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Die chriſtlichen Deutſchen(ſ. hierüber Grimms Wörterbuch unter„heide“), die mit den Römern in Berührung kamen, ahmten dies nach, und nannten die Nichtchriſten Bewohner des flachen Landes, der Heide, oder Heiden. Zu vergleichen ſind die engliſchen Wörter heath, die Heide, auch das Heide⸗
kraut, und heathen, der Heide. Im Franzöſiſchen kommt paysan ſowohl als palen vom lateiniſchen
pagus; ebenſo im Italieniſchen paesano und pagano.
So ſind alſo in unſerer Sprache die beiden dem Sinne nach ſo verſchiedenen Wörter dem Stamme nach eng verwandt; es iſt alſo kein Grund vorhanden, in der Schreibung einen Unterſchied zu machen. Denn daß man eine Verſchiedenheit eintreten laſſe, nur um zu unterſcheiden, das haben
wir ſchon auf den erſten Blättern dieſes Schriftchens als ungehörig zurückgewieſen. Folgerecht ſollte
man nun auch das Heidekraut und das Heidekorn(Buchweizen) ſchreiben, ſo wie man die Beere der Heide ja allgemein Heidelbeere ſchreibt. Die meiſten neueren Wörterverzeichniſſe(Andreſen, Klaunig, Hannover, Württemberg, Gurcke) ſchreiben die Heide; dieſe Schreibung bricht ſich immer mehr Bahn, und es wäre zu wünſchen, daß ſie die allgemeine würde. Man hat ja ſeit mehr als einem halben Jahrhundert den Gebrauch des ai in deutſchen Worten mehr und mehr beſchränkt; man ſchreibt jetzt ziemlich allgemein Getreide, Weizen; warum alſo nicht auch die Heide?
Mundartliche Ausdrücke.
In einer Klaſſe von acht⸗ bis neunjährigen Knaben wurden Blumen vorgezeigt; der Lehrer fragte nach deren Namen. Bei Papaver Rhoeas ſagte ein Schüler:„Klapperroſe“.„Ach“, hieß es darauf,„ſo ſagen nur die gemeinen Leute; hier in der Schule müſſen wir ſchön ſprechen; du mußt ſagen Klatſchroſe.“ In Frankfurt nun iſt Klapperroſe der allgemein gebrauchte Name dieſer Blume; Klatſchroſe würde geziert lauten. Warum ſollte man alſo in einer Frankfurter Schule Klapperroſe geradezu verwerfen? Im Namen ſelbſt liegt nichts Ungehöriges, nichts Gemeines; er iſt wohl wenig— ſtens eben ſo alt wie der andere; er kommt, wie wir oben geſehen, bereits bei Hieronymus Bock (einem Pfälzer) vor. Dieſer ſagt(ſ. Grimm unter»Klapperrose«):„Die klapperroſen haben ihren namen von dem knall, welchen die blätlin der roſen verurſachen, wenn man ſie auf ſondre manier, ſo den jungen buben bekant, zuſammen legt und auf die hand oder ſtirn ſchlecht[ſchlägt].“ Uebrigens hat ſich in dem angeführten Beiſpiele(das ich darum gegeben habe, weil es wirklich vorgekommen iſt) doch der Betreffende geirrt; der Name Klapperroſe iſt nicht auf Frankfurt und ſeine nähere Um⸗ gegend beſchränkt. Nach Grimm iſt„Klatſchroſe“ mitteldeutſch, z. B. ſächſiſch. So gibt denn der Thüringer Lenz(Naturgeſch. IV) bei Papaver Rhoeas nur den deutſchen Namen Klatſchroſe; dage⸗ gen Freſenius(Frankfurter; botan. Taſchenbuch) Ackermohn, Klapperroſen; Kittel(in Aſchaffenburg) wilder Mohn, Klatſchroſe, Klapperroſe, Schnalzblume; Leunis(Hannoveraner) Feuerblume, Klatſchroſe, in der Anmerkung aber auch Klapperroſe; Mozin⸗Peſchier(deutſch⸗franzöſ. Wörterbuch) Klapperroſe; Klatſchroſe ſiehe Klapperroſe. Der Betreffende hatte vielleicht ſeine botaniſche Kenntnis aus Lenz oder einem andern in Norddeutſchland verfaßten Buche geſchöpft; und in unſerer Gegend meint man manchmal mit Unrecht, die norddeutſchen Ausdrücke ſeien doch eigentlich vornehmer als die unſrigen; ſo wie denn— beiläufig geſagt— mancher vornehmer zu ſprechen glaubt, wenn er den— doch
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