Jahrgang 
1913
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Für die erkrankten bezw. länger beurlaubten Kollegen traten folgende Herren ein: Pfarrer Groenhoff und Lic. theol. Pfarrer Lueken, die Herren wiss. Hilfslehrer Mehmel, Scheibe und Silomon, ferner die Herren Kandidaten Barth, Dr. Heyl, Olbrich und Weber. Allen Herren, die uns in diesem Jahre und insbesondere in dem an Krankheiten reichen Winterhalbjahr ihre Dienste in so bereitwilliger Weise zur Verfügung gestellt und dem Wohl der Schule ihre Kraft gewidmet haben, sei hiermit der herzlichste Dank ausge- sprochen. Den Herren Kandidaten und Hilfslehrern, die uns Ostern verlassen, wünschen wir fuͤr ihren ferneren Lebensweg alles Gute.

Am Schlusse der Chronik haben wir noch einen schweren Verlust im Lehrerkollegium zu verzeichnen: das Ableben unseres lieben Kollegen Herrn Prof. Dr. Heddaeus.

Herr Prof. Dr. Heddaeus war in den letzten Jahren leidend und öfters genötigt seinen Dienst auszusetzen. Mit der ihm eigenen Energie kämpfte er aber stets seine Schmerzen nieder und erschien, wenn es ihm nur irgendwie möglich war, in der ihm so lieben Schule, um im Unterricht selbst Zerstreuung und neue Frische und Kraft zu suchen. Sein Zustand verschlimmerte sich leider, und am 29. Mai 1912 wurde er von seinem Leiden erlöst.

Wir widmeten dem so früh von uns genommenen lieben Kollegen folgenden Nachruf: Nach schwerer Krankheit verstarb am 29. Mai in einem Alter von fast 51 Jahren unser lieber Kollege Herr Professor Dr. Heinrich Heddaeus. Unsrer Anstalt hat er als Oberlehrer seit Herbst 1894 angehört, nachdem er bereits Ostern 1886 in den höheren Schul- dienst getreten war und dreimal je ein halbes Jahr an der Musterschule als Hilflehrer ge- wirkt hatte.

In dem Heimgegangenen verlieren wir einen Amtsgenossen, der mit gediegenem Wissen auf dem Gebiet der Mathematik und Naturwissenschaften und unermüdlichem Streben, sich selbst weiterzubilden, eine ganz hervorragende Gabe verband, klar und anschaulich zu unterrichten und seine Schüler gründlichezu fördern.

Gerecht und wohlwollend zugleich hat er es verstanden, die Dankbarkeit seiner Schüler zu gewinnen.

Seinen Mitarbeitern war er ein lieber Freund: schlicht und einfach in seinem Wesen, lauter und ehrlich in seiner Gesinnung, aufrecht und zuverlässig in seinem Charakter, vor- bildlich in seiner Berufstreue und Pflichterfüllung; gewissenhaft hat er, schon erkrankt, seine Arbeit unter uns getan, bis seine Lebenskraft vor wenigen Wochen zusammenbrach.

Wir werden dem lieben Kollegen stets ein dankbares und ehrendes Gedenken bewahren.

Durch eine Trauerfeier in der Schule ehrten wir das Andenken an den verstorbenen Kollegen, und an dem Grabe gab der Direktor mit Worten treuen Gedenkens der Trauer des Lehrerkollegiums Ausdruck, in dessen Namen er eine Blumenspende niederlegte. Desgleichen wurden von den Schülern und dem Musterschulverein dem Entschlafenen Kranzspenden gewidmet.

Gegen Schluß der Sommerferien, am 5. August 1912, verschied in München der Unter- primaner Walther König nach kurzem, schwerem Leiden. Er war in Marquartstein, wo er mit den Eltern in der Sommerfrische weilte, infolge eines verhängnisvollen Sturzes schwer verletzt worden, so daß die Kunst der Arzte nur seine Schmerzen zu lindern vermochte, ohne das junge Leben erhalten zu können. Bei der Beisetzung in Wiesbaden war die Anstalt durch den Direktor und die Herren Professoren Dr. Reinhardt und Bernhard vertreten; auch einige seiner Mitschüler, die während der Ferien in Frankfurt weilten, sowie Mitglieder des Wandervogels gaben dem dahingeschiedenen Freunde das letzte Geleite. Der Direktor legte mit Worten innigen Beileids am Grabe des in der Fülle jugendlicher Kraft abberufenen lieben Schülers im Namen der Schule einen Kranz nieder. Nach Wiederbeginn des Unterrichts wurde eine besondere Versammlung in der Aula veranstaltet, bei welcher der Trauer der Anstalt und dem tiefen Mitgefühl für die schwergeprüften Eltern Ausdruck gegeben wurde. Wir werden des teuren Verstorbenen, der sich durch sein sonniges, frohes Wesen allgemeiner Liebe bei Lehrern und Mitschülern erfreute, stets in Treue gedenken. R. i. p.