Jahrgang 
1895
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und ich freue mich auf das Studium. Wen von Euch aber sein Weg nach Wiesbaden führt, der versäume nicht mich zu besuchen. Jeder von Euch wird bei mir herzlich willkommen sein.*)

Jetzt nahm Herr Direktor Dr. Scholderer im Auftrage der sämtlichen Direktoren hiesigen höheren Schulen das Wort:

Hochverehrter Herr Geheimrat!

Als ich bei der frohen Feier Ihres Jubiläums vor 1 ½ Jahren die Ehre und die Freude hatte, Sie im Namen Ihrer Kollegen, der Direktoren der höheren Schulen, zu begrüßen und Ihnen unsere Glück- wünsche darzubringen, da dachte ich nicht, daß ich sobald wieder Ihnen gegenüberstehen würde, um zu Ihnen zu sprechen an dem Tage, da Sie von Ihrer geliebten Schule Abschied nehmen, die Sie so lange Jahre mit so segensreichem Erfolge geleitet haben. Damals durften wir uns der Hoffnung hin- geben, daß Sie noch manche Jahre als unser Mitarbeiter wirken würden. Waren wir doch alle damals hoch erfreut, als wir vernahmen, in wie treffender und geistreicher Weise Sie die mannigfaltigsten an Sie gerichteten Ansprachen erwiderten und mit welch jugendlicher Frische und Heiterkeit des Geistes, um die wir alle, die Aelteren wie die Jüngeren, Sie billig beneiden mochtén. Unsere Hoff- nungen haben sich nicht erfüllt; es ist anders gekommen, als wir gedacht. Wir beklagen aufrichtig, daß Ihr Gesundheitszustand Ihnen gebietet, auf Ihr Ihnen liebes Amt zu verzichten; von Herzen aber wünschen wir, daß Ihnen das nun gewährte so reichlich verdiente Otium, dem ja die Dignitas wahr- lich nicht fehlen wird, ein gesegnetes sein, und Ihr körperliches Befinden so sich gestalten möge, daß Sie mit Genugthuung auf lange Jahre ersprießlicher Thätigkeit zurückblickend sich der wohl ver- dienten Ruhe erfreuen mögen, die dann Ihr immer lebendiger und regsamer Geist zu eigener wie zu anderer Befriedigung sicherlich fruchtbar machen wird. Noch aber gestatten Sie uns, verehrtester Herr Kollege, Ihnen den Dank auszusprechen für alles das, was Sie uns in dem langjährigen Verkehr gewesen sind, und was Sie uns gegeben haben, der Sie uns stets ein leuchtendes Vorbild eines Mannes gewesen sind, der voll regsten Pflichtgefühls, ernstester Pflichterfüllung und unermüdlichen Strebens stets nur die Sache, nie die Person, am wenigsten seine eigene im Auge gehabt hat, und wie keiner dabei jedem äußseren Scheine abhold und feind gewesen ist. Leben Sie wohl, teurer Herr Kollege, und bewahren Sie uns auch künftighin die Freundschaft, die Sie uns geschenkt, wie wir selber Ihnen unsere alte Anhänglichkeit und Verehrung.

Wir werden uns erlauben, Ihnen zum Andenken an uns ein Bild zu überreichen, das die Direktoren- Konferenz darstellt, und bitten Sie, diesem in Ihrem neuen Heim ein bescheidenes Plätzchen zu gönnen.

Dem Herrn Direktor Scholderer erwiderte Herr Direktor Eiselen folgendermaßen:

Es macht mir besondere Freude, geehrter und lieber Herr Kollege, daß Sie wieder wie bei meinem Jubiläum vor anderthalb Jahren im Namen der Vereinigung der Direktoren hiesiger höherer Lehr- anstalten gesprochen haben. Die Eigenschaften, welche Sie an mir als besonders schätzenswert hervor- gehoben, habe ich gerade besonders an Ihnen geschätzt. Ich danke Ihnen und den übrigen Herren Kollegen, mit denen zusammen es mir vergönnt war, Jahre hindurch in herzlichem Vertrauen in periodischer Vereinigung zusammen zu treten zu schulmännischen und das hiesige Schulwesen be- treffenden Besprechungen, bisweilen allerdings auch nur zu freundlichem Zusammensein; eine seltene Vereinigung, die unzweifelhaft auch für das höhere Frankfurter Schulwesen von Nutzen ist. Daß Sie mir, verehrter Herr Kollege, das Bild jener mit mir so vereinten Amtsgenossen in Aussicht gestellt haben, freut mich ganz besonders. Ich bedarf zwar keines solchen Bildes, um der Herren Kollegen zu gedenken, aber das Abbild wird die Urbilder bei mir in besonderer Frische erhalten. Wenn Sie mich nun aufgefordert haben, öfter nach Frankfurt in Ihren Kreis zu kommen, so mache ich die hier anwesenden Herren Kollegen darauf aufmerksam, daß der Weg von Frankfurt nach Wiesbaden nicht weiter ist, als derjenige von Wiesbaden nach Frankfurt und bitte Sie alle dessen freundlich eingedenk zu sein; ich meinerseits werde nicht versäumen, öfter nach Frankfurt zu kommen,

Nachdem Herr Direktor Eiselen auf die Ansprache des Vertreters der Behörden,

des Lehrerkollegiums, der Schüler und der Direktoren trotz seiner inneren Bewegung in mann-

hafter Selbstbeherrschung und in bewundernswerter Geistesfrische geantwortet hatte, faßte er noch einmal alle Gedanken und Wünsche, die er für seine Musterschule auf seinem Herzen hatte, in folgendes Schlußwort zusammen:

Sehr geehrte Versammlung! Ich will die so freundlich Anwesenden nicht noch durch eine lange Rede ermüden, aber ich muß noch einmal aussprechen, wie es mir ums Herz ist. Ich bin tief bewegt, indem ich nun nach 46 jähriger Lehrthätigkeit und nach 26 ½ Jahren hiesiger Schulleitung mein Amt niederlege. Meine Gedanken werden aber heute noch in weitere Ferne, in meine Kindheit zurück-

*) Von dieser Aufforderung haben schon viele Schüler, namentlich Primaner, Gebrauch gemacht.