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Gesetz der Neujahrstage: denn da Sonne und Mond zu ihrem ursprünglichen Ausgangspunkte zurück- gekehrt waren, die Bewegungen beider Himmelskörper aber immer unverändert bleiben, so mußten auch die Folgen dieser Bewegungen, d. h. die Neumonde und Neujahrstage, in gleicher Weise
wiederkehren. Man hatte einen s. g. Mondcyklus
gefunden, dessen Wesen mithin darin besteht, daß er eine gewisse Anzahl voller tropischer Jahre und gleichzeitig eine bestimmte Zahl voller synodischer Monate einschließt.
2. Die Oktaeteris und ihre Erweiterungen.
Der älteste und der eigentliche Nationalcyklus der Griechen ist die aus fünf gemeinen und drei Schalt-Mondjahren(= 5 12+ 3 13= 99 Monaten) zusammengesetzte Oktaeteris. Ihre Ent- stehungsgeschichte deckt völlige Nacht. Wenn Kleostratus oder Eudoxus von Censorinus(De die natali) als Erfinder genannt werden, so ist dies historisch unhaltbar und nur durch einen Irrtum zu erklären; sie waren die Verbesserer der Oktaeteris, nicht ihre Erfinder. Die heiligen Feste und Spiele der Griechen, ihre Mythen und viele andere Anzeichen lassen darauf schließen, daß der Ursprung des Oktaeteris vor aller historischen Zeit zu suchen ist. Die Pythien und Daphnephorien wurden alle acht Jahre gefeiert, ebenso die Olympien abwechselnd in 49 und 50, zusammen 99 Monaten. Kad- mus mußzte wegen Tötung des Drachen dem Ares ein ewiges Jahr(ài*εον ευνυιαν⁶) von S gemeinen Jahren dienen(K4οα ϑ eνιν ων εέσπ πτεανεκν εμνυιανναονν εꝓπνενυασσεκν Agei 6&νααμ νπσοςσ τεεα ονκκιτ, Apollod. 3, 4, 1). Apollo mußtte nach Erlegung des Python, der in den Klüften des Parnaß hauste, acht Jahre das Land seines Frevels meiden, bis der Zorn der Gäa sich beschwichtigt hatte,
Möglicherweise greifen die letzten Wurzeln der Oktaeteris in das indogermanische Altertum zurück. Auf den ersten Anblick scheint einer solchen Annahme allerdings der Umstand entgegenzu- stehen, daß nur sehr wenige chronologische Vorstellungen in den verschiedenen indoeuropäischen Sprachstämmen durch gleiche Wurzeln dargestellt werden. Allein die einzelnen Volkszweige be- wahrten nach ihrer Trennung immer nur einen verhältnismäßig kleinen Teil des angestammten Sprachguts; zahlreiche Wörter, welche bei den einen noch angetroffen werden, sind bei den andern von der Flut der Zeiten hinweggeschwemmt, haben Neubildungen Platz gemacht oder einen Wechsel, meist eine Erweiterung der Bedeutung erfahren. Jedenfalls ist es eine auffallende, wohl nur auf eine gemeinsame Quelle zurückzuführende Erscheinung, daß alle Indogermanen sich des gebundenen Mond- jahres bedienen— ebenso wie die Nachbarn ihrer Urheimat, die Chinesen. Die natürlichste und gewiß auch älteste Jahrform ist die des Sonnenjahrs; die Triebfedern zur chronologischen Ausbildung des Sonnenjahres liegen in den materiellen Bedürfnissen der Menschen, vor allem in denen des Acker- baues. Erst wenn die Zeitrechnung mit dem Kultus in Berührung tritt(durch das Opfer der Erst- linge von Feldfrüchten bei einer bestimmten Mondphase) wird das Sonnenjahr in das gebundene Mondjahr umgebildet.— Wenn also, wie man in neuerer Zeit annimmt, Religionsstreitigkeiten zur Auswanderung der Indogermanen mit beigetragen haben, so darf auch das Vorhandensein eines ausgeprägten Religionssystems und eines indogermanischen Kultusjahres als sicher vorausgesetzt werden. Vielleicht ist daher das von den Uferbewohnern der Nord- und Ostsee in altgermanischer Zeit ge- brauchte Lunisolarjahr, mit dessen Einrichtung uns Beda Venerabilis bekannt macht, bereits eine indogermanische Errungenschaft. Keinenfalls ist eine Entlehnung anzunehmen. Wohl aber zeigen das germanische und griechische Mondjahr eine merkwürdige Ubereinstimmung in gewissen Grund-
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