Jahrgang 
1893
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Schuljugend Frankfurts anvertraut war, eine Zeit räumlicher Bedrängnis, aber innerer Blüte der Anstalt und nur zu großer Fülle von Schülern und Schülerinnen. Die schönen Festtage werden ihm unvergeßlich pleiben.

Während der Sommermonate fanden am Nachmittag des Mittwochs wie bisher auf dem Altaracker Turnspiele statt, 122 Schüler von Sexta bis Prima nahmen in 2- Abteilungen teil. Die Leitung hatte Herr Dr. Reinhardt mit Hülfe der beiden Herren Probanden Georg Franke und Georg Schenk übernommen. Die qdurchschnittliche Beteiligung betrug 89,34%. Am 14. September fand ein Wettspiel im Ringkampf zwischen den verschiedenen höheren Schulen statt, 4 unserer Schüler beteiligten sich, von denen einer mit einem Eichenkranz ausgezeichnet wurde. Am 15. September unternahmen die Herren Dr. Reinhardt und G. Franke mit 50 Schülern eine Turnfahrt nach Kreuznach, der Ebernburg und dem Niederwalddenkmal. Am 18. Februar 1893 fand in der Aula der Musterschule unter Leitung des Lehrers der Anstalt, Herrn Julius Bautz, eine musikalische Aufführung statt. Auf eine Motette von Gräser folgte ein Prolog und dann die Schillersche Glocke in der Komposition von Romberg mit Klavierbegleitung(Pr. Rosenberger). In den Solopartien unterstützten uns außer dem Lehrer der Anstalt A. Müller(Meister) freund- liche Hülfskräfte.

Diesen fröhlichen oder festlichen Ereignissen im Schulleben steht ein schmerzliches Ereignis gegenüber. Am 2. November 1892 starb der Untersekundaner Berthold Melcher im 15. Lebensjahre. Wir empfinden nicht nur den Schmerz der Eltern, die in ihm einen geliebten Sohn verloren haben, lebhaft mit, sondern betrauern auch in ihm den Verlust eines lieben und zu guten Hoffnungen berechtigenden Schülers.

Veränderungen im Lehrerkollegium.

Ostern 1892 trat Herr Professor Andreas Lentz seiner angegriffenen Gesundheit wegen in den Ruhestand. Geboren den 8. August 1825 in Niederrad bei Frankfurt, besuchte er 8 Jahre lang das hiesige Gymnasium, studierte 1844 bis 1848 in Bonn, Tübingen und Berlin Philologie und Geschichte, war 6 Jahre lang Lehrer an der Benderschen Erziehungsanstalt in Weinheim an der Bergstraße; seit Ostern 1854 provisorisch an die Musterschule berufen, wurde er am 8. Juli 1856 ordentlicher Lehrer an derselben. 11. März 1873 wurde er zum Oberlehrer alten Stils ernannt und erhielt am 8. Februar 1888 den Professortitel. Seine 38 jährige Thätigkeit an der Musterschule war eine gesegnete. Sein offener, aufrichtiger Charakter gewann ihm das Ver- trauen der Amtsgenossen, sein warmes Herz für die Jugend die Liebe der Schüler. Hohe Begeisterung für das Wohl des Vaterlandes zeichnete ihn aus und befühigte ihn besonders, bei tüchtiger eigener geschichtlicher Bildung die Jugend in die Geschichte desselben einzuführen. Der Direktor hat namentlich in dem gleichaltrigen hochgeschätzten Manne einen treuen Mitarbeiter

P. Musterschule 1893. 4