Jahrgang 
1910
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4. Gesundheitszustand; Persönliches.

Der Gesundheitszustand der Schüler war bis auf die letzten Wochen des Schuljahres im allgemeinen recht günstig. Im Kollegium dagegen gab es öftere Störungen durch Er- krankungen, die für das neue Schuljahr sogar Beurlaubung bezw. Stundenherabsetzung mehrerer Herren notwendig machen. Leider hat sich Herr Professor Dr. Roemer noch nicht völlig von seiner schweren Erkrankung erholt, so daß Herr Oberlehrer Lorey ihn noch weiter vertreten wird. Wir wünschen von Herzen, daß Herr Professor Dr. Roemer seine Gesundheit bald wiedererlangen und seine Tätigkeit wiederaufnehmen könne. Für den seit Anfang Januar erkrankten Herrn Oberlehrer Dr. Neumann ist Herr Probekandidat Dr. Ortmann ein- getreten, dem wir bei seinem Übergang an die Realschule zu Kreuznach mit bestem Dank für die uns gewährte tatkraftige Unterstützung die besten Wünsche für seinen ferneren Lebens- weg aussprechen. Weiter habe ich den Herren Oberlehrer Dr. Fahz, Seminarkandidat Dr. Heinzerling und Dr. Jäger für zeitweilige Vertretungen unseren Dank zu sagen. Ein solecher gebührt auch den Herrn Zeichenlehrern Moldenhauer, Fay und Lautenschläger, die während des Studienurlaubs des Herrn W. Freund(Juli September) seinen Unterricht übernommen und mit Eifer und Interesse durchgeführt haben.(Herr Moldenhauer 18, Herr Fay 4, Herr Lautenschläger 2 Stunden.)

Ferner habe ich den besten Dank der Schule Herrn Rektor a. D. Herborn auszu- sprechen, der, angeregt dureh Herrn Professor Dr. Möbius, aus Interesse an dem der Schule s. Z. von Herrn Stadtrat C. Binding geschenkten wertvollen Baggeschen Herbarium zwei Winterhalbjahre zur Neuordnung und Katalogisierung desselben verwandt und dieser umfang- reichen Arbeit seine volle Mußezeit in uneigennützigster Weise gewidmet hat.

Ebenso schulden wir Dank Herrn Universitätsprofessor Dr. Marbe aus Würzburg und Herrn Privatdozenten Dr. Peters für die in mehreren Klassen angestellten Ermüdungsproben.

Neben den Vertretungen für zeitweilig erkrankte Lehrer haben die Herren Kollegen auch sehr viel Arbeit durch die Vorbereitungen für die Beschickung der Brüsseler Welt- ausstellung und die Beteiligung an der vom 11. 16. März im alten Senckenbergianum ab- gehaltenen Ausstellung für Knabenhandarbeiten gehabt, wofür allen Herren der wärmste Dank der Schule gebührt. Insbesondere gilt mein Dank Herrn Professor Dr. Rausenberger, der mich während meiner wiederholten Beurlaubung vertreten und mich in meinen Amts- geschäften stets gern unterstützt hat.

Nun habe ich noch zwei lieben Kollegen, die uns zu Ostern d. J. verlassen werden, ein Abschieds- und Dankeswort zuzurufen, nämlich Herrn G. Holz, der nach 4 jähriger, segens- reicher Arbeit an der Schule aus der Anstalt scheidet, um das Rektorat der Wallschule zu übernehmen, und Herrn E. Chamoux, der alsAssistant français der Musterschule für ein Jahr überwiesen war und nun nach Frankreich als Lehrer des Deutschen zurückkehren wird. Herr Holz hat sich durch sein offenes, freundliches Wesen bei Schülern, Lehrern und Eltern gleich beliebt gemacht. Seine hervorragende pädagogische Befähigung, seine Herzensgüte, sein feines Verständnis der Kindesseele sichern ihm bei uns allen ein freundliches Andenken.

Herr Chamoux hat es durch sein zuvorkommendes, bescheidenes Auftreten verstanden, sich die Liebe und Zuneigung der Kollegen und Schüler im hohen Grade zu erwerben und sie für französische Sprache und Literatur außerordentlich zu interessieren. Gan⸗z besonders dankbar bin ich ihm für die erfolgreiche UÜbernahme meines Unterrichts während wiederholter längerer Abwesenheit von der Schule, sowie für seine stete Bereitwilligkeit, uns in den zahl- reichen Vertretungsfällen freundlich zu unterstützen und überall fördernd und helfend ein- zugreifen. Wir begleiten beide lieben Kollegen mit unseren besten Wünschen auf ihrem ferneren Lebenswege(s. S. 18).

Zum Abschluß unserer Chronik haben wir noch einiger trauriger Ereignisse zu gedenken:

Am 1. Juli verloren wir einen unserer lieben Schüler, Fritz Lottholz, der sich zur Herstellung seiner Gesundheit in Zuoz im Oberengadin aufhielt und dort bei einem Ausfluge inmitten fröhlicher Kameraden durch einen schweren Unfall sein junges Leben einbüßte.