14
Vom 7. Januar 1912. Miniſterial⸗Verfügung. Um der Notlage der deutſchen Mädchen in Frank⸗ reich zu begegnen, wird
1. der Notadreſſenbüchlein des Internationalen Verbandes der„Freundinnen junger Mädchen“,
2. das von dem„Marianiſchen Mädchenſchutz⸗Verein“ herausgegebene, im
beſonderen für katholiſche deutſche Mädchen beſtimmte„Führer“ empfohlen.
B. Städliſche Behörden.
Das Städtiſche Elektrizitäts⸗ und Bahnamt erſucht, die Schulkinder von Zeit zu Zeit durch ihre Lehrer auf die Gefahren aufmerkſam zu machen, denen ſie ſich ausſetzen, wenn ſie ſich auf die Trittbretter der linken Seite der Straßenbahnwagen ſtellen oder kurz vor den Straßen⸗ bahnzügen noch über die Geleiſe laufen, ein Unfug, der beſonders häufig in der Karnevalszeit beobachtet wird.
III. Zur Geſchichte der Schule.
1. Das Oberlgzeum. Das Schuljahr begann am 15. April morgens 9 Uhr mit der Einweiſung der für die Übungsſchule angemeldeten Kinder. Am 16. folgte die feierliche Aufnahme der neuen Schülerinnen des Oberlyzeums; dabei wie in der hieran ſich anſchließenden erſten Beratung wurden die neu ernannten Lehrkräfte vorgeſtellt und begrüßt: Herr Oberlehrer Jakob König vom Ober⸗ lyzeum in Aachen, die Oberlehrerin Fräulein Welter, Herr Lehrer Wollſtädter und die Techniſche Lehrerin Fräulein Luiſe Bruniſch.
Mit dem Schluß des Schuljahrs 1911 war Lehrer Karl Rühle aus dem Verband unſerer Anſtalt ausgeſchieden, um als Rektor die Leitung der Eckenheimer Bürgerſchule zu übernehmen. Mit Herrn Rühle hat unſere Schule einen ihrer bewährteſten und treuſten Lehrer verloren. Im Herbſt 1908 von der Eliſabethenſchule an das neue„Seminar“ übertretend, verwaltete er hier die Hälfte des mathematiſch⸗ naturwiſſenſchaftlichen ſowie einen Teil des erdkundlichen Unterrichts und war an der praktiſchen Ausbildung der Schülerinnen in ausgiebigem Maße beteiligt. War ſein wiſſenſchaftlicher Unterricht von reichem Wiſſen und einem ganz außergewöhnlichen Lehrgeſchick getragen, ſo bekundeten ſeine Lehranweiſungen den ſicheren Blick und das zielbewußte Urteil des erfahrenen, mit Liebe und Begeiſterung für ſeine Lebensaufgabe er⸗ füllten Schulmanns. Wir alle haben in Rühle einen zuverläſſigen, alle Zeit hilfsbereiten Mitarbeiter, die Schülerinnen einen großangelegten Erzieher, einen väterlichen Freund gehabt, den ſie ſo wenig wie ſeine Amtsgenoſſen vergeſſen werden.
An ſeinen Platz trat neben Oberlehrer König, der die neugeſchaffene Oberlehrerſtelle übernahm (Jahresbericht 1911 S. 11), die Oberlehrerin Frl. Emma Welter, die aus ihrer kommiſſariſchen Ver⸗ wendung am Oberlyzeum in Poſen in die Oberlehrerinnenſtelle gerufen und am 20. Mai vereidigt wurde.
Herr Provinzialſchulrat Dr. Borbein unterzog am 1. und 2. November die Anſtalt einer Beſichtigung, die er am 12. Dezember in Gemeinſchaft mit Herrn Stadtrat Dr. Ziehen und Herrn Stadtſchulrat Dr. Lüngen bezüglich der Unterrichtsübungen in der Übungsſchule fortſetzte.
Die durch die vorjährige Verfügung genehmigte Einrichtung der Unterrichtsübungen in beiden Seminarklaſſen, wonach je zwei Stunden in jeder Klaſſe von akademiſch und von ſeminariſch gebildeten Lehrern erteilt wurden, hat ſich auf das Beſte bewährt.
Für die Zukunft werden wir dafür Sorge tragen, daß der Unterricht in Schulkunde und Methode nach Möglichkeit mit den Anweiſungen in dieſelbe Hand gelangt, wie denn überhaupt die ganze Einrichtung des Unterrichts in den Seminarklaſſen durch Verſuche und Erfahrungen erſt in die richtige Bahn geleitet werden kann.


