Jahrgang 
1915
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hätten. Um selben Tag erfreute uns durch seinen Besuch Herr Prof. Dr. Schilling von der Universität Berkeley, Calilornien. Da wir von unserem früheren Lehramts- assistenten Herrn C. H. Bell soviel(utes. über seinen Lehrer gehört hatten, war es uns eine um so größere Freude und Ehre, Herrn Prol. Dr. Schilling bei uns empfangen zu dürfen.

Am 20. und 21. Juni übernahmen Schüler der l im Huftrag des Deutschen Flottenvereins die Führung von 80 Marineunteroffizieren durch Frankfurt.

Am 3. Juli wurde in der fünften Stunde eine Schluß- ſeier in dem Festsaal der Schule abgehalten, und die Sommerferien begannen. Noch am selben Tag unternahm Herr Dr. Sander wieder mit 10 Schülern aus den beiden Primen eine Reise nach England. Wie in früheren Jahren wurden die Schüler in der ersten Woche durch Vermitt- lung von Herrn W. Koch, Lehrer am RKing's College in Wimbledon, in verschiedenen Familien von Eltern der King's-College-Schüler untergebracht und besichtigten unter sachkundiger Führung und in Begleitung vieler eng- lischer Freunde die Hauptsehenswürdigkeiten von London. Auch diesmal wurden verschiedene Festlichkeiten zu Ehren der Schüler veranstaltet, aus denen allen noch keinerlei Feindseligkeit herausklang. Im(egenteil konnten alle sich nur über die Herzlichkeit des Empfangs und der Aufnahme Ireuen. Nicht nur die gastfreie Schule, sondern auch große Vereine und deutschfreundliche Private wett⸗ eiferten, allen den Aulſenthalt so angenehm wie möglich zu machen. Am Schluß der Woche reisten unsere Schüler in verschiedene Teile Englands, wo sie den Rest ihrer Ferien möglichst nutzbringend verwendeten. Alle wurden durch die dem Kriegsausbruch vorangehenden Unruhen und Störungen empfindlich belästigt, und mehrere konnten nach dem 1. August nur mit Mühe und unter großen Schwierigkeiten zurückkommen. Erfreulicherweise sind jedoch alle wohlbehalten zurückgekehrt. Zwei andere Oberprimaner, die in der französischen Schweiz gewesen waren, kamen gleichfalls wieder glücklich heim.

b. Seit Ausbruch des Kriegs.

Als am 4. August nach den Ferien der Unterricht wieder begann, war der Krieg bereits ausgebrochen. Die Eröfinungsleier wurde daher gleichzeitig zu einer Ab- schiedsfeier für die ins Feld ziehenden RKRollegen Prol. Dr. Reinhardt und Oberlehrer Dr. Zickel. Oberlehrer Dr. H. Holmann und Herr Weigand waren bereits eingezogen. Unser Direktor Herr Gebeimrat Dr. Walter war als Oberleutnant in das Frankfurter Landsturm- Infanterie-Bataillon eingetreten. Mit diesem rückte er am 10. Oktober als Hauptmann aus. Zuerst ging die Fahrt nach L.üttich, dann nach kurzem Aufenthalt in Maubeuge nach Remancourt und hierauf nach St. OQuentin. Die Herren Prof. Bernhard und Prof. Dr. Qundel waren gleichfalls bereits militärisch beschälftigt, und zwar im Postdienst. Trotzdem gab Prof. Dr. Quͤndel noch bis zu den Ferbstierien seinen vollen Unterricht und einen Teil desselben auch noch bis kurz vor den Weihnachtsjerien. Am 16. Dezember wurde er dem Gelangenenlager in Wetzlar überwiesen. Auch Prol. Bernhard übernahm einen Teil seines Unterrichts von den Herbstierien bis zu den Weihnachtsſerien. Kußerdem waren zu Schulanſang bereits eingezogen die beiden Hilislehrer Dr. Protz und Weber. Dann wurde am 7. August unser Kollege Oppermann eingezogen. Als Freiwilliger wurde am 7. August der Probekandidat Herr Dr. Sauer einberufen, und als Feldprediger traten in den Heeresdienst am

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8. September Rabbiner Dr. Salzberger und am 12. Nov Kaplan Qersbach. So war denn schon in kurzer Zeit unser Kollegium sehr zusammen geschmolzen. Aber jeder- zeit meldeten sich immer wieder Damen und Herren, die gern bereit waren, sich mit ihrer ganzen Kraft unserer Schule zur Verfügung zu stellen. Zeitweilig waren bei uns beschäftigt: Fräulein Lucy Lielmann(4.§. 14 29. 9. 14), Fräulein C. Lorsch(4. 8. 14 29. 9. 14 und 5. 1. 15 16.1.15), Herr Dr. Mahr, Assistent an der Harvard-Universitat (4. 8. 14 bis zu seiner Einberufung 10. 2. 15), Kandidat Simon(4. 8. 14 bis zu seiner Abberufung an die Helm- holtz-Realschule 22. 10. 14), der Privatlehrer Herr Max Meyer(6. 11. 1423. 12. 14), der frühere Musterschüler Herr Scheurich(7.9. 14 21. 9. 14), der Probekandidat und Hiilſslehrer Herr Althofen(5. 1. 15 bis zu seiner Einberufung 23. 2. 15) und der stud. theol. Willy Völger (5 1. 15 bis zu seiner Einberufung 10. 1. 15). Noch jetzt stehen uns treu zur Seite seit dem 4. August: unser bereits pensionierter, jetzt wieder ehrenamtlich tätiger Kollege, Herr Prof. Dr. Rausenberger, Herr Hilfslehrer Dr Gros, Herr Privatdozent Prof. Dr. Hülsen, Herr Kapellmeister Dr. Rau und Frau Weigand, die Frau unseres im Felde stehenden Kollegen, die dessen Klasse übernommen hat. Ferner haben den Unterricht von einberufenen Kollegen übernommen: Rabbiner Dr. Seligmann seit 16. 10. 14. Kaplan Jörges seit 26 10. 14, Pfarrer Lauth seit 10. 1. 15 und Vicar Hövelmann seit 2.3. 15. Außerdem erteilen noch einige Stunden bei uns Herr Zeichenlehramtskandidat Sattler seit 23. 10. 14 und Hlerr Seminarkandidat Jung seit 9 11. 14. Allen den Damen und Herren, die so be. reitwillig und selbstlos ihre Kraft und Zeit unserer Jugend gewidmet haben, gebührt unser aufrichtigster Dank. Ihr echt deutsches Eintreten in Zeiten der Not wird immer unvergessen bleiben. 3

Aber auch unsere Schüler wetteiferten darin von Anfang an, sich überall, wo man ihre Dienste gebrauchen konnte, bereitwillig zur Verlügung zu stellen. Zur Ver- pflegung der durchkommenden Truppen meldeten sich gleich nach AHusbruch des Kriegs 60 Schüler unserer Oberklassen. Diese hatten in jeder Woche einmal an einem bestimmten Tag Dienst auf dem Bahnhof Franklurt- Süd und zwar in je 6 Schichten während 24 Stunden. Als die Truppentransporte seltener wurden, höõrte dieser Dienst auf. Dafür galt es jetzt, die durchkommenden Verwundeten zu pllegen. Hierbei beteiligten sich bis

zum 12. Januar 24 Schüler der Oberklassen gleichlalls

an einem bestimmten Tag der Woche während 24 Stunden in 4 Schichten. Als unsere Schüler hierzu nicht mehr benötigt wurden, begannen die Uebungen derJung- mannschaften, bei denen die Mehrzahl der älteren Schüler eintrat. jetzt gehören zu den Jungmannschaften 32 Schüler unserer Anstalt. Aber ebenso wie die größeren Schüler bestrebten sich auch die Schüler aller anderen Klassen, ihr Möglichstes zu leisten. Da in der ersten Zeit die verschiedensten Aemter zuverlässige Boten nötig hatten, hatten wir eine besondere Radlahrerabteilung ein- gerichtet. Während der Schulzeit regelte sich dieser Be- trieb von selbst. Während der Nachmittagsstunden aber mußten immer zwei Radſahrerposten in der Schule an- wesend sein, diese nahmen dann die telephonischen Kufträge entgegen, verteilten sie an ihre ameraden, die sich zu Hause bereit hielten, und erledigten sie ge- meinsam mit diesen, um dann wieder ihre Posten zu be- ziehen. In dieser Weise, aber auch noch anderweitig als Schreiber und dergl. waren unsere Schüler tätig jür: Bezirkskommando, Garnisonlazarett Bockenheim, Rhein-