Jahrgang 
1913
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15.

für die regelmässigen Nachrichten, die er uns von seiner langen, interessanten Weltreise zukommen liess, von der er vor kurzem glücklich heimgekehrt ist. Wir heissen ihn nun nach der Rückkehr herzlich willkommen und sind überzeugt, dass er uns auch weiterhin bei seinem regen Interesse für die Anstalt mit Rat und Tat unterstützen wird, wie er es seit seinem Abgang von der Schule andauernd getan hat.

Gleich freundschaftliche Beziehungen verbinden die Schule mit dem früheren französischen Lehramtsassistenten, Herrn Professor E. Chamoux, der von Ostern 1909 bis Ostern 1910 an der Musterschule tätig war und bei uns allen die angenehmsten Erinnerungen hinterlassen hat. Daher war die Freude gross, als er einen Teil seiner Ferien mit seiner Gattin in Frankfurt verlebte und während dieser Zeit ein regelmässiger Gast unserer Schule war. Wir verdanken ihm auch aus dieser Zeit wieder wertvolle Anregungen für die Förderung unseres französischen Unterrichts.

In diesem Schuljahr, das so viel ungünstiges Wetter bot, mußsten wir auf die Turn- fahrten und die Feier des Sedanfestes auf der Oberschweinstiege verzichten. Wir be- gnügten uns daher mit einer einfachen Sedanfeier in der Schule und ersetzten die Turnfahrt an einem schönen Wintertage durch Klassenausflüge in die nähere und weitere Umgebung Frankfurts. Das Maifest fand dagegen in der gewohnten Weise statt und bot den einzelnen Klassen, die unter Leitung ihrer Klassenlehrer teils in den Taunus, teils in den Odenwald oder Spessart wanderten, reiche Befriedigung. Die Oberprima und die Unterprima erfreuten sich diesmal an einer zweitägigen Wanderung, auf der die Klassenlehrer sie über Aschaffen- burg, Rohrbrunn, Wertheim, Stadtprozelten nach Miltenberg und am zweiten Tage über Michelstadt und Erbach i. O. heimwärts führten.

Am 23. Mai rüsteten sich die Schüler zur Bewillkommnung Seiner Majestät des Kaisers bei der Einweihung des Osthafens und der Grundsteinlegung des Neubaus der Alten Mainbrücke; Seine Majestät war indessen am Erscheinen im letzten Augenblick ver- hindert und stattete der Stadt Frankfurt erst am 19. August seinen Besuch ab. Hierbei holten nun die Schüler das Versäumte nach und erhielten Gelegenheit den Landesherrn bei der Spalierbildung oder als Teilnehmer an der Ruderboot-Auffahrt zu sehen und zu begrüßen.

Bei Beginn des zweiten Vierteljahrs feierten wir die 25jährige Tätigkeit des Herrn Professor Bernhard an der Musterschule. In der mit Blumen und Blattpflanzen geschmückten Aula vereinigten sich zu seiner Ehrung das Lehrerkollegium und sämtliche Schüler. Der Direktor feierte den Jubilar als hingebenden Lehrer und Erzieher, der den Schülern auch nach ihrer Schulzeit noch als tatkräftiger Berater und Helfer zur Seite stehe. Bei der Um- wandlung der Musterschule zum Reform-Realgymnasium, welche die Hinausschiebung des lateinischen Unterrichts nach Untertertia mit sich führte, hat sich Herr Professor Bernhard besonders große Verdienste um die Einrichtung des lateinischen Unterrichts im neuen Sinne erworben und die praktische Ausgestaltung des Reformplans erheblich gefördert. Wiederholte schwere Erkrankungen haben seiner Familie und der Schule große Sorgen bereitet, er ist aber stets mit neuer Schaffenskraft zur Schule zurückgekehrt. So wünschte er ihm denn von Herzen volle Gesundheit zu seiner weiteren Arbeit an der Musterschule.

Der Vorsitzende des Vereins für Ferienkolonien, Herr Rektor Preußer von der Lieb- frauenschule, begrüßte hierauf den Jubilar mit herzlichen Worten des Dankes für die um- fangreiche Arbeit, die er auch schon 25 Jahre den zahlreichen armen Kindern, die alljährlich zur Erholung aufs Land geschickt würden, voller Liebe und Hingabe zur guten Sache zuwende.

Der Jubilar gedachte in seiner Rede in dankerfüllten Worten des vorigen Direktors, des Herrn Geheimrats Dr. Eiselen, sowie aller Kollegen, mit denen er während der 25 Jahre zusammengearbeitet habe, und von denen heute nur noch Herr Professor Dr. Reinhardt und Herr Adolf Müller an gleicher Stelle mit ihm wirkten. Er ging auf die Geschichte der Schule, insbesondere ihre Umgestaltung zur Reformschule und die Erringung der Gleich- berechtigung mit den Gymnasien ein und wünschte, daß sich auch weiterhin der Geist treuer Pflichterfüllung und echter Kollegialität in der Musterschule lebendig erweisen möge.