Jahrgang 
1910
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Wir nehmen von Herzen Anteil an dem Schicksalsschlage, der die beklagenswerten Eltern so hart betroffen hat, und werden dem hoffnungsvollen lieben Schüler ein freundliches Gedenken bewahren.

Ferner verstarb bei Beginn der Ferien am 5. Juli ganz plötzlich an einem Gehirn- schlage der Schuldiener der Musterschule, Herr Franz Rieger, nach kaum vollendetem 60. Lebensjahre und kurz vor seinem 25 jährigen Dienstjubiläum. Lehrer wie Schüler waren gleich erschüttert durch diese unerwartete, so überaus schmerzliche Trauerbotschaft und be- kundeten der armen Familie des so jäh aus seiner Wirksamkeit hinweggenommenen wackeren Mannes die herzlichste Teilnahme.

In Abwesenheit des Direktors haben die Herren Professor Dr. Bilger und Ober- lehrer Dr. Gündel die trauernden Hinterbliebenen in ihrem Unglück nach besten Kräften unterstützt und alle Vorbereitungen für die Beerdigung getroffen. Herr Oberlehrer Dr. Gündel legte im Namen der Musterschule am Grabe des so früh Entschlafenen einen Kranz nieder, in- dem er dem treubewährten Diener der Schule tiefempfundene Worte dankbaren Gedenkens widmete. Nach unserer Rückkehr aus den Ferien vereinigten wir uns zu einer Trauerandacht, bei der wir der beiden Verstorbenen in Anhänglichkeit gedachten. In dankbarer Würdigung der der Schule während 25 Jahren geleisteten treuen Dienste hat das Lehrerkollegium unter den Lehrern sowie den jetzigen und früheren Schülern eine Sammlung veranstaltet, die der Witwe bei der Erziehung ihrer Kinder zu gute kommen soll. Der Betrag der von den Herren Professoren Dr. Rausenberger und Dr. Bilger verwalteten Stiftung hat die Höhe von 4878,05 Mk. erreicht. Allen gütigen Gebern spreche ich im Namen des Kollegiums den herzlichsten Dank für die freundlichen Gaben aus.

In Beziehung zur Musterschule stehen noch drei weitere Todesfälle: der des Herrn L. Hefermehl von der Elisabethenschule, dem die Musterschule für seine bis zum letzten Augenblick dem Wohle der gemeinsamen Witwen- und Waisenkasse geltende Tätigkeit zu dauerndem Dank verpflichtet ist, der des Herrn Dr. G. Wein berg, der durch seine lang- jährige Arbeit als Lehrer der jüdischen Religion an unserer Schule in steter Verbindung mit ihr geblieben ist, und der des Herrn D. Böhm von der Klinger-Oberrealschule, der auch nach seiner 14 jährigen Tätigkeit als katholischer Religionslehrer seine Beziehungen zu uns festgehalten und uns noch gerade in letzter Zeit durch Herstellung wertvoller Arbeiten für die Schul- ausstellung der Brüsseler Weltausstellung seine allgemein geschätzte und anerkannte Kunst zur Verfügung gestellt hat.

Wir werden den genannten lieben Kollegen allzeit ein dankbares Gedenken be- wahren!

Als Nachfolger unseres verstorbenen Schuldieners trat am 1. November der bisherige Schuldiener der Merianschule, Herr H. Ronstadt, seinen Dienst an.

Wir wollen die Chronik nicht abschließen ohne der Auszeichnung zu gedenken, die Herrn Professor Dr. Reinhardt zu unserer Freude durch die am Ordensfest erfolgte Ver- leihung des Roten Adler Ordens IV. Klasse zu teil geworden ist.