Jahrgang 
1891
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16. anschauungen, insofern namentlich beide an augenfällige Naturerscheinungen gebunden wurden das germanische Jahr an die herbstliche Maximal-Springflut(Herbst-Malina), das griechische an die Früh- aufgänge. Letzteres müssen wir wenigstens für die älteste Form des griechischen Luvisolarjahres annehmen, da nach Hesiod auch die Jahrpunkte durch ihre zeitlichen Abstände von solchen siderischen Vorgüngen festgelegt wurden. Vielleicht ist ferner das Opfer der 99 Schlachttiere, welches in Alt- Skandinavien in jedem 9. Jahre dargebracht wurde, noch ein Nachklang der indogermanischen Oktaeteris von 99 Monaten. Daß es nur alle 9 Jahre stattfand, beweist nichts dagegen; denn auch die The- banischen Daphnephorien ein offenbar, wie zu Delphi und Tempe, oktaeterisches Fest wurde nur mit neunjährigem Zwischenraum gefeiert. Vielleicht finden darin auch die Form und Etymologie der Zahlwörter acht(urindogerm. oktôu) und neun(Sskrt nävan) ihre Erklärung. Das Wort acht ist ein Dual, bezeichnet also 2. 4, das Wort neun bedeutet nach der Ansicht heutiger Sprach- forscher die»neue Zahl«. Nur wichtige, von der Natur gebotene Verhältnisse konnten die Indoger- manen veranlassen, neben dem decimalen Zahlensysteme, noch einen untergeordneten, aus einer doppelten Tetras bestehenden Zahlkreis aufzunehmen, und man fühlt sich unwillkürlich versucht, dabei an eine indogermanische Oktaeteris zu denken.

Zu beachten ist in dieser Beziehung endlich noch das Wort»Monat«(sanskr. mas, gr. uiv, lat. mensis), das sich in allen indogermanischen Sprachen findet und die Bestimmung des Monats als Zeitmesser(indogerm. Wurzel me= messen) deutlich ausspricht.

Es verhalte sich übrigens mit der indogermanischen Zeitrechnung, wie es wolle; jedenfalls sind wir berechtigt und gezwungen, der griechischen Oktaeteris ein sehr hohes Alter beizulegen. Den relativ ausführlichsten Bericht über diesen Schaltkreis verdanken wir Geminos. Nach ihm bestand derselbe anfänglich aus 96 abwechselnd vollen und hohlen Monaten sowie aus drei 30tägigen Schalt- monaten, im ganzen aus 99 Monaten. Aus diesen wurden 5 gemeine Mondjahre von je 6 vollen und hohlen Monaten und drei Schaltjahre gebildet, die sich von den Gemeinjahren nur durch den Hinzutritt des Schaltmonats unterschieden. Jedes Gemeinjahr enthielt mithin 354 und jedes Schaltjahr 384 Tage.

Da nun

8.354+ 3.30

365 und 99 5 3= 29,515

so betrug der Durchschnittswert des tropischen Jahres, genau wie im julianischen Kalender, 365 ¼ Tag, wührend der synod. Monat nur einen Mittelwert von 29,515 Tagen erhielt. Bereits nach zweimaligem Gebrauche der Oktaeteris(nach 16 Jahren) wichen demnach die cyklischen Mondphasen von den wahren um volle drei Tage ab. Geraume Zeit werden die Griechen die deshalb erforderlichen Kompensationstage ziemlich willkürlich eingeschaltet haben, wohl nur wenn die Abweichung anfing störend zu werden. Allmählich aber machten sie die Wahrnehmung, daß zur Regulierung des Mondlaufs im Durchschnitte alle 16 Jahre drei Schalttage eingelegt werden mußten. Damit trat die Aufgabe an sie heran, die drei Tage angemessen zu verteilen. Es lag nahe, dieselben, soweit als thunlich, zur Richtigstellung der Sommerwende zu benutzen, die alle vier Jahre erfolgen mußtte, allerdings plieb alsdann in je 16 Jahren ein tropischer Schalttag ungedeckt. Allein im großen und ganzen gestaltete sich doch der Verlauf des Neujahrstages in Bezug auf das wahre Solstitium nach einem einfachen, schon in der ältesten Form der Oktaeteris klar durchschimmerden Gesetze. Da nämlich das gemeine Sonnenjahr von 365 Tagen um 11 Tage größer als ein gemeines Mondjahr und um 19 Tage kleiner als ein Schaltmondjahr ist, da ferner der Neujahrstag nie vor die Sommerwende treten durfte, so ergab sich beim Ubergange von einem Neujahrstage zum nächstfolgenden die einfache chronologisch-