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Wünſche baldiger Geneſung auf ſein Krankenlager ſenden; ferner aber an die bisherigen Leiter und Lehrer des Seminars, deren langjähriger Arbeit der heutige Stand und das Anſehen der Anſtalt zu danken iſt; endlich an den Erbauer des Hauſes, den Herrn Bauinſpektor, jetzt Baurat, Reinicke, der ſeine Aufgabe mit bewundernswertem Geſchick und ſorgfältiger Rückſichtnahme auf Bedürfniſſe und Wünſche der Schule gelöſt hat, und an ſeine unermüdlichen Helfer, die Architekten Bauführer Löſſel und Schilling), und führte aus, wie bedeutſam ein Lehrerinnen⸗Seminar an der Bildung unſeres Volkes zu wirken berufen ſei, ſofern eine ehrlich und ſelbſtändig erworbene Bildung, die im Gefühl der Freiheit und der mit ihr verſchwiſterten Verantwortlichkeit gepflegt wird, die ſicherſte Bürgſchaft für die Zukunft unſeres Vaterlandes gewähre.
An die Feier, an der u. a. auch Vertreter der Regierung in Wiesbaden, der ſtädtiſchen Kollegien, der Lehrkörper der Eliſabethenſchule, die Direktoren der höheren Schulen, Vertreter der ſtädtiſchen Rektoren und der Vereine hieſiger Lehrer und Lehrerinnen teilnahmen, reihte ſich eine Beſichtigung des Hauſes und ſeiner muſtergiltigen Einrichtungen.
B. Einige Räume haben gleich bei der Einweihung ihre Feuerprobe abzulegen gehabt: vor allem der Feſtſaal und ſeine Bühne, auf der am Abend des Feſttages neben der Plauderei Müller⸗ Palleskes„Bei Frau Rat“, von Schülerinnen der Eliſabethenſchule aufgeführt, ein von Kurd Laßwitz auf eine ähnliche Gelegenheit gedichtetes Feſtſpiel zur Darſtellung kam. Um die Vorbereitung hatten ſich die Oberlehrerin an der Eliſabethenſchule Fräulein Vincenz und Herr Zeichenlehrer E. J. Müller verdient gemacht, während die techniſche Leitung der Aufführung in der Hand der Fräulein Klinkhammer lag. Bei den muſikaliſchen Darbietungen wirkten auch zwei ehemalige Schülerinnen der Eliſabethenſchule und des Seminars, Fräulein Hefermehl und Fräulein Schlau mit; aus den Vorträgen der Schülerinnen heben wir M. Jordans tiefe Dichtung:„Auf dem alten Friedhof zu Frankfurt a. M.“ hervor.
Auch bei der Aufführung unſeres Uinterfeſtſpieles, das unſer Kollege Müller verfaßt und unter der Mitarbeit des Herrn Süß mit unermüdlicher Geduld den Schülerinnen des Seminars und der übungsſchule eingeübt hat(Aufführung am 21. unt 22. Dezember), haben ſich Feſtſaal, Bühne und Muſikräume trefflich bewährt.
Das Gleiche können wir von allen Teilen unſeres Hauſes ſagen: Feſt-, Verwaltungs⸗ und Lehrräume ſowie die Treppenhäuſer und Flure ſind zweckmäßig und ſchön eingerichtet und ausgeſtattet; durch ihre Farben und Abmeſſungen verleihen ſie das Gefühl ſtiller behaglicher Freude, die für das Ge⸗ lingen unſerer Obliegenheiten ſo wertvoll iſt.
C. Am 14 Oktober begann der Unterricht mit fünf Abteilungen des Seminars und drei Klaſſen, den unterſten, der Übungsſchule. Nicht ſelten hatten wir Beſuch von auswärtigen Lehrern und Lehrerinnen, die unſer Schulhaus und unſern Eimalwen kennen lernen wollten, je einmal den Vortrag eines naturwiſſenſchaftlichen Wanderlehrers und eine winterliche Märchenſtunde(27. November), worin die Schriftſtellerin Frau Lotta Girgenſohn unſern kleinen Übungsſchülerinnen in Gegenwart der Seminariſtinnen ſelbſterfundene, zum Teil improviſierte Märchen erzählte, deren Inhalt die Kinder noch eine Woche ſpäter wiederzuerzählen wußten.
Gerne haben wir unſere für Lehrer wie Schülerinnen anſtrengende Arbeit durch Ausflüge unter⸗ brochen. So war die Klaſſe I am 21., 22. und 23. Oktober mit Fräulein Barth und Fräulein Pfeifer ſowie dem Unterzeichneten in Eiſenach und Weimar: ein Ausflug, der ſeit Jahren ſorgſam vor⸗ bereitet und an unvergeßlichen Eindrücken reich geweſen iſt.
Am 30. Oktober veranſtaltete unſer Seminar gemeinſam mit dem Ausſchuß für Volksvorleſungen eine Frau Rat⸗Feier in der Stadthalle.
Bei der Kaiſerfeier, die in ſchlichtem Rahmen gehalten wurde, hielt Herr Oberlehrer Dr. Buchegger die Feſtrede, die in kurzen, anſchaulichen Zügen das Werden und die Bedeutung unſeres Kaiſers, losgelöſt von den Erſcheinungen des Alltags, darſtellte.
Eine eigenartige Weihnachtsfeier bereiteten die Schülerinnen des Seminars ganz ſelbſtändig ihren kleinen Freundinnen in der Übungsſchule.
Ein Elternabend fand für die Eltern der Übungsſchulkinder um 12., ein zweiter am 19. Januar füir die Eltern der Seminarzöglinge ſtatt.
*) Nachträglich ſei noch unſerer Stadtgärtnerei gedacht, die ſich mit Eifer und Geſchmack der Be⸗ dürfniſſe der Schule angenommen hat.


