Jahrgang 
1913
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Herr Justizrat Dr. Haeberlin zeigte auch dieses Jahr wieder den Abiturienten in sehr dankenswerter Weise seine wertvolle Münzsammlung.

Herr Prof. Dr. Neoumann und Herr Mehmel wanderten in den Herbstferien mit Schülern der III und IIIe durch den mittleren Teil des Schwarzwaldes. Ganz besonders ein- drucksvoll gestaltete sich hierbei ein Besuch der Uhrenfabrik in Gütenbach. Auf der Rück- reise wurde ein kurzer Abstecher in die Vogesen gemacht.

Herr Prof. Dr. Weidemann machte mit den Schülern der IIE einen geographischen Ausflug und besuchte mit der III? das Museum für Völkerkunde.

Herr Lehramtsassistent C. H. Bell unternahm mit seinen Schülern wiederholt Klassen- ausflüge in die nähere und weitere Umgebung Frankfurts.

3. Besichtigungen und Prüfungen.

Am 20. Februar 1913 wohnte Herr Geheimer Regierungsrat Dr. Kaiser dem Unter- richt der Kandidaten bei.

Die schriftliche Reifeprüfung dauerte vom 28. Januar bis 3. Februar, die mündliche Prüfung fand unter dem Vorsitze des Direktors und in Gegenwart des Vertreters des Kura- toriums, des Herrn Stadtrats Dr. Ziehen, am 27. und 28. Februar statt; von den 20 Abiturienten, die alle bestanden, wurden sieben von der mündlichen Prüfung befreit.

4. Gesundheitszustand; Persönliches.

Der Gesundheitszustand der Schüler war im allgemeinen günstig.

Der Gesundheitszustand im Lehrerkollegium war während des Winterhalbjahres besonders ungünstig, so daß leider vielfache Störungen im Unterrichtsbetrieb eintraten. Ab- gesehen von vielen kürzeren Erkrankungen fehlten für längere Zeit und z. T. wiederholt die Herren Professoren Bernhard, Dr. Bilger, Dr. Dick, Dr. Pitschel. Außerdem waren zu militärischen Dienstleistungen einberufen die Herren Oberlehrer Dr. Zickel und Dr. Hofmann, zu dem in Wannsee abgehaltenen Ruderkursus Herr Prof. Dr. Dick und zu dem in Köln abgehaltenen Kursus für Gesanglehrer Herr H. Weigand. Der Direktor beteiligte sich an dem 40. Lehrertage der Mitglieder des Nationalen Deutsch-Amerikanischen Lehrerbundes in Berlin, an deren Empfang in Frankfurt(29. bis 31. Juli) er mitgewirkt hatte, und hatte so die Freude, viele Damen und Herren wiederzusehen, die er kurz zuvor in den Vereinigten Staaten kennen gelernt hatte.

Am 8. Juni nahm der Direktor an der Beerdigung seines am 5. Juni verstorbenen Lehrers und Freundes, des Herrn Geheimrats Dr. Steinbart in Duisburg a. Rh., teil. Abgesehen von dem unauslöschlichen Dank, den der Berichterstatter seinem alten Lehrer und Freunde schuldet, hat der Verstorbene auch der Musterschule bei der Hundertjahrfeier 1903 eine Huldigung dar- gebracht, die wir nie vergessen und für die wir ihm eine dankbare Gesinnung auch über das Grab hinaus bewahren werden. Insbesondere schuldet aber das Realgymnasium ihm als dem bewährten Vorkämpfer für die Gleichberechtigung der höheren Lehranstalten unvergänglichen Dank. Diesem furchtlosen, mutigen, unentwegten Kämpfer haben wir es vor allen Dingen zu verdanken, daß wir das so lang erstrebte Ziel erreicht und damit dem Realgymnasium und der Oberrealschule freie Bahn für ihre Betätigung und Bewährung geschaffen haben. Sein Andenken wird unter uns in Ehren fortleben!

Kurz vor den Weihnachtsferien verbrachte der Direktor zehn Tage in Paris, um als Vertreter desAllgemeinen Deutschen Neuphilologenverbandes an der Hauptversammlung derAssociation des Professeurs des Langues vivantes in Paris teilzunehmen. Bei dieser Gelegenheit besuchte er auch einige höhere Schulen, an denen er sich von dem Fortschritt, den die direkte Methode im neusprachlichen Unterricht in den letzten Jahren gemacht hat, zu seiner großen Freude überzeugen konnte.