Jahrgang 
1913
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Die geehrten Eltern werden gebeten, etwaige Klagen der Schüler über die Schule oder über ihre Lehrer höchst vorsichtig aufzunehmen und in jedem Falle, wo sie Bedenken über Dinge hegen, die sich nach den meist parteisch getrübten Berichten der Kinder in der Schule ereignet haben sollen, sich erst beim Klassenleiter oder beim Unterzeichneten nach dem wahren Sachverhalt zu erkundigen, ehe sie urteilen.

Während der Pausen ist es uns nicht möglich, die Eltern oder deren Stell- vertreter zu empfangen. Auch müssen wir es ablehnen, in den letzten vier Wochen vor Beginn der Osterferien über das voraussichtliche Endergebnis des Schuljahres noch Auskunft zu geben.

b) Häusliche Kontrolle der Arbeiten. Die Eltern werden in ihrem eigenen Interesse dringend gebeten, durch stete und sorgsame Beaufsichtigung der Schüler bei ihren häuslichen Arbeiten die Lehrer in ihren Bemühungen zu unterstützen. Sämtliche Schüler haben ein Aufgabenbuch zu führen, in das von den betreffenden Lehrern die Aufgaben für jede Stunde bis einschl. Quarta aufwärts unter gleichzeitigem Anschreiben an die Tafel diktiert werden, so daß die Angehörigen unserer Schüler die Aufgaben für jeden Schultag an der Hand des Aufgabenbuches kontrollieren können. Auf sorgfältiges Eintragen der Aufgaben seitens der Schüler wird von den Lehrern be- sonderer Wert gelegt.

Es empfiehlt sich, die Schüler nicht nur zur gewissenhaften Erledigung der münd- lichen Aufgaben anzuhalten, sondern auch darauf zu achten, daß die schriftlichen häuslichen Arbeiten ordentlich und sorgfältig angefertigt werden. Ist eine Hausarbeit schlecht geschrieben, so wollen die Eltern die Arbeit noch einmal anfertigen lassen.

c) Tageseinteilung. Die häusliche Kontrolle ist am leichtesten durchzuführen, wenn der Schüler zu Hause gezwungen wird, bestimmte Arbeitszeiten innezu halten und sich so an eine feste Tageseinteilung zu gewöhnen. Die geehrten Eltern mögen besonders darauf achten, daß die Schüler ihre Hausarbeiten gleichmäßig auf die einzelnen Tage verteilen und das längere Zeit vorher Aufgegebene nicht erst am letzten Tage erledigen. Für Schüler mittlerer Begabung betrage die Zeitdauer der täglichen häuslichen Arbeit in VI etwa l Stunde, in V bis zu 1 ½ Stunde, in IV und U. III bis zu 2 Stunden, in O. IIl und U. Il bis zu 2 ½ Stunden.

Man sorge auch dafür, daß die Schüler nie sofort nach dem Unterricht oder nach dem Mittagessen die Schularbeiten machen und daß sie abends zeitig zu Bett gehen, damit sie den Aufgaben des nächsten Morgens gewachsen sind. Kinder bis zu 10 Jahren sollen spätestens um 8 Uhr, solche bis zu 15 Jahren zwischen 9 und 10 Uhr schlafen gehen.

Die Schüler dürfen nicht zu spät aufstehen, damit sie in Ruhe ihr erstes Frühstück verzehren können und den Schulweg nicht im Laufschritt zurücklegen müssen. Anderseits ersuchen wir die geehrten Eltern, die Schüler, namentlich die jüngeren, nicht frühner den Schulweg antreten zu lassen, als zum pünktlichen Eintreffen nötig ist.

d) Häusliche Lektüre der Schüler. An die Eltern richten wir die herz- liche Bitte, die häusliche Lektüre ihrer Söhne ernstlich und sorgfältig zu überwachen und nicht zu dulden, daß sie schlechte Bücher lesen. Um die Schüler vor jenen billigen Schundheftchen mit ihren nervenaufregenden Räuber- und Detektivgeschichten oder sittlich anstößigen Erzählungen, die Gemüt und Phantasie der Kinder vergiften, zu bewahren, raten wir dringend, streng darauf zu achten, daß sie in ihren Mußestunden nach ge wissenhaft beendeter Arbeit möglichst nur solche Bücher lesen, die unserer neu- eingerichteten, reichhaltigen Schülerbücherei(vergl. S. 27-28 des Berichtes) entnommen sind. Beabsichtigen die Eltern, ihren Söhnen Bücher zu schenken, so empfiehlt es sich, vorher mit einem der Lehrer oder dem Unterzeichneten Rücksprache zu nehmen.

Der Herr Minister der geistlichen und Unterrichts-Angelegenheiten fordert in einem Schreiben vom 21. Sept. 1912 die Eltern auf, die Schule im Kampfe gegen die Schund- literatur tatkräftig zu unterstützen: