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Bei dieſer ſchweren Arbeit des Ausbaues unſeres Oberlyzeums und der Überleitung in die neuen, durch die Auguſt⸗Verfügungen von 1908 umgeſtalteten Verhältniſſe hat Herr Provinzialſchulrat Dr. Borbein mit Rat und Tat uns ſeine ſachkundige Hilfe geliehen, und wir fühlen uns dieſem treuen Berater und Vertreter, der mit dem Schluß dieſes Schuljahres in ſeinen neuen Wirkungskreis in Berlin übertritt, zu lebhafter Dankbarkeit verpflichtet.
In der Arbeit unſerer Lehrerſchaft traten verſchiedene zum Teil recht unwillkommene Störungen ein. Zunächſt beſuchte der Direktor auf Anregung des Königlichen Provinzial⸗Schulkollegiums am 5.—12. Mai die Königlichen Oberlyzeen Kaiſerin Auguſta⸗Schule und Eliſabethenſchule in Berlin und das Königliche Lehrerſeminar in Spandau.
Für die dort ihm gewährten Einblicke fühlt er ſich den Direktoren Herren Dr. Leuſchau und Kannegießer ſowie den Herren Konrektoren Biaſtoch und Kanning, endlich auch Herrn Direktor Vorbrodt in Spandau zu herzlichem Dank verpflichtet.
Herr Konrektor Trusheim mußte zur Wiederherſtellung ſeiner Geſundheit am 28. Juni einen zweiwöchigen Urlaub erbitten. Vom 29. November bis Weihnachten mußte er ſich wegen eines Scharlach⸗ falles in ſeiner Familie der Schule fernhalten.
Einen Urlaub zu einem Studienaufenthalt in Frankreich erhielt Fräulein Vincenz, den ſie mit den Sommerferien verband. Gleich nach ihrer Rückkehr erkrankte ſie infolge eines Unfalles und konnte ihren Dienſt erſt am 15. Oktober, anfangs mit Erleichterung der Zahl der Stunden wie der Korrekturen, wieder übernehmen.
Im Anſchluß an die Herbſtferien erbat ſich die Oberlehrerin Fräulein Barth acht Tage Urlaub, um einen Ferienaufenthalt in Italien beſſer ausnützen zu können.
Am 22. Januar dieſes Jahres erkrankte Herr Oberlehrer Dr. Schwartze ſo bedenklich, daß er einige Wochen vor der Prüfung ſeinen Unterricht ausſetzen und ſich nach der mündlichen Prüfung, an der er ſich noch als Kranker mühſam beteiligen konnte, zur Erholung auf den Schwarzwald begeben mußte, von dem er erſt am Schluß des Schuljahres, wie wir alle von Herzen hoffen, völlig hergeſtellt zurück⸗ kehren wird.
Die Schülerinnen beſuchten eifrig die von der Neuſprachlichen Vereinigung veranſtalteten Vorträge. Für eine einzelne Klaſſe hielt Madame Jouvet einen franzöſiſchen Vortrag.
Einen deutſchen Vortrag hielt am 15. Auguſt der uns von früher wohlbekannte Rezitator Kremershoff, der bald nachher im fernen Oſten, bei Schneidemühl, ein bedauernswertes Ende gefunden hat. Wir werden dieſem liebenswürdigen, ideal gerichteten greiſen Künſtler ein freundliches Andenken bewahren.
Die beiden Seminarklaſſen wohnten einigen Vorträgen des Volkshohſchultages bei, der am 20. April und den folgenden Tagen ſtattfand.
Beſucht wurden ferner: der Zoologiſche Garten, Havemanns Tierſchule, der Kunſtverein.
Die Ausſtellung der Biologiſchen Geſellſchaft für Aquarien und Terrarien beſuchten die III. und II. Klaſſe unter Leitung der Oberlehrerin Fräulein Welter und des Herrn Oberlehrers König.
Einer Aufführung der Akademiſchen Geſellſchaft für Dramatik in Heidelberg(Kaſperltheater) wohnten ſämtliche Klaſſen des Oberlyzeums und der Übungsſchule in unſerem Feſtſaal bei.
Anläßlich des Kaiſerbeſuches(18. Auguſt) in Frankfurt beteiligten ſich auch die Schülerinnen des Oberlyzeums und der Übungsſchule an der Spalierbildung.
Der Ausflug nach Marburg führte die Klaſſe IIb auch in die Kunſttöpferei Schneider, deren Inhaber die Schülerinnen mit großer Sachkunde in die Geſchichte der Töpferei einführte.
Endlich beſuchte die Klaſſe SlI mit der Oberlehrerin Fräulein Barth am 5. und 6. September nochmals die Ausſtellung in Darmſtadt und von dort aus die Odenwaldſchule in Oberhambach. Unter Leitung des Herrn Direktors Dr. Geheeb und ſeiner Mitarbeiter beobachteten die Schülerinnen den ganzen Betrieb dieſer aufblühenden Schule und waren dann Gäſte in der Familie des Direktors, dem auch an dieſer Stelle herzlicher Dank und die beſten Wünſche für das Gedeihen ſeines Unternehmens ausgeſprochen ſei.
Unſere Kaiſerfeier wurde am Vorabend(Samſtag) abends begangen. Sie beſtand in der Vorführung von Lichtbildern, in denen Verlauf und Höhepunkte der Freiheitskriege dargeſtellt und durch von den Schuͤlerinnen vorgetragene Geſänge und Gedichte erläutert wurden.


