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Gründe für Ideler dabei ausschlaggebend waren; er selbst hat sich hierüber nicht deutlich genug erklärt. Vielleicht war es das massenhafte Detail— in dessen Erforschung Ideler Unvergleichliches leistete— wodurch er das Ganze zuweilen aus den Augen verlor. Es erscheint insbesondere gewagt, bei dem Wiederaufbau eines chronologischen Systems ängstlich nach einzelnen, nicht einmal astronomisch be- glaubigten Tagen zu haschen, so lange noch die allgemeinsten Umrisse und ganze Monate in Frage stehen.
Doch kehren wir zur Sonnenwende des Aristarch zurück, welche erweislich am 27. Juni und zwar gegen Ende des 51. Kallippischen Jahres beobachtet wurde. Wenn also Ideler in seinem Entwurfe der Kallippischen Zeitrechnung das 51. Jahr mit dem 16. Juni anfangen läßt, so befindet er sich damit, worauf schon Biot hinwies, in einem flagranten Widerspruche mit einer der bündigsten Uberlieferungen, welche wir von der attischen Zeitrechnung besitzen. Das Schicksal des Idelerschen Systems ist damit entschieden, denn die Möglichkeit einer Anderung der Schaltordnung, an die man etwa denken möchte, erscheint, nach dem fest vorgezeichneten Plane des Systems, aus- geschlossen. Böckhs Versuch, dem Systeme Idelers durch Interpretation aus der Bedrängnis zu helfen, muß— gegenüber einer Stelle, auf welcher auch nicht der leiseste Schatten von Zweideutigkeit haftet— von vornherein als aussichtslos betrachtet werden. Es handelt sich hier nicht um ein Urteil, sondern um eine Thatsache, die indisputabel ist.
Die Schaltkreise der Athener.
1) Entwickelung des Begriffs Mondcyklus.
Die Einsicht in den Gang der folgenden Untersuchung wird erleichtert, wenn wir zunächst eine gedrängte Darstellung der attischen Schalteyklen, so wie sie sich unseres Erachtens aus- und nacheinander entwickelt haben, folgen lassen. Denn wenn man klar sieht, was geschehen ist, fallen meist auch schon die Gründe in die Augen, warum es nur so und nicht anders geschehen konnte.
Wir beginnen mit einer Definition des chronologischen Problems, welches von den Athenern zu lösen war und schicken zu dem Ende die von der heutigen Wissenschaft angenommenen Werte der Zeitmaße voraus, um deren Ausgleichung es sich dabei handelt. Wenn auch diese Werte in griechischer Zeit bei weitem noch nicht mit solcher Genauigkeit erforscht waren, so lagen sie doch de facto dem Probleme zu Grunde, da sie den wahren Lauf der Gestirne zum Ausdruck bringen, den ja die griechische Zeitrechnung nachzubilden suchte.,
Es ist:
1. ein mittleres tropisches(natürliches) Jahr, d. h. der Zeitraum zwischen zwei aufeinander- folgenden Durchgängen der Sonne durch den Frühlingspunkt,
= 365 5 1 48m 468,08= 365,2422 Tagen,
2. ein mittlerer synodischer Monat(»Mondmonat«), d. h. der Zeitraum zwischen zwei be- nachbarten Neumonden
= 294 12 44m 28,9= 29,5309 Tagen,


