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Die Roubaud'sche Theatertruppe führte unseren Schülern folgende Stücke vor: Bataille de Dames von Scribe, Il faut qu'une porte soit ouverte ou fermée von Musset, Le Barbier de Séville von Beaumarchais, L'Anglais tel qu'on le parle von Tristan Bernard und L'Avare von Molière. Auch Frau Meta IIling erfreute uns mit ihrer Truppe durch zwei englische Theater- stücke: She stoops to conquer von Goldsmith und The Rivals von Sheridan. Kurz darauf verschied, von weiten Kreisen betrauert, die hervorragende Leiterin des Unternehmens, die ihre erste Schulvorstellung in Deutschland bei uns gegeben hatte.
Auch am Schlusse dieses Schuljahres sollen zur Belebung des Interesses an der gesprochenen Sprache wieder eine Anzahl deutscher, französischer und englischer Stücke in dialogischer Form sowie einzelne Szenen aus den gelesenen Dramen vor der versammelten Schule vorgetragen werden. Die Quarta wird die von Herrn Dr. Sander und dem Lehr- amtsassistenten Herrn Chamoux eingeübte Farce„LAvocat Pathelin“ hierbei zur Auf- führung bringen. Herrn Chamoux verdanken unsere Schüler eine große Förderung ihrer Sprach- kenntnisse, zumal er uns weit über seine Verpflichtungen hinaus durch Lichtbildervorträge und persönliche Anregungen die wertvollsten Dienste geleistet hat(s. S. 20).
Das von Herrn Weigand gegründete Schülerorchester hat auch in diesem Jahre mehrfach zur Verschönerung unserer Feiern beigetragen.
Am 15. Dezember konnten den Schülern unserer Oberklassen durch freundliche Ver- mittlung des Herrn Dr. Reche die trefflichen Veranstaltungen der Gesellschaft für Wohl- fahrtseinrichtungen gezeigt werden. Herr Dr. Reche hatte vor der Führung durch einen ein- leitenden Vortrag in dankenswerter Weise das Interesse an den sozialen Einrichtungen zu wecken verstanden und bewirtete uns am Schluße durch ein schmackhaftes Arbeiteressen.
Die Gesellschaft für ästhetische Kultur ermõöglichte unsern Schülern den Zutritt zu Otto Falkenbergs Deutschem Weihnachtsspiel, das von der Jugend dankbar aufgenommen wurde.
Der Militär-Hülfsverein des 18. Armeecorps stellte uns für den Vortrag des Herrn Generals der Infanterie z. D. Preiherr v. Gayl über das Thema„Von Amerika über Japan nach China im Frühjahr 1909“ vierzig Eintrittskarten freundlichst zur Verfügung.
Herr Generalkonsul Müller-Beeck hielt am 12. Februar einen Lichtbildervortrag über„Japanische Sagen und Märchen mit Rücksicht auf die darstellende Kunst“, der bei Schülern, Eltern und Lehrern reichen Beifall fand.
Den Vorlesungen des Physikalischen Vereins aus dem Gebiete der Experimentalphysik konnten in diesem Jahre 46 Schüler der drei Oberklassen bei freiem Eintritt beiwohnen.
: Das Freie Deutsche Hochstift stellte unseren Schülern 30 Plätze zu einem Vortrage des Herrn Professors Dr. Bölte über„Grundzüge griechischer Landeskunde“ und ebenso 24 Plätze zu den 5 Vorträgen des Geh. Regierungsrats Herrn Professor Dr. G. Roethe aus Berlin über „Die Romantiker des deutschen Nordostens“ freundlichst zur Verfügung.
Besonderen Dank schulden wir auch Herrn Verwaltungsdirektor Arnold, dessen freundlichem Entgegenkommen wir es verdanken, daß unsere Schüler nicht nur im Schauspielhaus, sondern auch im Opernhause geeignete Stücke zu ermäßigtem Preise besuchen dürfen.
Auch in diesem Jahre wurden von den oberen Klassen unter Führung ihrer Lehrer eine Reihe von technischen und industriellen Betrieben besichtigt. Herr Dr. Neumann führte die Primaner in eine Glasätzerei, eine Zündholzfabrik, ein Institut für Galvanoplastik, eine Zuckerfabrik, eine keramische Manufaktur, eine Aepfelweinkelterei und in eine Eisfabrik. Ferner zeigte er ihnen den Viktoria-Melitta-Sprudel in Vilbel und die Schwefelquelle in Weilbach.
Herr Dr. Gündel leitete eine Wanderung durch die Ausgrabungen in Heddernheim und besichtigte mit den Oberprimanern und einigen Lehrern die Altertumssammlungen des Herrn Justizrat Dr. Hae berlin, dem wir für die uns gewährte freundliche Aufnahme zu besonderem Danke verpflichtet sind.
Herr Dr. Weidemann besichtigte mit seinen Klassen das städtische historische Museum und das Völkermuseum.
Herr Freund besuchte mit den oberen Klassen die Marré- und die Busch-Ausstellung und Herr Moldenhauer die Thomaausstellung im Kunstverein.


