grenze, wo wieder Stellungskämpfe gegen eng- lische Truppen einsetzten. Wieder wurde das Regiment abgelöst, marschierte nach Lille zurück, um westlich Lille den Kampf wieder aufzunehmen. Am 20. Oktober machte Herr Direktor Dr. Hartmann den siegreichen Sturm auf das von den Engländern besetzte Dorf Ennetières, in der darauffolgenden Nacht die Erstürmung von La Vallée mit; am Tage darauf wurde er beim Sturm auf das Dorf Bois blancs durch eine englische Kugel schwer verwundet.(Oberarmknochen, dritter Mittelnandknochen und oberstes Glied des Ringfingers am linken Arm wurden durch eine Kugel durchschlagen.) Krümmung des linken Oberarms