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das kleyn Magſamen köpflin rings vmbher mit ſchwartzem har gezeiert, welches auch hinfelt. Im zeittigen köpflin... findt man ſamen, dem gemeynen Magſamen gleich, doch ein wenig bräuner vnnd faſt kleyner.“
All dies paßt noch heute; denn die wildwachſende Pflanze verändert ihre Natur nicht. Nur die Ausdrücke werden zum Theil andere: die„häutlin“ oder„blettlin“ nennen wir heute Kelchblätter, die ſchwarzen„har“ Staubfäden.
Die lebende Sprache aber verändert ſich beſtändig. Luther ſchrieb„die helle“(Hölle),„der lewe“(Löwe). Das war damals richtig, heute wäre es falſch. Leſſing ließ auf die Präpoſition jenſeit oder jenſeits wohl auch einmal den Dativ folgen; heute wäre das kaum mehr ſtatthaft. Gellert ſchrieb„das Armuth“(in der Bedeutung„die Armen“); das zu thun dürfte man ſich jetzt nicht erlauben.
So kann man denn alſo bei der lebenden Sprache Regeln nur für eine beſtimmte Zeit aufſtellen. Der Grammatiker muß auch auf die Veränderungen, die— ſelbſt in dem kurzen Zeit⸗ raume eines Menſchenlebens— vorgehen, achten. Er muß feſthalten und als Regel aufſtellen, was wirklich da iſt. Er darf aber nicht willkürlich Geſetze geben und beſtimmen wollen:„ſo muß man ſprechen,“ wenn nicht wirklich ſo von den Gebildeten des Volkes geſprochen wird.
Aber jener Unterſchied in dem Gebrauche von jenſeit als Präpoſition und jenſeits als Adverb beſteht in der That nicht; alſo iſt die Regel, die ihn aufſtellen will, zu verwerfen.
Es könnte nun jemand, der hierin meiner Anſicht beipflichtet, ſagen, es ſei doch hier viel Zeit und Mühe verſchwendet um einer Kleinigkeit willen; und wenn in dieſen Blättern gegen Pedan⸗ tismus geſprochen werden ſolle, ſo verfalle doch der Verfaſſer ſelbſt in dieſen Fehler, indem er über eine Sache, auf die im Grunde nicht ſo viel ankomme, ſo viele Worte mache.
Darauf habe ich folgendes zu erwidern. Als ich von einem mir an Alter und Erfahrung weit überlegenen Manne jenen Tadel gehört hatte, da mußte es mir darum zu thun ſein, für mich ſelbſt in Klarheit zu kommen. Dazu war es nothwendig, Grammatiken und Wörterbücher aufzu⸗ ſchlagen und auch mich in der Literatur umzuſehen. Von dem nun, was ich da geſammelt, gebe ich — bei weitem nicht alles, aber einen, wie ich hoffe, genügenden Theil hier wieder; und ich denke, es iſt das manchem meiner Berufsgenoſſen nicht unangenehm. Vor allem aber habe ich dabei unſere Schüler im Auge. Ich wiederhole, was ich oben geſagt habe: Die Schüler haben recht viel zu lernen; wir wollen ihnen auch nichts, was nöthig iſt, erſparen; aber— plagen wir doch nicht ſie und uns mit Regeln, die aller Begründung entbehren. Laſſen wir ihnen Freiheit, wo unſere Sprache ſelbſt dieſe Freiheit geſtattet. Laſſen wir ſie alſo ſchreiben„dem Theil“, oder dem„Theile“,„des Stuhls“ oder„des Stuhles“,„vom“ oder„von dem“,„hieher“ oder„hierher“,„meiſt“ oder „meiſtens“ oder„meiſtentheils“,„vor Roms Erbauung“ oder„vor der Erbauung Roms“ oder„vor der Erbauung von Rom“, und auch—„jenſeit der Alpen“ oder„jenſeits der Alpen“.
Dem Theile oder dem Theil!
Es iſt mir wohl einmal zu Ohren gekommen, in einer Klaſſe von etwa dreizehnjährigen Schülern ſei gelehrt worden, dem Theil ſei falſch; man müſſe bei dem Dativ des Singulars der männlichen und ſächlichen ſtark deklinirten Subſtantive(es wurde doch wohl, hoffe ich, zugeſetzt:„mit Ausnahme der auf el, em, en, er, chen, lein endigenden“) immer die Endung e zuſetzen, und alſo


