Jahrgang 
1895
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Die Abschiedsfeier für Herrn Direktor Dr. Eiselen fand am letzten Schultage des Wintersemesters, am 17. März, 11 Uhr vormittags statt. Das Lehrerkollegium der Muster- schule hatte schon am Tage vorher dem scheidenden Direktor in dem Konferenzzimmer der Anstalt ein Album mit Widmung und mit den Photographieen der Lehrer überreicht; bei dieser im engsten Kreise abgehaltenen schlichten Feier eine größere Festlichkeit zu seinen Ehren hatte Herr Direktor Eiselen mit Rücksicht auf seinen Gesundheitszustand zum lebhaften Bedauern seiner Lehrer und seiner Freunde abgelehnt hielt das älteste Mitglied des Lehrerkollegiums, Herr Oberlehrer Thévenot, eine herzliche Ansprache, in welcher er die hohen Verdienste des Herrn Direktors und dessen vortreffliche Eigenschaften als Mann und Kollege hervorhob. Herr Direktor Dr. Eiselen dankte tiefbewegt und versicherte seinen Amtsgenossen, daß auch künftighin sein Herz der Musterschule gehören werde.*)

Am Festtage selbst prangten Vorhalle, Treppe des Schulhauses und Rednerbühne in der Aula in herrlichem Pflanzenschmucke, welchen die Schüler der Anstalt in dankbarer Gesinnung für ihren Direktor hatten aufstellen lassen.

Schon lange vor 11 Uhr füllte sich die Aula mit Schülern, deren Eltern, ehemaligen Zöglingen der Musterschule und Freunden des scheidenden Direktors. Das Lehrerkollegium und viele Kollegen, die in früheren Jahren an der Mustersthule thätig gewesen waren, nahmen neben der Rednerbühne Platz; vor derselben säßén dieWertreter der städtischen Behörden und die Direktoren der hiesigen höheren Schulen.

Um 11 Uhr geleiteten Herr Stadtrat Grimm und die Herren Oberlehrer Thévenot und Professor Dr. Forte Herrn Direktor Eiselen in die Aula. Alsbald erklang das vierstimmige Lied:Harre, meine Seele, harre des Herrn! von Malan. Zunächst nahm Herr Direktor Dr. Eiselen seine letzte Amtshandlung vor: er überreichte den Berechtigungsschein für den einjährigen Militärdienst 22 Untersekundanern und entließ die beiden Abiturienten Gamburg und Hofmann. In eindringlichen Worten legte er den Jünglingen die Bedeutung und den Wert ihrer erworbenen Berechtigungen dar und forderte sie mit jenem Ernste, der stets aus seinen Reden an dieser Stelle herausgeklungen hatte, auf, zu allen Zeiten der Musterschule Ehre zu machen.

Nunmehr sprach Herr Stadtrat Grimm im Namen der städtischen Behörden Herrn Direktor Eiselen herzlichen Dank aus für die langjährige pflichttreue und segensreiche Thätig- keit an der Musterschule und für das gesamte Frankfurter Schulwesen.

Während Herr Direktor Eiselen, so führte er aus, bei Uebernahme des Reformversuchs für die Musterschule im Jahre 1891 geglaubt hat, diesen Versuch noch eine Reihe von Jahren hindurch an dieser Schule leiten zu können, während er bei seiner Jubiläumsfeier am 24. September 1892 die Hoffnung aussprechen durfte, noch einige Jahre der Schule vorstehen zu können, hat ihn körper- liches Leiden schon im Sommer 1893 bei seinem stets bewährten Pflichtbewußtsein zu dem schweren Entschlusse führen müssen, von der s lange und mit so großer Liebe zur Sache gepflegten Thätigkeit zurückzutreten.

*) Unserem Wunsche, die bei der Abschiedsfeier gehaltenen Ansprachen niederzuschreiben, konnte Herr Geheimrat Eiselen erst sehr spät entsprechen, da er wegen eines hartnäckigen Augenleidens, das ihn schon während der letzten Zeit seiner Amtsthätigkeit heimgesucht hatte, mehrere Monate sich des Schreibens enthalten mußte. Die unter diesen ungünstigen Gesundheitsverhältnissen s. Z. aus dem Stegreif ge- sprochenen Worte hat mein verehrter Herr Vorgänger nun für den vorliegenden Zweck freundlichst aus dem Gedächtnis niedergeschrieben, wozu wir ihm zu ganz besonderem Danke verpflichtet sind; er be- merkt aber dabei, daß durch diese späte Niederschrift seinen Worten das Gepräge der Unmittelbarkeit verloren gehen mußte.