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Zum Schluß ſei noch der Opfer gedacht, die der Krieg unſerem Lehrkörper und den Familien unſerer Schülerinnen zugefügt hat.
Gefallen ſind auf dem Felde der Ehre: Ein Bruder unſerer Oberlehrerin Frl. Welter bei Soiſſons, ein Schwager der Frl. Dr. Geering(Dr. Windiſch) bei Arras.
Die Schülerinnen Ruth Wigand in S. I, Lena Lehr in S. II, Mathilde Schott und Helene Fehler in Ib, Helene Bienert in IIb haben je einen, Wilhelmine Bethge in IIIb gar zwei Brüder auf dem Schlachtfeld oder an den Folgen von Verwundungen verloren. Ein Bruder der Frl. Mathilde Bromm in S. I wird ſeit langem vermißt.
— Ein Bruder der Lehrerin Frl. Bruniſch und ein Bruder der Schülerin Maria Detig in la ſind ſchwer verwundet, gehen aber, der erſtere leider nach Verluſt eines Beines, ihrer Geneſung entgegen.
Wir alle haben den herzlichſten Anteil an dem ſchweren Schmerz der betroffenen Familien empfunden und hoffen von Herzen, daß die noch draußen ſtehenden wohlbehalten nach Hauſe zurückkehren und uns einen ſicheren und ehrenvollen Frieden heimbringen.
Übungsſchule. Am 21. April 1914 nahm das Schuljahr ſeinen Anfang mit der Aufnahme von 38 Kindern in die 8. Klaſſe. In allen Klaſſen der Übungsſchule haben ſich 42 Seminariſtinnen mit dreimaligem Wechſel im Jahr im Unterrichten geübt. In den zwei erſten Kriegsmonaten unterrichteten ſie in den ſtädtiſchen Bürgerſchulen.
Von den Lehrern an der Übungsſchule waren in ihrer Berufsarbeit wegen längerer Krankheit verhindert: Herr Hoffmann vom 27. April bis 22. Mai. Herr Lehr wurde am 16. Oktober zur Fahne gerufen, trat aber am 21. Februar wieder ein, nachdem er von einer Erkrankung, die ihn in der Ausübung ſeiner Militärpflicht gehindert hatte, geneſen war. Am Anfang des Krieges hat Frau Helene Kahn, eine frühere Schülerin der Anſtalt, einige Tage vertretend ausgeholfen; für ihre Bereitwilligkeit ſei ihr auch hier gedankt.
Der Geſundheitszuſtand der Übungsſchule war gut. Für Herrn Dr. Haus, unſern Schularzt, der auch im Felde ſteht, trat Herr Dr. Karl Grünwald ein. Der große Krieg warf ſeine Schatten wie ſein Licht auch in unſere Schule. Bis zum 1. Februar 1915 ſtanden 82 Väter und 53 Brüder unſerer 316 Schüler vor dem Feind; mehrere ſind verwundet. Durch den Krieg erlitt der Haushaltungs⸗ unterricht eine Unterbrechung von den Sommer⸗ bis zu den Herbſtferien, nach deren Schluß er unter der Leitung von Fräulein Hammacher wieder begann, das Baden im Main konnte während des ganzen Sommers fortgeſetzt werden.
Mit großem Eifer haben die Kinder aller Klaſſen ſich an der Herſtellung und Sammlung von Liebesgaben aller Art beteiligt. Nie iſt in der Schule mit ſolchem Eifer geſtrickt, genäht und gezupft worden. Die Freude an dieſer Arbeit, aber auch mancher herzliche Dank aus dem Felde war den Kindern „Lohn, der reichlich lohnet“. Die großen Siege und alle wichtigen Fortſchritte unſerer tapferen Heere im Weſten und Oſten wurden ſowohl in Geſamtfeiern der Anſtalt als auch im fortlaufenden Unterricht gewürdigt.
Das im vorigen Jahre gefeierte Holzhauſenfeſt, ein Schulfeſt, das einer hochherzigen Stiftung des Freiherrn von Holzhauſen zur geiſtigen und körperlichen Förderung der Jugend im Norden der Stadt Urſprung und Namen verdankt, fiel wegen des Krieges diesmal aus. An ſeine Stelle trat, durch eine beſondere Kriegsgabe des genannten Wohltäters ermöglicht, eine Weihnachtsbeſcherung(in der Schwarzburgſchule) für bedürftige Kinder, deren Väter im Felde ſtehen. Dem geehrten Menſchenfreund ſagen wir auch im Namen aller Beſchenkten herzlichen Dank für ſeine reiche Gabe. Gleichen Dank ſchulden wir dem Verein für Beſchaffung warmen Frühſtücks für bedürftige Kinder, der trotz der Ernährungs⸗ ſchwierigkeiten unſeres Volkes während des Krieges Milch und Brot für 61 Kinder geliefert hat. Endlich danken wir allen ſtillen Gebern für Geld⸗ und andere Gaben, auch den Eltern und anderen Perſonen, die zu Liebesgaben für das Heer ihr Teil beigetragen haben. Mögen all die Opfer unſerm Volk und Vaterlande reichen Segen bringen!
Der Kindergarten. Leiterin: Fräulein Emma Vöhl, Gehilfin: Fräulein Adelheid Schäfer. Nach Ausbruch des Krieges wurden alle Kinder aufgenommen, für die die Notwendigkeit, den Kinder⸗ garten zu beſuchen, erwieſen war; dadurch ſtieg die Zahl der Kinder von 72 auf 86. Der Geſundheits⸗ zuſtand war gut.
Den Beſitzern und Meiſtern der beſuchten Geſchäfte(Geflügelhof des Herrn Otto Minner, Eierladen des Herrn Franz Hermes, Uhrenladen des Herrn Leuchs, Seifen⸗ und Lichterladen des Herrn Kuraſch) ſei hier nochmals herzlich gedankt.


