Jahrgang 
1915
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und Gesangsvorträgen gedachte in einer Ansprache Herr Professor Dr. Pitschel zuerst aller Lehrer und Schüler unserer Schule, die ins Feld gezogen sind, und verlas dann Brieſe unseres Direktors aus Frankreich, der der Schule seine besten Weihnachtswünsche übermittelte und für die Liebesgaben der Schüler an die Truppen dankte. Dann feierte er Herrn Proſessor Dr. Reinhardt, der das Eiserne Kreuz l. und 2. Klasse erhielt und zum Major befördert wurde, und zum Schluß den Erfinder des 42 cm-Geschützes, Herrn Proſessor Dr. Fritz Rausenberger, einen alten Musterschüler, den Bruder unseres jetzt wieder bei uns tätigen, pensionierten Kollegen. Unter allgemeiner jubelnder Zustimmung wurde noch am selben Tage ein Glückwunsch- telegramm an Herrn Professor Dr. Rausenberger ab- gesandt. Tags darauf traf zur Freude unserer Schule ſolgendes Erwiderungstelegramm ein:Für das mir über- sandte Glückwunschtelegramm und die Weihnachtsgrüße spreche ich, hocherfreut über das mich sehr ehrende Ge- denken, den Lehrern, Schülern und Eltern der Muster- schule meinen aufrichtigsten Dank aus und erwidere die Grüße auls herzlichste. Ich gestatte mir, die Versicherung hinzuzufügen, daß ich jür die liebe Musterschule allzeit das Gefühl lebhaftester Dankbarkeit und treuer Anhäng- lichkeit bewahre. Prof. Dr. Fritz Rausenberger.

Die Weihnachtslerien dauerten vom 23. Dezember bis 5. Januar..

Am 6. Januar wurde eine Trauerſeier zu Ehren des Herrn Oberlehrers Dr. Gsell abgehalten. Am 22. Dezember war er seinen Wunden erlegen, die er im KRampl fürs Vaterland erhalten hatte. Wenn er auch nicht lange an unserer Anstalt tätig war, so hatte er doch auch in dieser kurzen Zeit durch sein ofſenes, gerades Wesen die Herzen aller für sich gewonnen.

Die Feier des Geburtstages S. M. unseres Kaisers und Königs wurde am 27. Januar abgehalten, und zwar bereits um 8 Uhr vormittags, damit den Schülern Ge- legenheit blieb, auch die Festgottesdienste zu besuchen. Gesang-, Orchester- und Gedichtvorträge wechselten ab. Der Festredner Herr Dr. AIb. Hofmann sprach über die Entwicklung des lenkbaren Luftschiffs, insbesondere in Deutschland. Dem Unterprimaner Karl Schellen- berg wurde ein Exemplar des Marine-Albums überreicht, das das Ministerium als Prämie übersandt hatte.

Am 19. Februar verschied nach schwerem Leiden in Marburg a. L. unser seit Ostern 1904 im Ruhestand lebender Kollege, Herr Professor Dr. Rudoll Neumann. 31 Jahre hat er an unserer Schule gewirkt. Sein wissen- schaftliches Streben, sein Verständnis für die Jugend und sein echt deutsches Wesen sichern ihm für alle Zeit ein treues Gedenken in den Herzen aller, die ihn kannten.

Am 5. März entschlief nach schwerem Leiden Herr Rektor Heinrich Hugo Müller, dessen wir auch in unserem Jahresbericht besonders gedenken, da er ein treuer Freund der Musterschule war, deren Geschichte er auf Grund eingehenden Studiums des historischen Archivs und des Schularchivs genau kannte. Insbesondere galten seine Forschungen dem Lützower und Pestalozzianer W. H. Ackermann, deren Ergebnisse er Herrn Seminar- direktor Dr. Barth in Auerbach i V. für sein im Ver- lage von B. G. Teubner erschienenes Werk:Der Lützower und Pestalozzianer W. H. Ackermann aus Kuerbach 1. V., Lehrer an der Musterschule in Frankfurt a. M. bereit- willig und uneigennützig zur Verfügung stellte. Das Lebensbild, das der selig Entschlaſene in einer zu Ehren Hckermanns veranstalteten Feier des Allgemeinen Lehrer- vereins von unserm alten Lehrer Ackermann entwarſ,

bewies, wie eingehend, gründlich und liebevoll er sich mit seinem Lieblingspädagogen und Vaterlandstreunde beschäftigt hatte.

Wir werden dem leider so früh abberufenen lieben Freunde ein ehrendes Andenken bewahren.

Am 22. Februar wurde die mündliche Reiſeprülung unserer Abiturienten unter Vorsitz des Herrn Prov.-Schul- rats, Geheimrat Dr. Kaiser und in Gegenwert des Stadtrats Professor Dr. Ziehen als Vertreter der städtischen Behörden abgehalten. 7 Schüler der Ii hatten sich zu der Prüfung gemeldet, 4 wurden von der mündlichen Prülung belreit, die übrigen 3 bestanden die Prüfung.

Am 22. Marz besichtigte die Schule die Schützen- gräben im Festhallengelände.

Am 24. Mäarz ſiel der Unterricht aus zur Belohnung für die Schüler wegen ihrer eifrigen Betätigung beim Sammeln von Gold für die Reichsbank.

Am 30. März wird am Vormittag eine Schulſeier abgehalten zu Ehren von Bismarcks hundertstem Geburts- tag. Die Festrede hält Prof. Dr. Weidemann.

Am 31. März wird an Stelle des einberufenen Herrn Prol. Dr. Flesch, der sich seit 10 Jahren dieser Aulgabe mit

roßer Hingabe gewidmet hatte, dessen Vertreter Herr anitätsrat Pr Buecheler vor den abgehenden Schülern der Ii, Ili, und II, und den Schülern der le einen Vortrag halten, um die nunmehr ins Leben hinaustretenden jungen Leute auf die schweren sittlichen Gefahren hinzuweisen, von den sie bedroht sind: Auch hier sei bereits Herrn Sanitätsrat Dr. Buecheler der herzlichste Dank unserer Schule auszusprechen..

Bei dem Bekanntwerden größerer Siege fiel in UÜber- einstimmung mit den übrigen höheren Schulen nach Abhaltung einer entsprechenden Feier der Unterricht aus

2. Besondere Veranstaltungen zur Förderung

unserer Schüler.

Am 24. April und 5. Mai besuchten die Schüler der Oberklassen die Aufführung der Londoner Shakespeare- Theater-Gesellschaft im Neuen Theater.

Am Nachmittag des 18. Mai besuchten ungeſähr 150 unserer Schüler in Begleitung mehrerer Lehrer die Flugmodell-Ausstellung auf dem Flagplatz, die an- läßlich des Prinz Heinrich-Fluges abgehalten wurde. Die Belörderung der Schüler auf den Flugplatz hatte in dankenswerter Weise der Musterschulverein übernommen.

Die Auslandsreise unserer Primaner während der Sommerferien ist bereits oben erwähnt.

Hm 2. Oktober unternahmen die Schüler der IIi und IIl unter Führung der Herren Professor Dr. Hülsen und Prolessor Dr. Neumann einen Ausſlug nach Seligen- stadt und Kahl zur Besichtigung der katholischen Kirche in Seligenstadt und der Zeche Gustav.

Huch hier sei nochmals lür die Erlaubnis zur Be- sichtigung der Zeche und für die lehrreiche Führung unser aller Dank ausgesprochen.

AIm 19. November besuchten unsere Oberprimaner mit Herrn Professor Dr. Neumann die Zuckerfabrik in Friedberg.

Am 26. November führte Herr Professor Dr. Hülsen die Schüler der III in das Städtische Archiv. Durch das bereitwillige Entgegenkommen des Herrn Direktors Dr. Jung war es ihm möglich, mit den Jungen eine größere Anzahl kostbarer Urkunden aus vergenderine Jahrhunderten zu besichtigen.