Jahrgang 
1930
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V. AUFSABBEN FUR DIE SCHRIFTLICHHE REIFEPRÜFUNG.

O la. Deutsch:

1. Merkmale des Naturalismus, nachgewiesen an einem charakteristischen literarischen Beispiel.

2. Welche geistigen Strömungen und wirtschaftlichen Wandlungen des letzten Jahrhunderts führen zum Gedanken des Welttfriedens?

3. Die natürlichen Grundlagen der deutschen Volkswirtschaft. 4. Gedanken zu Hindenburgs Mahnung, daß hoch über den Parteien das Vaterland stehen müsse.

Französisch: Tristan et Iseut(Nacherzählung, französisch vorgelesen).

Englisch: King John and the Abbot of Canterbury(Nacherzählung, englisch vorgelesen).

Mathematik: 1. Am 8. September 1927 ging die Sonne(5= 60 4) in Köln(= 500 56,3 1= 60 58) genau in der Ostrichtung

des Kompasses auf. Wie läßt sich hieraus die Größe der magnetischen Deklination in Köln errechnen, und um wieviel Uhr mitteleuropäischer Zeit geschah die Beobachtung, wenn an diesem Tage die Zeitgleichung= 1min. 50sec. War?

2. Durch den auf der positiven Seite der Abszissenachse gelegenen Brennpunkt einer Ellipse: 16 2+ 25y 2= 400 wird eine Sehne gezogen, welche die kleine Halbachse auf der negativen Seite der Ordinate halbiert. Man suche die Gleichung der Sehne und der zu ihr parallel gezogenen Tangenten, dann die Gleichung der im Berührungspunkt auf der Tangente errichteten Normalen, sowie die Gleichung des zur Sehne gehörigen Durchmessers und erläutere das Ganze durch eine Zeichnung.

3. Wie groß ist der Inhalt des den beiden Parabeln y2= 2 px und X2= 2py gemeinsamen Flächenstückes?

O lb. Deutsch:

1. Stadtfriede, Landfriede, Reichsfriede, Weltfriede. Ein Gang durch die Geschichte. 2. G. HauptmannsWeber und GalsworthysStrife. Zwei Arbeitskämpfe.

3. Wo erlebe ichMenschenbegegnung im Objekt(. Dessauer)?

4. In welcher Landschaft liegt Frankfurt?

Franzöõsisch: La légende de Vairé(Nacherzählung, französisch vorgelesen).

Englisch: The Modern Migration of Nations. Associations to a Map(freie Arbeit). Mathematik:

1. Wo hat die Sinuskurve ihre Wendetangenten, wie lauten ihre Gleichungen, und an welchen Stellen bilden die Tan⸗ genten der Kurve mit der positiven Richtung der X=Achse einen Winkel von 3007

2. Eine Ellipse und eine Hyperbel haben dieselbe Excentrizität e 8 und dieselbe halbe Nebenachse b= 6. a) Unter welchem Winkel schneiden sich die beiden Kurven? 4 b) Welcher Satz läßt sich demnach vermuten?

3. Welche mit der Sonne zusammenhängenden astronomischen Größen, die man direkt messen oder aus Tabellen ent⸗ nehmen kann, lassen sich zur Bestimmung eines Beobachtungsortes nach Länge und Breite benutzen, wenn das Datum des Beobachtungstages bekannt ist, und wie gestaltet sich die allgemeine Lösung der Xufgabe? Bei der Berechnung der geo- graphischen Länge sollen für die hierzu notwendigen Gröhen selbst gewählte, aber sich nicht widersprechende Zahlenwerte an⸗ genommen werden.

VI. DIE EINRICHTUNS DES KONSTLERISCHEN GNOD TECHNISCHEN GNTERRICHTS.

a] Zeichnen und Kunstunterrichf.

Der Unterricht strebte auf allen Stufen nach vorstellungsgemäßem Gestalten.

Im frühkindlichen Alter wurde der zu verarbeitende Stoff aus der dem Kinde eigenen phantasievollen Vorstellungswelt entnommen. Weitschweifende literarische Inhalte wurden möglichst vermieden. Die Themen wurden in knapper Form be- handelt, damit ihre mößlichst restlose Bewältigung stattfinden konnte. In gegebenen Fällen wurde die kindliche Vorstellung durch Natureindrücke bereichert, die jedoch nach den Gesetzen des kindlichen Gestaltungswillens umgeformt wurden.

Im heranreifenden Alter wurde der Naturform größere Wichtigkeit beigelegt. Es folgten Vorstellungszeichnungen nach Pflanzen und Tieren unter steter Beachtung ihrer wesenhaften Bedeutung. Bei den Zeichnungen wurde die Symbolik der Naturform in gestaltender Weise herausgearbeitet.

Zur Zeit wird in den größeren Städten der Vereinigten Staaten eine Wanderausstellung deutscher Jugendzeichnungen gezeigt, die von dem Direktor der Staatlichen Porzellanmanufaktur in Berlin zusammengestellt wurde und 56 Zeichnungen von Schülern unserer Anstalt enthält. Der Manchester Guardian brachte am 17. Januar eine ausführliche Besprechung über neue Wege im Zeichenunterricht an der Musterschule zu Frankfurt a. M. mit 6 größeren Reproduktionen von Schülerarbeiten.

In mehreren Führungen wurden die Bilder des Impressionismus und Expressionismus im Städelschen Institut eingehend behandelt, bei der Besprechung von Piperdrucken wurde die entwickelungsgeschichtliche Bedeutung Cézannes und van Goghs und ihrer Nachfolger erarbeitet.

Besonderes Gewicht wurde auf das Verständnis für den Gestaltungswillen neuzeitlicher Bau⸗, Raum⸗- und Möbelkunst gelegt,