Jahrgang 
1895
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Seit dieser Zeit hat Herr Direktor Eiselen mit seltener Energie nur das eine Ziel vor Augen gehabt und erreicht, bis zum heutigen Tage seinen Berufspflichten in vollem Maße gerecht zu werden.

So ist denn die schwere Abschiedsstunde gekommen!

Se. Majestät der Kaiser und König haben in Genehmigung der gestellten Anträge durch Verleihung des Charakters alsGeheimer Regierungsrat dem scheidenden Herrn Direktor eine besonders hohe Auszeichnung verliehen, die in erster Linie Herrn Direktor Eiselen selbst, in zweiter aber auch diese Schule und den gesamten Lehrerstand unserer Stadt ehrt.

Die staatliche Behörde und der Magistrat haben ihrerseits bereits ihrer vollen Anerkennung und ihrem wärmsten Dank Ausdruck gegeben; den zunächst stehenden städtischen Behörden aber ist es ein Bedürfnis, denselben auch heute bei der Abschiedsfeier nochmals auszusprechen.

Herr Stadtrat Grimm betonte sodann, welch' schwierige Aufgaben Herrn Direktor Eiselen insbesondere in der ersten Zeit seiner hiesigen Thätigkeit bis zur Trennung der Elisabethenschule gestellt gewesen seien; trotzdem habe derselbe es doch noch ermöõglicht, an seinem Teil mitzuarbeiten für das gesamte Schulwesen, insbesondere auch als Mitglied der städtischen Schuldeputation für das Volksschulwesen unserer Stadt.

Mit seinem herzlichsten Dank verband Herr Stadtrat Grimm die besten Wünsche für den ehrenvollen Ruhestand, in dem, wie er hoffe, Herr Direktor Eiselen, auch wenn er Frankfurt verlasse, dieser Schule und dem Frankfurter Schulwesen ebensowenig werde ent- fremdet werden, wie dies von hier aus ihm gegenüber der Fall sein werde.

Nach der Ansprache des Herrn Stadtrats Grimm ergriff Herr Direktor Eiselen das Wort. Er dankte in tiefer Bewegung für die ausgesprochene Anerkennung, die weit hinaus- gehe über das Maß seines Verdienstes.

Wohl, sagte er, bin ich mir bewußt, wie wenig meine wirkliche Leistung dem Ideal entspricht, das ich mir selbst gebildet habe, wenn ich auch das allerdings für mich in Anspruch nehmen darf, daß ich meine ganze Kraft der meiner Leitung anvertrauten Schule zugewendet und für dieselbe keine Arbeit gescheut habe. Während der ganzen 39 Jahre, in denen mir die Leitung von Schul- anstalten übertragen war, habe ich mich aber auch des Wohlwollens erfreut der vorgesetzten Be- hörden des Staates und der Städte, in deren Dienst ich gestanden. Auch jetzt verdanke ich offenbar die hohe Auszeichnung durch Se. Majestät in erster Linie dem Antrage des städtischen Schulkura- toriums. Ich sehe in demselben aber nicht bloß eine mir persönlich geltende Anerkennung, sondern ein Zeichen der Wertschätzung, welche hier und welche jetzt überhaupt dem Lehrerberufe zuteil wird. Große Freude hat es mir gemacht, eine Reihe von Jahren in der städtischen Schuldeputation für das immer mehr aufblühende Frankfurter Schulwesen mitarbeiten zu können. Schwer habe ich mich entschlossen, jetzt meinen Abschied zu nehmen und nur infolge meines mangelhaften Gesund- heitszustandes, der mir nicht möglich macht, der Schule das zu sein, was ich ihr als Direktor hätte sein müssen, namentlich in einer Zeit, in welcher die Schule wichtigen neuen methodischen Aufgaben gegenüber steht, an deren Lösung ich lebhaften Anteil nehme. Daß ich nun auch zugleich von Frankfurt scheiden will, geschieht nicht aus Undankbarkeit gegen die Stadt, der ich so vielfach zu Dank verpflichtet bin, sondern infolge reiflicher Erwägungen verschiedener Art. Indes, da ich meinen Wohnort so nahe nehme, hoffe ich stets in Verbindung mit Frankfurt zu bleiben. Sein Ge- deihen wird mich stets mit lebhaftester Freude erfüllen, und ich bitte Sie, Herr Stadtrat, nicht nur persönlich meinen herzlichsten Dank für Ihre wohlwollende Gesinnung entgegen zu nehmen, sondern auch meinen aufrichtigen Dank den städtischen Behörden auszusprechen, wie ich ihn schon auf dem Römer den Herren Bürgermeistern selbst ausgesprochen habe.

Hierauf hielt der àâlteste Lehrer der Musterschule, Herr Oberlehrer Thévenot, folgende Ansprache: Hochverehrter Herr Direktor!

Nicht so reich mit Grün und Blumengewinden wie heute war die Stätte geschmückt, an der Sie vor 26 ½ Jahren als Direktor der Musterschule eingeführt und dem Lehrerpersonal, mit welchem Sie fürderhin arbeiten sollten, vorgestellt wurden.

Einfach und schlicht war jene Turnhalle, aber stattlich und thatkräftig der Generalstab, der Sie umgab, lauter im Schulfach erprobte und erfahrene Männer, gesund und in den besten Jahren. Eine Schülerzahl, wie sie keine zweite hiesige Anstalt aufzuweisen hatte, und ein Renommée, welches den Glanz der Musterschule auf immer sichern mußte.

Mit fester und sachkundiger Hand erfassten Sie die Zügel der Verwaltung und arbeiteten an der durch die Verhältnisse nötig gewordenen Neugestaltung der Schule.