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Herr Professor Dr. Rausenberger besichtigte mit den drei Oberklassen eine Flaschen- fabrik, das Salinenwerk mit Radiumgewinnung in Bad Kreuznach und die Saline in Münster a. St., sowie das hiesige städtische Elektrizitätswerk, dessen Einrichtung die Herren Stadtrat Hin und Direktor Singer in dankenswerter Weise erläuterten.
Herr Professor Dr. Reinhardt besuchte mit der Obersekunda eine Krystall-Eisfabrik.
Herr Dr. Sander stellte seine Zeit und Kraft zur Verfügung, um mit Primanern eine Reise nach London und Südengland zu machen, sowie zu einer achttägigen Wanderung mit Schülern verschiedener Klassen durch das Lahntal von Braunfels nach Coblenz und einer Rheinfahrt von Coblenz bis Mainz, auf der ihn Herr Chamoux freundlichst begleitete.
Im vergangenen Jahre wurde zum ersten Male der Versuch gemacht, einige unserer Schüler ins Ausland zu senden. Die C. H. A.(Co-operative Holiday Association) wollte sich für die ihren Mitgliedern hier und in Kelkheim im Taunus erwiesene Gastfreundschaft er- kenntlich zeigen und bot uns an, für die Unterbringung einer Anzahl Schüler in ihren Ferien- häusern und in englischen Familien sorgen zu wollen. Die tatkräftige Unterstützung durch Mr. T. A. Leonard, den Leiter und Organisator des gemeinnützigen englischen Unter- nehmens, ermõglichte bald bestimmte Vorschläge: Die Schüler sollten eine Woche in eng- lischen Familien zubringen, dann 3 Wochen ihrer Ferien in den in landschaftlich wunder- schön gelegenen Ferienhäusern der Gesellschaft verleben und mit einem achttägigen Besuche von London ihren Aufenthalt beschließen. Da den Schülern hierdurch keine größeren Kosten erwachsen sollten, so wurden die Mittel durch einen Aufruf an Eltern und Freunde der Schüler unserer Musterschule in kurzer Zeit aufgebracht. Allen gütigen Spendern, die den schönen Zweck so gerne und tatkräftig förderten, daß uns schon nach kurzer Zeit eine Summe von 2277 Mark zur Verfügung stand, sei auch an dieser Stelle freundlichst gedankt. Die sechs Primaner, die hinübergehen durften, haben von ihrem Aufenthalt großen Nutzen gehabt, nicht nur für die praktische Erlernung der Sprache, sondern auch für ihre allgemeine Bildung, und während ihr Gesichtskreis durch Betrachtung fremder Art und fremden Wesens sich geweitet hat und viele deutsche Vorurteile zerstreut sind, ist auf der anderen Seite auch der Gewinn für das sich kräftigende Nationalgefühl nicht zu unterschätzen. Die Schüler berichteten vor den gůtigen Gebern wie vor Lehrern und Schülern an der Hand von schönen Lichtbildern in englischer Sprache über ihre Ferienerlebnisse; an diesem Vortrag nahmen auch englische Gäste aus dem Kelkheimer Ferienheim teil, an ihrer Spitze Mr. T. A. Leonard, der auf unsere Begrüßung in herzlichen Worten erwiderte. Auf eigene Rechnung verbrachten außer den genannten sechs Schülern noch acht weitere ihre Sommerferien in englischen Familien in England.
Diese Reisen hoffen wir in den nächsten Sommerferien in größerem Umfange und nicht nur auf unsere Schule beschränkt mit Unterstützung unseres Freundes Mr. T. A. Leonard fortsetzen zu können. Vom vorigen Jahre stehen uns zu diesem Zwecke noch ca. 600 Mark zur Verfügung, und verschiedene Freunde haben uns schon weitere Beiträge gütigst in Aussicht gestellt.
3. Besichtigungen und Prüfungen.
Die schriftliche Reifeprüfung dauerte vom 20. bis 26. Januar, die mündliche Prüfung fand unter dem Vorsitze des Herrn Geheimen Regierungsrats Dr. Kaiser und in Gegenwart des Vertreters des Kuratoriums, des Herrn Konsistorialrats Dr. Bauer, am 7. und 8. Februar statt; von den 15 Abiturienten, die alle bestanden, wurden 6 von der mündlichen Prüfung befreit.
Die schriftliche Reifeprüfung der uns überwiesenen 18 Damen und 3 Herren wurde vom 21.— 25. Februar abgehalten. Die mündliche Reifeprüfung fand unter Vorsitz des Herrn Geheimen Regierungsrats Dr. Kaiser vom 14.—16. März statt. Von den 21 Prüflingen konnte 13 das Zeugnis der Reife zuerkannt werden.
Am 7., 8. und 10. März besuchte Herr Geheimer Konsistorialrat Kayser den Reli- gionsunterricht in den verschiedenen Klassen der Vorschule und des Realgymnasiums.


