Jahrgang 
1909
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D. Leider hat der Tod zwei Mitglieder des Kuratoriums und der Prüfungskommiſſion uns entriſſen, die unſerem Seminar ſtets großes Wohlwollen und ſachkundige Förderung zugewandt haben: Herrn Ober⸗ konſiſtorialrat D. Ehlers, der am 7. Auguſt, und Herrn Stadtpfarrer Dr. Hilfrich, der am 7. März geſtorben iſt. Beiden Männern iſt in der Geſchichte des Seminars ein danlbares Andenken gtſichert.

Der Geſundheitsſtand der Lehrerſchaft wie der Schülerinnen war gut; nur einmal war eine Vertretung nötig, die Fräulein Johanna Aſtruk in dankenswerter Weiſe übernahm.

E. Mit dem kommenden Schuljahr treten die neuen Lehrpläne vom 18. Auguſt in Kraft. Wir haben ſie in einer Reihe von Sitzungen einer eingehenden Beratung unterzogen und freuen uns der bedeutſamen Fortſchritte, die ſie dem Seminarbetriebe bringen, und des Geiſtes zukunftreicher Entwicklung, der darin waltet.

Die neue Doppelklaſſe III a und b wird auf vier Jahrgänge eingerichtet ſein, und das ganze Seminar wird die Vorteile genießen, die dieſe Verlängerung der Ausbildungszeit und die Beſeitigung der eigentlich techniſchen Fächer mit ſich bringt.

Das Seminar wird fortan gemäß den neuen Beſtimmungen allmonatlich einen freien Tag haben, der zu ſelbſtgewählter und von der Schule unbeeinflußter Arbeit beſtimmt iſt; ebenſo beabſichtigen wir die von den neuen Beſtimmungen den weiblichen höheren Schulen anheimgeſtellte Einrichtung der Kurzſtunde einzuführen, damit den Schülerinnen eine ausreichende Mittagspauſe gewährt wird, wie ſie die Lage der Schule am Rande der Stadt nötig macht.

Übrigens verſetzt uns die Angliederung einer eigenen Übungsſchule, namentlich die Errichtung zweier weiteren Übungsklaſſen, die unſere ſtädtiſche Behörde unter Überwindung erheblicher Schwierigkeiten eingerichtet hat, in die erfreuliche Lage, die Nachmittage in beträchtlich größerem Umfang, als es bisher geſchehen konnte, ſchulfrei zu erhalten, ſo daß der Überbürdung unſerer Seminariſtinnen wirkſamer vorge⸗ beugt werden kann.

Die franzöſiſchen und engliſchen Unterrichts⸗UÜbungen finden an der Fürſtenberger Mittelſchule ſtatt, und es ſei Herrn Rektor Bardorff für ſein freundliches Entgegenkommen auch an dieſer Stelle aufrichtiger Dank ausgeſprochen.

Mit dem neuen Schuljahr wird das Seminar auch eine doppelte I. Klaſſe erhalten. Zur Bewältigung der Unterrichtsaufgaben werden die beiden Lehrer Eduard Joſeph Müller und Karl Rühle, die wir bisher mit der Eliſabethenſchule zu teilen hatten, ganz ans Seminar übertreten. An die Ubungsſchule ſind auf den gleichen Zeitpunkt drei Lehrkräfte verſetzt: Fräulein Ida Hilf und Herr Wilhelm Hoffmann von der Liebfrauenſchule, on der bislang unſere Unterrichts⸗Übungen ſtattfanden, und Fräulein Dr. Agnes Geering von der Petersſchule.

Endlich tritt zu Oſtern der Kindergarten ins Leben. Zur Leiterin iſt Fräulein Emma Vöhl, als ihre Gehilfin Fräulein Marianne Bode, beide vom Kindergarten des hieſigen Frauenvereins, ernannt. Fräulein Vöhl hat auch bereits an der Einrichtung ihrer künftigen Arbeitsräume mit großer Sachkenntnis und mit voller Hingebung teilgenommen.

F. Lehrerinnen⸗prüfungen. Die diesjährigen Prüfungen fanden ſtatt: für Sprachlehrerinnen am 31. März;. für Lehrerinnen an mittleren und höheren Mädchenſchulen vom 1. bis 3. April; für Handarbeitslehrerinnen am 9. April.

Meldungen zur Prüfung von Schulvorſteherinnen waren nicht eingelaufen.

Unter dem Vorſitz des Königlichen Kommiſſarius, des Herrn Provinzial⸗Schulrats Geheimrat Dr. Otto wurden 14 Sprachlehrerinnen geprüft, wovon eine die Prüfung nicht beſtand, eine zurücktrat. Das Zeugnis der Lehrbefähigung erhielten: für Franzöſiſch die Damen: Frl. Lucie Kayſer, Frl. Dora Krais, Frl. Irmgard Martens und Frl. Maria Mietinger; ſür Engliſch: Frl. Helene Chriſtmann; für Franzöſiſch und Engliſch die Damen: Frl. Lucie Hantzſch, Frl. Agnes Haupt, Frl. Emma Hermanny, Frl. Luiſe Rawitſcher, Frl. Hildegard Reinhardt und Frl. Katharine Schwab.