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„Die Gefahren, die durch die überhand nehmende Schundlite ratur der Jugend und damit der Zukunft des ganzen Volkes drohen, sind in den letzten Jahren immer mehr zutage getreten. Neuerdings hat sich wieder mehrfach gezeigt, dab durch die Abenteurer-, Gauner- und Schmutzgeschichten, wie sie namentlich auch in cinzelnen illustrierten Zeitschriften verbrcitet werden, die Phantasie verdorben und das sittliche Empfinden und Wollen derart verwirrt worden ist, daß sich die jugendlichen Leser zu schlechten und selbst gerichtlich strafbaren Handlungen haben hinreißen lassen.
Die Schule hat es auch bisher nicht daran fehlen lassen, mit allen ihr zu Gebote stehenden Mitteln diescs Ubel zu bekämpfen und alles zu tun, um bei den Schülern und Schülerinnen das rechte Verständnis für gute Literatur, Freude an ihren Werken zu wecken und dadurch die sittliche Festigung in Gedanken, Worten und Taten herbeizutühren. In fast allen Schulen finden sich reichhaltige Büchereien, die von den Schülern und Schülerinnen kostenlos benutzt werden können. Aber die Schule ist machtlos, wenn sice von dem Elternhausc nichtausreichend unterstützt wird. Nur wenn die Eltern in klarer Erkenntnis der ihren Kindern drohenden Gefahren und im Bewubtsein ihrer Verantwortung die Lesestoffe ihrer Kinder, einschließlich der Tagespresse, sorgsam überwachen, das versteckte Wan- dern häßlicher Schriften von Hand zu Hand verhindern, das Betreten aller Buch- und Schreib- warenhandlungen, in denen Erzeugnisse der Schundliteratur feilgeboten werden, streng verbieten und selbst überall gegen Erscheinungen dieser Art vorbildlich und tatkräſtig Stellung nehmen, nur dann ist Hoffnung vorhanden, dab dem Ubel gesteuert werden kann. Bei der Auswahl guter und wertvoller Bücher wird die Schule den Eltern wic auch den Schülern und Schülerinnen selbst mit Rat und Tat zur Seite stehen und ihnen diejenigen Bücher angeben, die sich für die Alters- stuſe und für ihre geistige Entwicklung eignen. Zu diesem Zwecke werden es sich die Lehrer und Lchrerinnen gern angelegen sein lassen, sich über die in Betracht kommende Jugendliteratur fortlaufend zu unterrichten. Das in dem Weidmann'schen Verlage zu Berlin er- schienene Buch des Direktors Dr. F. Johannesson„Wassollen unsere Jungen lesen?“ wird den Schülern und auch den Schülerinnen- wie deren loltern als zuver- lässiger Wegweiser dabei dienen können.“
Die Rödelheimer Buch- und Papierhändler Görisch, Seibel und Walther haben sich schriftlich verpflichtet, keine Schundliteratur zu führen.
e) Besuch der Theater. Der Besuch der Theater, öffentlichen Konzerte, Vorträge und Schaustellungen ist unsern Schülern nur gestattet, wenn sie in Be- gleitung eines ihrer Angehörigensind. Pertianer und Sekundaner dürfen — die Erlaubnis ihrer Eltern vorausgesetzt— eine Vorstellung nur dann allein besuchen, wenn sie die jedesmal vorher einzuholende Genehmigung des Unterzeichneten er- halten haben. Wir richten an die geehrten Eltern die dringende Bitte, ihre Söhne nur in solche Vorführungen mitzunehmen, die ihnen die Gewähr bieten, daß sie für die Jungen geeignet sind. In einer Verfügung vom 8. März 1912 warnt der Herr Minister besonders vor dem Besuch ungeeigneter Vorstellungen in Kinemato graphentheatern:
„Die Kinematographentheater haben neuerdings nicht nur in den Großstädten, sondern auch in kleineren Orten eine solche Verbreitung gefunden, daß schon in dem hierdurch veranlaßten übermäßigen Besuche solcher Veranstaltungen, durch den die Jugend vielfach zu leichtfertigen Ausgaben und zu einem längeren Verweilen in gesundheitlich unzureichenden Räumen verleitet wird, eine schwere Gefahr für Körper und Geist der Kinder zu befürchten ist. Vor allem aber wirken viele dieser Lichtbildbühnen auf das sittliche Empfinden dadurch schä- digend ein, daß sie unpassende und grauenvolle Szenen vorführen, die die Sinne erregen, die Phantasie ungünstig beeinflussen und deren Anblick daher auf das empfängliche Gemüt der Jugend ebenso vergiftend einwirkt wie die Schmutz- und Schundliteratur. Das Gefühl für das Gute und Böse, für das Schickliche und Gemeine muß sich durch derartige Darstellungen ver- wirren; und manches unverdorbene kindliche Gemüt gerät hierdurch in Gefahr, auf Abwegegelenkt zu werden. Aber auch das ästhetische Empfinden der Jugend wird auf diese Weise verdorben; die Sinne gewöhnen sich an starke, nervenerregende Eindrücke, und die Freude an ruhiger Betrachtung guter künstlerischer Darstellungen geht verloren.“
5. Privatunterricht. Die werten Eltern und ihre Stellvertreter werden dringend ge- beten, mit aller Kruft darauf hinzuarbeiten, daß ihre Söhne und Pfleglinge von Anfang an gewissenhaft ihre Pflicht erfüllen. Mangelhafte Leistungen im Winter- halbjahr erklären sich meist durch Flüchtigkeit und Trägheit zu Beginn des Schuljahres. Wer seine Zeit in der richtigen Weise ausnutzt, das ganze Jahr hindurch ernst und ge- wissenhaft die Hausarbeiten erledigt und in der Klassé stets aufmerksam bei der Sache ist, bedarf bei normaler Begabung keiner Privatstunden. Nachhilfe


