Jahrgang 
1909
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J. Geschichte der Anstalt.

A. Das Ziel langjähriger Wünſche und Beſtrebungen iſt erreicht: zu Beginn des Winter⸗ halbjahres konnte unſer neues Seminargebäucde eingeweiht, die Übungsſchule eröffnet werden.

Wohl koſtete es die ans Seminar übertretenden Lehrer und Lehrerinnen einen ſchweren Abſchied von der Eliſabethenſchule mit allem Lieben und Vertrauten, das ſie darin zurücklaſſen mußten, die Seminariſtinnen einen nicht minder ſchweren Abſchied von ihren zurückbleibenden Lehrern und Lehrerinnen. Zweiunddreißig Jahre hatten die beiden Unterrichtsanſtalten unter demſelben Dach und derſelben Leitung verlebt und waren ſo vielfach und innig miteinander verwachſen, daß die Trennung alle Beteiligten mit tiefer Wehmut erfüllen mußte.

Auf der Abſchiedsfeier vom 25. September fanden dieſe Empfindungen ihren vollen Ausdruck. Wie der Direktor auf der einen, ſo verliehen auf der andern Seite die Profeſſoren Dr. Froning namens der Lehrerſchaft der Eliſabethenſchule und Dr. Fritz Rehorn zugleich im Namen der Direktionsgehilfin Fräulein M. Klumpp, die mit ihm in den wohlverdienten Ruheſtand überging, den Empfindungen der ganzen Schulgemeinde aus dem Herzen kommende Worte, die gewiß noch lange nachgeklungen haben und für die fortdauernden freundſchaftlichen Beziehungen eine Bürgſchaft bieten.

Wir überlaſſen die Darſtellung der Geſchichte des Seminars im Sommerhalbjahr 1908 dem Jahresberichte der Eliſabethenſchule, die fachmäßige Beſchreibung des neuen Gebäudes dem ſtädtiſchen Hochbauamte(S. 14 ff. dieſes Berichtes).

So können wir den Jahresbericht gleich mit dem wichtigſten Ereignis des Jahres, dem Einzuge ins neue Heim beginnen.

Am 13. Oktober, nachmittags 3 ½ Uhr fand die Ueihefeier ſtatt. Der Vortrag eines Gedichtes durch eine Schülerin der oberſten Seminarklaſſe(Ida Weidenbuſch) bereitete ſie vor; Geſänge aller Klaſſen unter der Leitung unſeres Muſikmeiſters Herrn Süß gaben und vertieften die Stimmung. Dann übergab Herr Bürgermeiſter Grimm, deſſen umſichtiger und tatkräftiger Fürſorge das ganze Schulweſen der Stadt Frankfurt a. M. ſo viel verdankt und der auch Neubau und Organiſation des Seminars ſeit vielen Jahren betrieben und ſchließlich dem Gelingen zugeführt hat, der Anſtalt das ihr beſtimmte Haus mit ſeinen und der Stadtverwaltung Glückwünſchen, einen Blick rückwärts werfend auf die Bau⸗ geſchichte und die Arbeiten des innern Auf⸗- und Ausbaues, wobei er mit beſonders warmem Nachdruck ſeines fachmänniſchen Beraters, des Herrn Stadtſchulrates Dr. Lüngen gedachte. Der Vertreter des Königlichen Provinzialſchulkollegiums, Herr Geheimer Regierungsrat Dr. Otto, deſſen Sachkenntnis und Wohlwollen dem Seminar und ſeiner Ausgeſtaltung, insbeſondere auch ſeinen Lehrkräften, ſo manchen wertvollen Dienſt geleiſtet hat, entwickelte in gehaltreichen Ausführungen den Werdegang des Seminars und ſchilderte dem Direktor, dem er den von S. M. dem König ihm verliehenen Roten Adlerorden IV. Klaſſe überreichte, aus perſönlicher reicher Erfahrung Bedeutung und Wirkungskreis ſeines Amtes, in das er ihn einführte. So lag denn dem Unterzeichneten die ſchöne Pflicht ob, eine reiche Schuld des Dankes abzuſtatten: an S. M. den König, an die königlichen und ſtädtiſchen Schulbehörden, ſowie an Magiſtrat und Stadtverordnetenverſammlung, namentlich an Herrn Geh. Rat Dr. Otto, Herrn Bürger⸗ meiſter Grimm und ſeinen um das Seminar mit derſelben Anteilnahme beſorgten Nachfolger, Herrn Stadtrat Dr. Ziehen, und Herrn Stadiſchulrat Dr. Lüngen, dem die zeitgemäße Organiſation des Seminars ſeit vielen Jahren ein Herzensanliegen war, und dem wir auch an dieſer Stelle die herzlichſten