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Leicht war die Aufgabe nicht; denn Sie hatten als erster preußischer Direktor nicht nur mit administrativen, sondern auch mit politischen Schwierigkeiten zu kämpfen; aber unermüdlich und eingedenk Ihres Wahlspruchs:„Mit dem Mutigen ist Gott!“ ließen Sie sich durch nichts irre führen oder entmutigen, und es gelang Ihnen, das zu verwirklichen, was Sie in Ihrer Einführungsrede ver- sprochen hatten. Die Knabenmusterschule wurde eine Realschule erster Ordnung und endlich, was Sie heute ist, ein Realgymnasium..
Es würde mir schlecht anstehen, Ihre Verdienste um die Musterschule zu preisen, Ihr organisa- torisches Talent zu loben oder Ihre pädagogische Erfahrung zu verherrlichen nach den Allerhöchsten Anerkennungen, die Ihnen zu teil geworden sind,— aber Sie werden mir gestatten, hochverehrter Herr Direktor, zu sagen, daß wir stets in Ihnen einen nachsichtigen Vorgesetzten, einen freundlichen Kollegen und einen wohlmeinenden Ratgeber gefunden haben; nur wo das Wohl, das Gedeihen der Schule in Frage kam, da traten alle persönlichen Rücksichten in den Hintergrund.
Und wenn auch bisweilen im Laufe der Jahre eine Wolke den Kollegiumshimmel ein wenig trübte, Sie wußten ihm doch immer seine rosa Farbe bald wieder zu geben, und wir bedauern alle aufrichtig, uns in das Unvermeidliche Ihres Rücktritts fügen zu müssen; seien Sie überzeugt, werter Herr Direktor, daß wir Ihnen stets ein treues Andenken bewahren werden.*
Und wenn ich heute jene schlichte Turnhalle suche, in welcher Sie zum ersten Male vor dem Lehrerkollegium erschienen, so finde ich sie verwandelt in diese prächtige, reich ausgeschmückte Aula, und ich freue mich über diese Verwandlung; und sehe ich mich nach jener Schar kräftiger und blühender Lehrer um, so beschleicht mich ein Gefühl der Wehmut, denn ich will die Häupter jener Treuen zählen, und siehe, sie fehlen alle;— keiner ist mehr an der Musterschule thätig; drei nur wirken noch an andern hiesigen Anstalten, einige sind in den wohlverdienten Ruhestand versetzt worden, und die meisten haben da oben ihr ewiges Gnadenbrot gefunden.
Mir, als letztem Veteran jenes ehemaligen Generalstabs, dessen Leitung Sie als junger, aber erfahrener Direktor übernahmen, ist von meinen jetzigen Kollegen der ehrenvolle Auftrag geworden, Ihnen den Abschiedsgruß dieser Anstalt darzubringen.
Nicht die numerische UÜberlegenheit einer Armee macht deren Tüchtigkeit aus, sondern ihre Tugenden, ihre Manneszucht, ihre Schlagfertigkeit, ihre volle Hingabe ans Vaterland,— und so ist es auch mit der Schule, welche Sie jetzt verlassen. Wohl hat sie an Schülerzahl abgenommen, wohl sind die Reihen der Lehrer gelichtet, aber das Material, aus welchen beide bestehen, ist so gut, daß sie es ohne Überschätzung mit den besten Schulen hiesiger Stadt aufnehmen kann;— und diese Überzeugung, der Gedanke an das große Werk, welches Sie aufgebaut haben, an das, was Sie für das Gemeinwohl geschaffen, und was Sie für das große Vaterland gewirkt haben, wird Ihr Scheiden aus dieser Anstalt, aus Ihrem Amte erleichtern.— Sie scheiden, lieber Herr Direktor, aber Ihr Name wird in den Annalen der Musterschule fortleben-
Mögen Sie noch lange der Ruhe, nach welcher Sie sich sehnen, und die Sie in so hohem Maße verdienen, in Gesundheit genießen und uns alle in liebevoller Erinnerung behalten.
Und so sollen denn heute, werte Kollegen, liebe Schüler, zum Abschiedsgruß diese Räume, in welchen unser hochverehrter, scheidender Herr Direktor so oft seine belehrende, mahnende und zur Andacht auffordernde Stimme hat hören lassen, von einem dreifachen Hoch auf ihn und seine werte Familie wiederhallen.
Der Herr Direktor und seine Familie leben hoch!
Dem Herrn Oberlehrer Thévenot erwiderte Herr Direktor Eiselen etwa folgendes:
Ich danke Ihnen, verehrter Herr Kollege, herzlich für Ihre warmen Worte und allen Anwesenden für das mir und meiner Familie ausgebrachte Hoch. Ich übernahm die Musterschule als eine hoch- ansehnliche Anstalt, und im Verein mit tüchtigen Amtsgenossen, von denen eine größere Anzahl bereits dahin geschieden oder in den Ruhestand getreten oder an anderen Schulen thätig ist— Sie, ver- ehrter Herr Kollege, sind der einzige aus dem Beginn meiner hiesigen Arbeitszeit, der an unserer Schule noch im Amte ist— gelang es nun bald, die Knabenschule dem ihr vorgesteckten Ziele zuzuführen und die Mädchenschule unter Anschluß eines Lehrerinnenseminars an dieselbe vollständig auszubilden. In ungenügenden Räumen und unter großen Schwierigkeiten hat die vereinte Anstalt eine glänzende Zeit gehabt. Vor 17 Jahren mußte dann die Mädchenschule als besondere Anstalt abgetrennt werden. Mit Freuden darf ich aber heute unter den hier Versammelten einige von den alten Kollegen von dort und die einzige damals angestellte Lehrerin, Frl. Battenberg, begrüßen. Ich sehe daraus, daßs der alte Zusammenhang innerlich noch nicht gelöst ist und spreche allen, auch den anderen anwesenden Kollegen der Elisabethenschule meinen herzlichen Dank aus.
Wenn nun jetzt in dem prachtvollen Gebäude das Realgymnasium keine große Schülerzahl mehr hat, so darf ich wohl behaupten, daß nicht die Minderwertigkeit der Leistungen schuld ist, sondern daß außer der nicht günstigen Lage manche andere Umstände das bewirkten. Mit tüchtigen Amts- genossen im Verein und in redlicher Arbeit ist es gelungen, die Schule auf der Höhe der Ansprüche zu erhalten. Ihnen, meine geehrten Herren Amtsgenossen, danke ich es, wenn die Schule anerkannt wird; ohne Ihre Thätigkeit würe meine Arbeit vergeblich gewesen;— denn die Leistung einer Schule ist bedingt durch die Tüchtigkeit des Lehrerkollegiums. Ihnen danke ich aber auch für das mir per- sönlich erwiesene Vertrauen und für das Entgegenkommen, das bei manchen sich zu wahrer Freund-


